Sven Felski trug am Sonntag zum 999. Mal das Eisbären-Trikot. (FOTO: DPA)
Dem deutschen Eishockey steht ein hollywoodreifer Showdown bevor. Heute um 19.30 Uhr empfangen die Eisbären Berlin im letzten Endspiel der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) die Adler Mannheim. Und völlig unabhängig vom Ausgang - einem Spieler wird der finale Vergleich der Rekordchampions auf jeden Fall zum Eintrag in die Geschichtsbücher verhelfen: Sven Felski.
Das Eisbären-Urgestein steht vor seinem 1 000. Erstligamatch im Berliner Dress. Es ist eine Schlusspointe, die fast zu gewollt aussieht am Ende der Serie. Denn um die Marke erreichen zu können, musste es tatsächlich über die volle Distanz von fünf Spielen gehen.
Kein psychologischer Vorteil
Felski, der mit den Eisbären und dem Vorgängerverein Dynamo alle Höhen und Tiefen im Eishockey miterlebt hat, warnt jedoch: "Das Ding ist nicht durch!" Von einem psychologischen Vorteil für sein Team nach dem dramatischen 6:5-Sieg in der Verlängerung am Sonntag in Mannheim will der 37-Jährige nichts wissen. "Das mag abgedroschen klingen, aber es steht lediglich 2:2." Und sein Jubiläumsspiel? "Das ist mir eigentlich egal."
Vielmehr lobte der Ex-Nationalstürmer sein Team, das die fünfte Partie dank einer selten gesehenen Aufholjagd in Mannheim ermöglicht hatte. "Ich bin so stolz, dass die Mannschaft alles dafür gegeben hat, dass meine Karriere nicht bei 999 Spielen stehen bleibt", betonte Felski, "auch wenn ich natürlich noch nicht ganz genau weiß, was nach dem Sommer kommt. Aber erst einmal gilt alle Konzentration dem Finale und dem hoffentlich sechsten Titel für mich."
Den Weg dahin hatte Travis James Mulock am Sonntag mit seinem Treffer in der Verlängerung geebnet. "Jetzt ist das Momentum bei uns", meinte er, "wenn wir so weiterspielen, kann man uns nicht schlagen."
Bei den Mannheimer Adlern ist dagegen Schwerstarbeit zu verrichten, um das Team, das 14 Minuten vor Schluss schon für Meisterjubel auf den Rängen gesorgt hatte, wieder aufzurichten. Mit hängenden Köpfen und leeren Blicken waren die Kurpfälzer nach dem K.o. in der Kabine verschwunden. "Es hilft uns nicht, jetzt rumzuheulen", stellte der sichtlich enttäuschte Trainer Harold Kreis klar, "und auch diese Selbstmitleidsgeschichte können wir nicht gebrauchen."
Psychologischer Knacks?
Kreis weiß, dass es in der Serie 2:2 steht, dass sein Team vorigen Freitag in Berlin schon einmal gewonnen hat und auch die Eisbären unter Druck stehen. "Es geht für beide Mannschaften um Alles oder Nichts." Auf die Frage nach dem psychologischen Knacks bei seinen Schützlingen suchte der gebürtige Kanadier lange nach Worten, fand offenbar nicht die passenden und sagte dann - womöglich, um seiner Aussage Kraft zu verleihen - auf Englisch: "Wir können immer noch Meister werden!"