Tennis: Haas besiegt Federer und holt Titel in Halle

17.06.2012 15:04 Uhr | Aktualisiert 17.06.2012 20:56 Uhr
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Turniersieger Tommy Haas

Tommy Haas bedankte sich bei den Fans für die Unterstützung. (FOTO: DPA)

Tommy Haas hat den großen Roger Federer im Finale von Halle geschlagen, und Dirk Nowitzki war einer der ersten, die ihre Glückwünsche schickten.
HALLE (WESTFALEN)/SID/DAPD. 

"Gratulation, mein Junge, Du bist mein Held", twitterte der NBA-Champion aus dem fernen Dallas. Andrea Petkovic war Nowitzki sogar noch zuvorgekommen: "Tommy, du bist eine Inspiration für uns alle. Glückwunsch."

Auf dem Rasen von Halle war der Blick von Tommy Haas derweil auch ein bisschen nach innen gerichtet, war doch das 7:6 (7:5), 6:4 gegen Federer für den gebürtigen Hamburger die persönliche Krönung eines schwierigen Comebacks. Und so ganz nebenbei verhinderte er Federers 50. Sieg nacheinander gegen einen deutschen Tennisspieler.

"Ich werde es erst heute Abend realisieren, was passiert ist. Wenn mir vorher jemand gesagt hätte, ich würde hier gegen Roger Federer, den wahrscheinlich größten Spieler aller Zeiten, einen Titel holen, ich hätte gesagt: ,Ihr habt nicht alle Tassen im Schrank‘", sagte Haas. Der Oldie schüttelte ungläubig den Kopf und vergaß sogar fast zu jubeln: "Das ist vielleicht der schönste Erfolg meiner Karriere. Ich wollte unbedingt noch meinen 13. Titel gewinnen, weil 13 meine Glückszahl ist. Zudem Roger auf Gras geschlagen zu haben - das wäre jetzt der perfekte Zeitpunkt, meine Karriere zu beenden." Bevor seine Fans jedoch zusammenzucken konnten, gab Haas Entwarnung: "Ich habe noch Ziele und werde meinen Titel im nächsten Jahr verteidigen - wenn der Körper hält." Das ist die Einschränkung, die der 34-Jährige immer machen muss.

Hüftschaden sorgt für lange Pause

In der Weltspitze ist Haas nach dem Sieg über Federer allerdings endgültig wieder angekommen. Er gewann seinen ersten Titel nach dem Sieg bei den Gerry Weber Open in Halle 2009, als er Novak Djokovic bezwungen hatte. In den drei Jahren dazwischen lagen ein langwieriger Hüftschaden, quälende Stunden in der Reha, Challenger-Turniere und zuletzt die Qualifikation auf den Außenplätzen der French Open. "Es ist schon verrückt", sagte Haas, "aber das ist eine Lektion, die mir das Leben gezeigt hat: Nichts ist unmöglich, wenn man es unbedingt will."

Das größte Lob verteilte sein Freund Federer. "Ja, ich bin überrascht, dass er nach den zahlreichen Verletzungen wieder so spielen kann", sagte der 30-Jährige. "Und nein: Eigentlich bin ich gar nicht überrascht, weil ich weiß, was Tommy für ein Champion ist. Ich freue mich einfach für Tommy, dass er wieder da ist."

Natürlich verteilte Federer schon auf dem Platz ein paar Geschenke an seinen Freund. Er leistete sich Doppelfehler, Unkonzentriertheiten beim Volley und Schwächen auf der Vorhand. Doch Haas hielt den Druck auf den fünfmaligen Halle-Champion und sechsmaligen Wimbledonsieger aufrecht. "Auf Rasen ist er sehr gefährlich. Da kommen seine Stärken zum Tragen", hatte Federer vor dem Match gesagt - und Recht behalten.

Der Favorit nahm Haas zwar im ersten Aufschlagspiel dessen Service ab, das Selbstvertrauen, das der Hamburger mit den Erfolgen über Tomas Berdych und Philipp Kohlschreiber gesammelt hatte, konnte Federer ihm allerdings nicht nehmen. Haas glich den Aufschlagverlust Mitte des ersten Durchgangs aus und war fortan der dominierende Akteur. Angetrieben vom Publikum kam der Oldie seinem dritten Sieg gegen Federer im 13. Duell von Spiel zu Spiel näher. Zuletzt hatte Haas vor zehn Jahren bei den Australian Open gegen den Weltranglisten-Dritten gewonnen.

Nalbandian verletzt Linienrichter

David Nalbandian hat im Finale des Turniers im Londoner Queen's Club für einen Skandal gesorgt. Der Argentinier trat im zweiten Satz nach einem verpatzten Schlag gegen eine Werbebande, die den dahinterstehenden Linienrichter am Bein traf. Dieser erlitt eine blutende Schnittwunde und musste von einem Arzt behandelt werden. Der führende Nalbandian wurde daraufhin disqualifiziert und der Kroate Marin Cilic zum Sieger des Rasenturniers erklärt.