Tischtennis: Nächstes Ziel: Olympia-Finale

Uhr | Aktualisiert 02.04.2012 17:23 Uhr
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Deutsche Tischtennis-Herren

Hinter den Chinesen sind die deutschen Tischtennis-Herren die Nummer zwei der Welt. (FOTO: DPA)

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Was tun, Timo Boll? Der Kampf von Deutschlands Tischtennis-Star und seinen Kollegen gegen China gleicht immer mehr dem Kampf von Don Quijote gegen Windmühlen.
Dortmund/dpa. 

0:3 im Olympia-Finale 2008, 1:3 im WM-Finale 2010, 0:3 bei der Heim-WM in Dortmund - das macht wenig Mut für Olympia in London. «Wir sind den Chinesen wieder ein Stück näher gerückt», erklärte Bundestrainer Jörg Roßkopf fast trotzig nach der Pleite in der Westfalenhalle. Was sich in nackten Zahlen widersprüchlich anhört, trifft zumindest für Boll zu.

Der WM-Dritte hatte bei seiner 2:3-Niederlage gegen Weltmeister Zhang Jike noch die besten Chancen. Im Vorjahr war er dem Champion beim 1:4 im Halbfinale der Einzel-WM ziemlich hoffnungslos unterlegen. Diesmal war der Düsseldorfer in einem fantastischen vierten Satz in Sachen Schnelligkeit und Schlaghärte dem Weltmeister mehr als ebenbürtig. Doch das reichte nicht. «Drei Sätze in Folge gegen einen Top-Chinesen zu gewinnen, ist fast unmöglich», sagte Boll zu seinem Durchhänger im letzten Satz. «Sie sind mental, spielerisch und physisch extrem stark und nutzen jede Schwäche konsequent. Wir müssen noch einen Tick aggressiver werden.»

Bolls fehlende Körner könnten ihren Grund in der eingeschränkten WM-Vorbereitung haben. Wegen einer schmerzhaften Schulterverletzung konnte der Linkshänder seine Vorhand nicht optimal belasten. «Mein größter Wunsch ist es, vor Olympia verletzungsfrei zu bleiben», sagte deshalb der Rekord-Europameister. Seine internationalen Einsätze werden bis London weiterhin reduziert, durch seine gute WM-Bilanz mit 6:1-Siegen dürfte er den Südkoreaner Joo Se Hyuk in der Weltrangliste wieder überholt haben. Das würde für die DTTB-Herren Platz zwei in der Olympia-Setzliste hinter Weltmeister China bedeuten.

Die Aussichten auf ein erneutes Olympia-Finale gegen das Reich der Mitte sind also gut. Zu überlegen waren Deutschland und China den anderen Teams bei der WM. Allerdings muss zuvor der deutsche Meister Bastian Steger (Saarbrücken) bei der Olympia-Qualifikation in zwei Wochen in Luxemburg erst noch das dritte Ticket für den Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) lösen.

Im olympischen Wettbewerb werden die Karten ohnehin neu gemischt. Statt maximal fünf Einzel besteht ein Teamwettkampf aus vier Einzel und einem Doppel. Anders als im Tennis-Daviscup darf ein Top-Mann wie Boll aber nur zweimal an den Tisch - eine komplizierte Regel, die eher den Chinesen in die Karten spielt. «Deutschland ist eine Nation, die uns wirklich Druck macht», lobte Chinas Herren-Trainer Liu Guoliang die Europameister. Er hatte sein Star-Ensemble mit den Nummern 1, 2 und 3 der Weltrangliste perfekt auf das Endspiel in Dortmund vorbereitet und wünscht sich nun eine Neuauflage in London. «Das ist von meiner Seite auch kein Problem», sagte Roßkopf.

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