Thomas Kebernik auf seinem Renntraktor (FOTO: THOMAS KLITZSCH)
Die Formel 1 kann auch nicht spannender sein. 16 mutige Piloten klemmten sich am Sonnabend hinter das Steuer ihres Rasentraktors und zeigten in der Kemberger Burgstraße Fahrgefühl und Bleifuß. Drei Wertungen hatten die Fahrer zu absolvieren, neben einem Geschicklichkeitsparcours standen ein Gleichmäßigkeitsfahren und ein Geschwindigkeitsrennen an, die in eine Gesamtwertung einflossen.
Man musste nicht mal Besitzer eines Rasentraktors sein. Feuerwehrmann Thomas Kebernik und sein Kollege Sebastian Dalchow hatten sich einen Traktor geliehen und ihn "feuerwehrtechnisch" aufgerüstet. Kebernik hatte als erster Starter noch die Schwierigkeit, die Disziplinen beim Geschicklichkeitsfahren auszuloten. Da galt es, durch Umfüllen von Wasser eine Schranke zu öffnen sowie Slalom und Wende hinzubekommen. Und es waren einige ungewöhnliche Aufgaben dabei: Wie Don Quichote war mit einer Lanze ein Ballon zu zerstechen und schwingenden Säcken auszuweichen.
Organisiert hat das Rennen der Verein Kemberger Lebenszeiten. Es sollte, so Hendrik Hiller, ausdrücklich einmal nicht etwas Mittelalterliches sein. Dass die Idee so durchschlagen würde, daran hatten die Organisatoren wohl nur in ihren kühnsten Träumen geglaubt. Mehrere Hundert Zuschauer standen an der Strecke und hatten ebenso viel Spaß wie die Fahrer. Die mühten sich redlich. Manch einer stieg sogar während der Fahrt ab und versuchte zu schieben. Aber so ein Rasentraktor hat außer den vier Rädern nicht allzu viel mit einem Rennwagen gemein. Die großen Funken vom Karnevalsverein mimten die "Boxenluder" und beschirmten die Fahrer vor ihrem Start. "Rasen mähen ist eigentlich Aufgabe der Männer", meinte Janine Bräsick. "Wir schauen uns das mal an. Vielleicht fahren wir im nächsten Jahr auch mit."
Den Spaß wert war es auch Hans-Herbert Hildebrandt, im früheren Berufsleben Fahrschullehrer. Er hatte zufällig von dem Rennen erfahren und spontan beschlossen, mitzumachen. Seinen Rasentraktor, der sonst 600 Quadratmeter Grünfläche kurz hält, hatte er mit "Team Radio, Heckspoiler und Kompressor" aufgemotzt - extra für die Wertung auf Fahrzeug- und Helmdesign. Beides räumte Mirko Schröter ab. Der hat nicht mal eine große Rasenfläche und den Traktor nur zum Spaß und Verschönern gekauft. "Nächstes Jahr bin ich wieder dabei", meinte er schmunzelnd. Bester Fahrer wurde Maikel Jäckel, und bei den getunten Fahrzeugen waren die Feuerwehrleute alleinige Teilnehmer und Sieger. Aber wer, wenn nicht die Feuerwehr, darf und muss am schnellsten über Rasen und Asphalt?