Transfer-Tabelle: Der HFC steht auf dem letzten Platz

14.06.2012 22:19 Uhr | Aktualisiert 14.06.2012 23:50 Uhr
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Ralph Kühne (l.) und Sven Köhler

Die Werbebande bringt es genau auf den Punkt: Transferpolitik ist wie Lottospielen - auch für die HFC-Verantwortlichen Ralph Kühne (l.) und Sven Köhler. (ARCHIVFOTO: LÖFFLER)

Von Karl Ebert
Das Personalkarussell in der dritten Liga dreht sich auf Hochtouren. Nur beim HFC tut sich kaum etwas. Drei Neuen stehen sieben Abgängen gegenüber.
Halle (Saale)/MZ. 

In den Fan-Foren wird heiß diskutiert. Am Montag startet der Hallesche FC seine Vorbereitung auf die dritte Liga. "Aber mit welchem Kader? Wer kommt noch?", fragen sich die Anhänger. Es wirkt besorgt. Denn während sich bei anderen Fußball-Vereinen der Liga das Personalkarussell mit rasanter Geschwindigkeit und noch größeren Namen dreht, ruht bei den rot-weißen Aufsteigern still der See.

In der Tabelle des Fußball-Magazins Kicker steht der HFC bei den Transfers 2012 / 13 auf dem letzten Platz. Der Karlsruher SC meldet 13 Zugänge und zwölf Abgänge. Alemannia Aachen schwebt mit zehn neuen Spielern und zwölf Abgängen in ähnlichen Regionen. Sogar der SV Babelsberg, dem über den Sommer wieder einmal wirtschaftliche Schwierigkeiten nachgesagt wurden, hat sechs Profis ziehen lassen und neun verpflichtet.

Die Konkurrenz klotzt auch bei den Namen. Schließlich holte Aachen mit Sascha Rösler und Freddy Borg gestandene Erst- und Zweitligaprofis. Wobei sich Manager Ralph Kühne jeden Vergleich mit den früheren Erstligisten verbittet: "Den HFC mit Zweitliga-Absteigern auf eine Stufe zu stellen, ist nicht gerecht."

Das kann man geben. Trotzdem nehmen sich die drei Zugänge und zwei Abgänge des HFC, wie sie der Kicker aufführt, im Vergleich zur Konkurrenz mehr als bescheiden aus. Dabei ist das ja nur die halbe Wahrheit. Die Zahl der Neuen stimmt, denn mit Philipp Zeiger (VFC Plauen), Dominik Becken und Nils Pichinot (beide Carl Zeiss Jena) wurde ein Trio verpflichtet. Auf der anderen Seite der Liste stehen mit den langzeitverletzten, aber im Kader geführten Marco Stier, Steve Finke und Pavel David sowie den Abgängen Dennis Wegner (Werder Bremen) und Benjamin Boltze (1. FC Magdeburg) schon fünf Namen. Zudem wird der Vertrag von Tom Butzmann nicht verlängert und auch David Haider Kamm Al-Azzawe traut die Vereinsführung den Sprung in die dritte Liga nicht zu, wie Manager Ralph Kühne bestätigt.

Kein Wunder, dass die Fans besorgt sind. "Mal ehrlich, ich glaube nicht, dass wir mit den Ergänzungsspielern Preuß und Shala, die schon in der Regionalliga oft nur zweite Wahl waren, wirklich weiterkommen", meint Interpol74 im Fan-Internetforum "Webhallunken". HFC-Lexy dagegen beruhigt: "Letzte Sommerpause hat es auch eine Weile gedauert, ehe die echten Verstärkungen da waren."

Stimmt nicht ganz. Damals hatte der HFC mit Maik Wagefeld, Steven Ruprecht, Anton Müller und Sören Eismann wichtige Positionen lange vor dem Trainingsstart besetzt. Und vor allem: Sie alle waren Spieler, die klar für die Stammformation verpflichtet wurden.

Diesem Status wird in diesem Jahr einzig Stürmer Pichinot gerecht. Becken muss sich gegen die starken Innenverteidiger Ruprecht und Patrick Mouaya erst einmal durchsetzen. Und die beiden bildeten in der Vorsaison immerhin das Herzstück der besten Abwehr in den ersten vier Ligen. Und Zeiger dürfte im Konkurrenzkampf mit den überragenden Sechsern Wagefeld und Marco Hartmann ebenso nur der Platz auf der Auswechselbank bleiben. Und dass ein dritter Torwart, den Trainer Sven Köhler fordert, auch nur im Ansatz an den überragenden Darko Horvat heranreichen kann, ist mehr als fraglich.

Ralph Kühne reagiert bei dieser Einschätzung gereizt. Das ist verständlich, schließlich haben er und Köhler in den letzten Jahren bei der Auswahl neuer Spieler nur selten daneben gelegen. Und von den nominell 23 Spielern im Kader kamen laut Kühne letztlich nur 17 permanent zum Einsatz.

"Ich bin überzeugt, dass wir zum Saisonstart ein konkurrenzfähiges Team auf dem Platz stehen haben. Bei allen Neuzugängen sind wir sicher, dass wir mit ihnen die Qualität unseres Kaders verbessern", sagt Kühne. "Und das wird auch für den neuen Mann auf der linken Außenbahn zutreffen, wo wir noch einige Varianten haben."

Kühne stellt klar: "Wir gehen mit 21 maximal 22 Spielern in die Saison." Und das ist ein Tanz auf dem Drahtseil. "Bisher haben wir 19 Profis unter Vertrag. Bleiben noch besagter Mittelfeldspieler und der Torwart. Vielleicht halten wir den 22. Platz bis weit in die Vorbereitung hinein offen. Dann können wir auf Verletzungen oder für den Fall, dass jemand den Anforderungen nicht gewachsen ist, noch reagieren."

Mit einem der kleinsten Kader der dritten Liga riskiert der HFC sehr viel. Verletzungen wiegen dann doppelt so schwer - wie die Beispiele von Ruprecht, Mouaya und Müller in der abgelaufenen Saison gezeigt haben. Und die Saison hat diesmal 38 Spiele.

Doch bei aller Sorge über die Transferpolitik: Klar ist auch, dass das Budget von knapp zwei Millionen Euro allein für die Drittliga-Mannschaft nicht viel mehr zulässt. Nur zum Vergleich: In der letzten Saison waren Rot-Weiß Oberhausen (23), der VfL Osnabrück (23), Jahn Regensburg (21) und Preußen Münster (20) mit vergleichsweise wenig Personal angetreten. Abgestiegen ist am Ende nur Oberhausen. Und Regensburg schaffte sogar den Sprung in die zweite Liga.