Turnen: «Boy-Group» will verpatzten Start gutmachen

25.05.2012 17:26 Uhr | Aktualisiert 25.05.2012 17:36 Uhr
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Philipp Boy

Philipp Boy trainiert für die Turn-EM in Montpellier am Seitpferd. (FOTO: DPA)

Von Andreas Frank
Beim EM-Auftakt der deutschen Kunstturner in Montpellier war noch viel Sand im Getriebe, Vize-Weltmeister Philipp Boy stand am Reck kurz vor dem Aus. Nun wollen die Titelverteidiger am Wochenende in der Mannschafts-Entscheidung und in den Gerätefinals ihre zweite Chance besser nutzen.
Montpellier/SID. 

Zusammen mit einem Sahne-Eis beim abendlichen Bummel über den Place de la Comedie in der Altstadt von Montpellier hatte die „Boy-Group“ des Deutschen Turner-Bundes (DTB) dann schließlich auch den Frust über einen durchwachsenen Europameisterschafts-Start runtergeschluckt. „Klar, wir haben viele Baustellen offengelassen, aber unser Hauptwettkampf ist schließlich Olympia“, sagte Vize-Weltmeister Philipp Boy, der auch noch Stunden nach seinem Auftritt in der ParkundSuites Arena unter Strom stand.

Erst nach dem letzten Turner stand fest, dass der 24-Jährige trotz eines Patzers am Sonntag (16.30 Uhr/ZDF) zusammen mit Eugen Spiridonov (Bous) im Reckfinale steht: „Ich hätte nicht mehr erwartet, dass es noch reicht.“ Dabei kam der Cottbuser mit dem „Königsgerät“ noch am besten zurecht, ansonsten „war ich schon angefressen, an jedem Gerät war der Wurm drin“, bekannte Boy. Bundestrainer Andreas Hirsch wurde noch deutlicher: „Philipp sah angekotzt aus, es war eine ganz schöne Kopfwäsche für ihn.“

Bedingt durch von Verletzungen erzwungene Trainingsausfälle im Frühjahr konnte der Lausitzer in Abwesenheit von Fabian Hambüchen die Führungsrolle in der deutschen Riege nicht so spielen, wie er es selbst erwartet oder zumindest erhofft hatte. Als Titelverteidiger angetreten, reichte es für das DTB-Quintett in der Team-Qualifikation nur zum vierten Platz, fast fünf Punkte hinter Spitzenreiter Großbritannien. Keine gute Basis für einen erneuten Titelgewinn in der Entscheidung am Samstag (14.30 Uhr), aber den erwartet Chefcoach Hirsch auch nicht zwingend von seinen Schützlingen: „Ich bin wenig davon überrascht, dass einiges noch nicht geklappt hat. Wir wollten uns aber vor der EM nicht drücken. Und ich verstehe auch, dass für einige Sportler die Olympia-Qualifikationen im Juni fast noch wichtiger sind.“

Boy und Marcel Nguyen aus Unterhaching, der am Sonntag (16.00 Uhr) seinen EM-Titel am Barren verteidigen möchte, sind für London praktisch gesetzt, doch Spiridonov, der Hallenser Matthias Fahrig und Sebastian Krimmer aus Stuttgart müssen in Montpellier zumindest einen guten Eindruck hinterlassen. Fahrig verpasste das anvisierte Boden-Finale, steht aber am Sprung im Endkampf. Am Seitpferd profilieren wollte sich Krimmer, nun ist er am Barren für die Entscheidung qualifiziert.

Doch im Mittelpunkt des Interesses steht Boy, der an der Spitze der deutschen Riege nur zu gerne mithelfen möchte, den enttäuschenden Eindruck aus dem Vorkampf zu verwischen: „Unser Qualifikations-Durchgang war die schlechteste Teamleistung in den vergangenen drei Wochen. Das wollen wir so nicht stehenlassen.“ Perfektion dürfe man aber noch nicht erwarten, schränkte Teamkollege Fahrig ein: „Hier schon hundertprozentig in Form zu sein, wäre ja auch irgendwie falsch.“