Union Halle-Neustadt: Schock zum Trainingsauftakt

17.07.2012 21:57 Uhr | Aktualisiert 17.07.2012 22:01 Uhr
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Peggy Hesse (rotes Trikot)

In der letzten Saison spielte Peggy Hesse (rotes Trikot) noch als Kreisläuferin der Wildcats und warf 21 Tore. (ARCHIVFOTO: ANDREAS LÖFFLER)

Von Jan-Ole Prasse
Unions Kreisläuferin Peggy Hesse muss ihre Karriere wegen eines Knorpelschadens beenden. Mit gerade einmal 24 Jahren.
Halle (Saale)/MZ. 

Immer wieder bilden sich kleine Schweißperlen auf der Stirn und rund um den Mund. Dabei herrschen in der Halle alles andere als tropische Temperaturen. Das Training ist es auch nicht, das bei Peggy Hesse, Kreisläuferin von Union Halle-Neustadt, den Schweiß treibt, denn sie darf gar nicht mitmachen. Es ist die Entscheidung, über die sie sprechen muss und die ihr sichtlich schwer gefallen ist.

Hesse wird ihre Handball-Karriere mit sofortiger Wirkung beenden. Sie muss. "Die Gesundheit geht vor, ich bin an dem Punkt, an dem es nicht mehr geht." Mit 24 Jahren ist sie Sportinvalide. Ein Alter, in dem für andere Sportler die Karriere erst richtig beginnt. Ein Knorpelschaden im Knie zwingt sie zur Aufgabe. "Der Arzt hat nach der Kernspintomographie gesagt, dass ich die Belastung runterschrauben muss. Bevor ich ein künstliches Kniegelenk bekomme, höre ich lieber auf."

Peggy Hesse hat damit eine Entscheidung gegen ihr Herz getroffen. Das ist ihr in den Trainingspausen anzumerken, in denen sie immer wieder zu ihren jetzt ehemaligen Mannschaftskameradinnen geht, so wie sie es seit Jahren gemacht hat. "Am schwersten war es, vor der Mannschaft das Aus zu verkünden. Da sind Tränen geflossen", sagt sie mit belegter Stimme.

Für Teammanager Frank Kastner kommt das Karriereende seiner Kreisläuferin zur Unzeit: "Das war ein richtiger Schock für uns alle." Seit 2008 hat Hesse bei den Wildcats gespielt. In der vergangenen Saison machte sie 22 Spiele, organisierte im Mittelblock die Abwehr der Hallenserinnen. Das Spielerische wird ohne Frage fehlen, aber das Menschliche noch weit mehr. Hesse gehörte mit ihrer Erfahrung zu den Führungsspielerinnen, übernahm in wichtigen Situationen Verantwortung. Ein schwerer Verlust, für den Kastner schnell Ersatz braucht.

"Plötzlich muss die Saisonplanung noch einmal umgestoßen werden", so der Manager. Denn eigentlich hatte er mit dem neuen Trainer Michael Lukacin, der polnischen Nationaltorhüterin Anna Baranowska und Rechtsaußen Elisa Möschter die Transfers weitgehend abgeschlossen. Jetzt ist er erneut zum Handeln gezwungen. "In den nächsten Wochen werden noch drei bis vier Mädchen bei uns mittrainieren." Namen will Kastner noch nicht nennen.

Ob die Wildcats die Konsequenzen des Karriereendes ihrer Kreisläuferin in den Griff bekommen, ist offen. Für Peggy Hesse aber bricht eine Welt zusammen. Seit ihrem siebten Lebensjahr spielt die gebürtige Leipzigerin Handball. "Es ist ein komisches Gefühl, ich komme nach Hause und frage mich: ,Was mache ich jetzt?‘" Direkt nach der Diagnose flog sie für zwei Wochen in den Urlaub, um mit sich selbst auszumachen, ob sie dem Rat des Arztes folgt. "Als Sportler denkt man eigentlich immer: Es geht noch, es geht noch."

Die 24-Jährige hat sich trotz ihrer langen Verletzungsgeschichte mit zwei Kreuzbandrissen lange an diese Hoffnung geklammert. Wie sie die plötzliche Freizeit füllen will, davon hat die Angestellte bei einem Gastransport-Unternehmen noch keine klaren Vorstellungen. Zunächst muss sie sich ohnehin um das sogenannte Abtrainieren vom Leistungssport kümmern. "Jetzt steht Radfahren, Spinning und Fitnessstudio auf dem Programm." Zudem will sie demnächst ein Studium der Kommunikationswissenschaft aufnehmen.

Trotz dieser Planspiele, Hesse will dem Handball und den Wildcats nicht den Rücken kehren. "Ich möchte gerne eine Funktion im Verein übernehmen, am liebsten nahe bei der Mannschaft." Gespräche mit Kastner laufen bereits. Sollten die erfolgreich sein, kann Hesse ihrem Lebensmotto wieder gerecht werden: "Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag."