Der Bernburger Marcus Schubert (links) versucht, Halles Torschützen Dennis Wegner auszuspielen. (FOTO: SCHREIBER)
Fußballer bewältigen den Frust über eine Niederlage am liebsten in einem schon wenige Tage später folgenden Spiel. Für Dennis Wegner und Steven Ruprecht, die bei der 0:1-Niederlage des Halleschen FC beim ZFC Meuselwitz am Sonnabend nur wenige Minuten oder gar nicht gespielt hatten, ergab sich diese Chance nicht einmal 24 Stunden nach der Pleite in der Regionalliga.
Ruprecht gab in der U 23 nach sechswöchiger Pause wegen einer Adduktorenverletzung ein 60-minütiges Comeback. Und Wegner entschied das Verbandsliga-Duell Zweiter gegen Erster mit seinen beiden Treffern (10., 68.) zum 2:0-Erfolg des HFC II bei Askania Bernburg fast im Alleingang. "Ruprecht hat die 60 Minuten fehlerfrei und ohne Schmerzen gespielt", sagte Trainer Carsten Hänsel. "Dennis Wegner hätte mindestens noch ein Tor mehr erzielen müssen." Seine Mannschaft habe die Aufgabe souverän gelöst und hätte durchaus noch deutlicher gewinnen können, meinte Hänsel.
Fünf Regionalliga-Spieler
Die Bernburger jedenfalls waren so frustriert, dass sie gleich einmal einen Strich unter die Saison machten. "Den Titel können wir jetzt abhaken. Wir müssen zusehen, dass wir die Saison am Ende noch mit einer ordentlichen Platzierung beenden und nicht zu weit abstürzen", erklärte Askania-Kapitän Michael Schmidt. "Halle war uns vor allem in der ersten Halbzeit in allen Belangen überlegen. Sie hatten viel mehr Ballbesitz. Wir kamen schlecht in die Zweikämpfe."
Zur Ehrenrettung der Bernburger muss man aber sagen, dass der HFC in dieser für den Kampf um die Landesmeisterschaft wichtigen Partie mit Ruprecht, Wegner, Tom Butzmann, David Haider Kamm Al-Azzawe und Benjamin Knaack gleich fünf Spieler aufgeboten hatte, die bereits über Regionalliga-Erfahrung verfügen. Und wie wichtig den Hallensern der Auftritt ihrer Reserve war, zeigt die Tatsache, dass sich Cheftrainer Sven Köhler, sein Assistent Dieter Strozniak und Manager Ralph Kühne höchstpersönlich das Spitzenduell auf der Tribüne ansahen.
Der HFC ließ vor der Pause Ball und Gegner laufen. Den ersten Kopfball setzte Wegner noch neben den Kasten (1.), der zweite Versuch saß. Nach einer Flanke von Sebastian Dräger zirkelte der HFC-Stürmer das Leder mit seiner Stirn unhaltbar für Askania-Schlussmann Patrick Baldauf in die Maschen. Die klarste Gelegenheit versiebte der Hallenser jedoch, als er in der 26. Minute aus zwei Metern den Ball am leeren Kasten vorbei schob.
Die Hausherren leisteten sich dagegen zu viele Fehler im Spielaufbau und bissen sich außerdem an der von Ruprecht glänzend organisierten Deckung die Zähne aus. Der Innenverteidiger verlor keinen einzigen Zweikampf und meldete Bernburgs Torjäger Matthias Härtl vollkommen ab. "Als ich Ruprecht ausgewechselt habe, mussten wir uns zehn Minuten neu sortieren. Aber der Erfolg war zu keinem Zeitpunkt in Gefahr", so Hänsel.
Bernburgs Kevin Petrovics (61.) konnte die kurze Unordnung in der Gäste-Abwehr nicht nutzen. Er versuchte es aus fünf Metern mit einem Lupfer, statt einfach draufzuhalten. "Einige Spieler in unseren Reihen waren den Anforderungen in diesem Spitzenspiel nicht gewachsen. Ich habe die taktische Disziplin vermisst", sagte Bernburgs Trainer Heiko Böhler. "Uns fehlten der Biss und die Aggressivität in den Zweikämpfen. Gerade in der Phase, als wir die Partie etwas besser in den Griff bekommen haben, leisteten wir uns einen individuellen Fehler."
HFC sieben Spiele unbesiegt
Was er meinte: Christian Wegener reklamierte eine angebliche Abseitsstellung und blieb stehen, anstatt dem Hallenser Torsten Gundlach hinterherzujagen. Dessen flache Eingabe drückte Dennis Wegner (68.) aus Nahdistanz über die Linie. Danach hatten die Bernburger noch zwei Chancen zum Anschlusstreffer. Nach starkem Zuspiel von Schmidt lief Stephan Duscha (82.) allein auf das Gäste-Gehäuse zu, ließ sich aber von einem Zuruf seines Teamkollegen Tobias Donath irritieren und spielte quer, anstatt selbst zu schießen. Bei der Attacke gegen Martin Weile kurz vor Schluss blieb der Elfmeterpfiff von Referee Karsten Fettback aus.
"Wir wollten mindestens einen Punkt mitnehmen. Dieser Sieg in Bernburg ist ein Big Point, den wir im nächsten Heimspiel gegen den TSV Völpke mit einem weiteren Dreier veredeln müssen", sagte HFC-Trainer Hänsel über die Fortsetzung der Erfolgsserie. Die Rot-Weißen sind nun schon seit sieben Spielen ungeschlagen.