Wimbledon: Haas verliert Tiebreak-Krimi

26.06.2012 20:50 Uhr | Aktualisiert 26.06.2012 22:48 Uhr
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Tommy Haas

Tommy Haas kam mit der Empfehlung des Turniersiegs in Halle (Westfalen), schied aber in Wimbledon in der ersten Runde aus. (FOTO: DPA)

Philipp Kohlschreiber gelingt mit seinem Sieg im deutschen Duell zum Auftakt von Wimbledon die Revanche für seine Halbfinalniederlage in Halle.
London/sid. 

Tommy Haas galt als „Dark Horse“ von Wimbledon, als Geheimfavorit, als Altmeister mit Ambitionen auf ganz große Siege. Doch in Runde eins des weltweit wichtigsten Tennisturniers war bereits Schluss für den Sieger der Gerry Weber Open.

Der Routinier verlor gestern den Krimi gegen seinen deutschen Rivalen Philipp Kohlschreiber 6:3, 6:7 (8:10), 7:6 (7:5), 6:7 (1:7), 2:6. „Ich hatte mehr Chancen als Philipp, habe sie aber nicht genutzt“, sagte Haas enttäuscht und ließ seinem Ärger freien Lauf: „Ich hasse es zu verlieren. Niederlagen kotzen mich an.“

Kohlschreiber, im All England Club an Position 27 gesetzt, bewies im Match über 3:14 Stunden den längeren Atem. Der Augsburger revanchierte sich mit dem Sieg für die Niederlage im Halbfinale von Halle/Westfalen und trifft nun auf den Tunesier Malek Jaziri - eine durchaus lösbare Aufgabe.

Haas mit besserem Start

„Ich habe heute fantastisch gespielt. So eine Leistung zu wiederholen wäre toll, ist aber nicht selbstverständlich“, sagte Kohlschreiber nach dem Marathon-Match. Dabei sah es in den ersten drei Sätzen nicht danach aus, als würde Kohlschreiber seinen „Intimfeind“ gefährden können.

Haas war der bessere, weil aggressivere Spieler, ließ keinen Breakball zu und musste sich nur vorwerfen lassen, seine Chancen ausgelassen zu haben. Im zweiten Durchgang vergab der 34-Jährige einen Satzball im Tiebreak, erholte sich jedoch und ging mit 2:1 Sätzen in Führung.

Dann machte sich allerdings der Altersunterschied auf dem Außenplatz 19 im All England Club immer mehr bemerkbar. Während Haas die Präzision abhanden kam, sein Aufschlag immer mehr wackelte und auch die Flucht ans Netz nichts mehr half, hielt der sechs Jahre jüngere Kohlschreiber sein Niveau.

Von der Knöchelverletzung, die er sich beim Vorbereitungsturnier in Eastbourne zugezogen hatte, war nichts mehr zu spüren. „Ich hatte am Ende einen Tick mehr Kraft“, sagte Kohlschreiber: „Die Dauer der Partie war für mich wohl besser.“

Haas hatte vor dem Match gesagt, er wolle „ein wenig Schaden anrichten“ unter den Top-Favoriten beim wichtigsten Tennisturnier der Welt und hatte nach seinem Sieg gegen Roger Federer in Halle/Westfalen vielleicht bereits auf ein mögliches Duell mit dem zweimaligen Champion Rafael Nadal in der dritten Runde spekuliert. Doch Halle ist nicht Wimbledon, das musste Haas bitter erfahren.

Übermäßigen Jubel verkniff sich Kohlschreiber nach dem Match - eine respektvolle Geste, da bekannt ist, dass sich die beiden deutschen Profis nicht besonders mögen. Nach der Davis-Cup-Partie im Februar gegen Argentinien hatte Haas seinen Kollegen scharf angegriffen, weil Kohlschreiber wegen einer Krankheit nicht in Bamberg erschienen war.

Beim World Team Cup in Düsseldorf hatte Kohlschreiber bestätigt: „Wir haben nicht viele Gemeinsamkeiten. Wir sagen 'Hallo' und 'Tschüss', das wars“, sagte der 28-Jährige: „Ich will mich da einfach nicht verstellen, wir sind keine Freunde. Wenn wir als Team irgendwo auftreten, dann verhalten wir uns professionell. Aber wenn das Turnier vorbei ist, geht jeder seiner Wege.“

Deutsches Trio ist ausgeschieden

Kohlschreibers Weg führt ihn nun in Runde zwei, als vierter Deutscher nach Florian Mayer (Bayreuth), Philipp Petzschner (Bayreuth) und Benjamin Becker. Das „Dark Horse“ Haas wird - wenn sein Körper mitspielt - erst im kommenden Jahr wieder nach Wimbledon kommen. Für die Olympischen Spiele (27. Juli bis 12. August) hat er keine Wildcard bekommen. „Dass der DOSB mich nicht vorgeschlagen hat, ist ein bisschen frustrierend“, sagte Haas.

Ausgeschieden sind gestern auch Matthias Bachinger (München), Cedrik-Marcel Stebe (Vaihingen) und Mona Barthel (Bad Segeberg) Weitere Spiele wurden wegen Regens auf heute verlegt.