Zehnkampf: Hallenser Freimuth hängt Behrenbruch ab

09.08.2012 17:57 Uhr | Aktualisiert 09.08.2012 21:36 Uhr
Rico Freimuth kämpft um eine Zehnkampf-Medaille. (FOTO: DPA) 
Von Ralf Jarkowski
Nach einem schwachen Speerwurf muss Zehnkämpfer Rico Freimuth seine Medaillenhoffnungen bei den Olympischen Spielen wohl schon vor dem abschließenden 1500-Meter-Lauf begraben.
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London/dpa. 

Top-Favorit Ashton Eaton stürmt Zehnkampf-Gold und womöglich einem erneuten Weltrekord entgegen. Im Sog des Amerikaners liefert auch Rico Freimuth bei seinem Olympia-Debüt einen ganz starken Wettkampf ab. Der 24-Jährige liegt nach der vorletzten Disziplin mit 7625 Punkten auf Platz sechs. Nach dem Speerwurf fehlen Freimuth 154 Zähler auf Rang drei.

Europameister Pascal Behrenbruch erlebt dagegen sechs Wochen nach seinem Triumph von Helsinki ein Debakel. Nach neun enttäuschenden Disziplinen hat der 27-Jährige im Vergleich zu seinem Gold-Coup, bei dem er mit 8558 Punkten Bestleistung erzielte, bisher 410 Zähler weniger gesammelt. Als Zehnter (7430) hat er schon lange keine Chance mehr auf die erhoffte Medaille.

Viel besser präsentierte sich dagegen Freimuth. Der Hallenser, Sohn des ehemaligen Zehnkämpfers und WM-Vierten Uwe Freimuth, knüpfte am Donnerstag nahtlos an seine starken ersten fünf Disziplinen an und erzielte mit dem Diskus (49,11) und im Stabhochsprung (4,90) persönliche Bestleistungen. Im Speerwurf kam der Bürokaufmann von einer Ellenbogenverletzung geplagt allerdings nicht über 57,37 m hinaus, weshalb er nur noch mit einem absoluten Traumlauf über die abschließenden 1500 m eine Chance auf Bronze hat. Eine Bestmarke (8322) ist dagegen realistisch. „Ich versuche einfach meine Leistung abzurufen“, sagte er, „das sind jetzt schon die geilsten und aufregendsten zwei Tage meines Lebens.“

Eaton erwischte über die Hürden einen guten Start und rannte mit 13,56 Saisonbestleistung. Nach einem soliden Diskuswurf, 5,20 m im Stabhochsprung und starken 61,96 m mit dem Speer liegt er im Vergleich 41 Punkte hinter seiner Bestmarke (9039). Der 24 Jahre alte Vize-Weltmeister führt mit 8148 Zählern weiter das Feld an und hat auf den Zweitplatzierten Trey Hardee 151 Punkte Vorsprung. Der Doppel-Weltmeister liegt wiederum 218 Punkte vor dem Dritten Leonel Suarez. Der Kubaner katapultierte sich mit 76,94 m im Speerwurf vom achten Platz auf den Bronze-Rang.

Sechs Wochen nach seinem EM-Triumph von Helsinki präsentierte sich Behrenbruch in London wie ein Schatten seiner selbst. Der 1,96 m große Modellathlet aus Frankfurt, der in Tallinn (Estland) bei Andrej Nazarow - dem ehemaligen Coach von Olympiasieger Erki Nool - trainiert, machte die harten Einheiten der vergangenen Monate für seine schwache Vorstellung verantwortlich. „Seit Oktober habe ich nur gekeult - da war klar, dass irgendwann das Burn-out kommt“, sagte er, „ich fühle mich wie in Trance. Die EM war super, aber hier kacke ich ab. Mir fehlen Power und Emotionen. Trotzdem heißt es nicht, dass die Europameisterschaft ein Fehler war. Das war das Beste, was ich machen konnte, weil ich Europameister bin. Das nimmt mir keiner.“

Thomas Kurschilgen, Sportdirektor im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), kündigte angesichts der schwachen Vorstellung des WM-Siebten eine eingehende Analyse und Gespräche an. Jan Felix Knobel musste wegen muskulärer Probleme nach dem Stabhochsprung aufgeben. Der WM-Achte war zuvor unter seinen Möglichkeiten geblieben und hatte keine Aussicht mehr auf eine vordere Platzierung.