Zehnkampf: Kommendes Vaterglück beflügelt Norman Müller

27.06.2012 21:15 Uhr | Aktualisiert 27.06.2012 21:51 Uhr
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Norman Müller

Norman Müller (FOTO: ANDRES LÖFFLER)

Von Christoph Karpe
Norman Müllers Frau ist schwanger. Und die Vatervorfreuden scheinen ihn beflügelt zu haben. In starken 48,74 Sekunden hatte er die Stadionrunde gemeistert. Bei Halbzeit des Zehnkampfes hat er 4 173 Punkte. Damit liegt er auf Rang vier.
Halle (Saale)/Helsinki/MZ. 

Vor dem Start ein Küsschen auf den Ehering, nach den 400 Metern im Ziel ein Reiben über den Bauch. Die Zeichen, die Norman Müller via TV-Kamera in die Heimat nach Halle schickte waren missverständlich. Der Kuss ging an Ehefrau Rugia, klar. Die kreisrunden Bewegungen in Nabelhöhe sahen nach einem Bärenhunger aus, ganz so, als ob er ein tolles Abendbrot seiner Liebsten vermisse. Großer Irrtum. Kurz nach der finalen Disziplin am Ende des ersten Tages des Europameisterschafts-Zehnkampfs klärte der 26-Jährige auf. "Der Gruß galt der halben Portion, die im Oktober kommt."

Heißt: Seine Frau ist schwanger. Und die Vatervorfreuden scheinen Norman Müller beflügelt zu haben. In starken 48,74 Sekunden hatte er die Stadionrunde gemeistert. Bei Halbzeit des Zehnkampfes hat er 4 173 Punkte. Damit liegt er auf Rang vier, ganze 20 Punkte fehlen ihm zu Mihail Dudas aus Serbien auf Platz drei. 4 291 Zähler hat der Deutsche Pascal Behrenbruch als Zweiter. Und der kann sogar auf Gold spekulieren. Denn der führende Ukrainer Alexej Kasjanow, der 61 Punkte voraus liegt, gilt als schwach am technisch anspruchsvollen zweiten Tag.

Schwacher Auftakt

Müller vergab eine bessere Ausgangsposition im Medaillenkampf in den ersten beiden Disziplinen. 11,08 Sekunden über 100 Meter und 7,24 Meter im Weitsprung waren dürftig, gemessen an seinem Vermögen und den Erwartungen. Entsprechend ernüchtert zeigte sich darüber auch sein Trainer Wolfgang Kühne, der den Wettkampf in der Heimat verfolgte. Im Kraftraum der Werferhalle an den halleschen Brandbergen betreute er gerade den zweiten Top-Zehnkämpfer aus Halle, Rico Freimuth. Der hat im Gegensatz zu Müller die Olympianorm gepackt und verzichtet deshalb auf den Start in der finnischen Hauptstadt. Nebenbei liefen auf einem iPad die Fernsehbilder. "Das war nicht doll, nein das sieht nicht gut aus. Da ist er unter seinem Leistungsvermögen geblieben. Ich hoffe, er kann sich steigern", meinte Kühne.

Müller konnte. 14,88 Meter im Kugelstoßen bedeuteten persönliche Bestleistung. Und auch seine zwei Meter im Hochsprung konnten sich sehen lassen. "Er hat sich richtig gut reingekämpft", sagte Trainingskollege Freimuth. Auch Coach Kühne war mittlerweile halbwegs zufrieden. "Die 100 Meter waren sehr verkrampft. Ab dem Kugelstoßen war der Wettkampf okay. Beim Hochsprung hat er jedoch noch einige Zentimeter liegen gelassen. Man hat gesehen: Er hat mehr drauf. Schade drum", sagt er.

Doch was ist noch möglich? In Götzis, wo Müller mit 8 034 Punkten an der Norm für London (8 300) gescheitert war, schaffte er am zweiten Tag keine 3 900 Zähler. "Er wird wohl wieder im Götzis-Bereich landen. An eine Medaille für Norman glaube ich nicht so recht. Doch ich lasse mich gern von ihm korrigieren und positiv überraschen", so Freimuth. Ähnlich sieht es Wolfgang Kühne: "Wenn alles super läuft, kommt er auf 8 100 Punkte."

Norman Müller hielt sich mit einer Prognose noch zurück. "Ich bin zwar locker und fühle mich gut. Der Wind hier ist jedoch wechselhaft. Das wird gerade beim Stabhochsprung interessant. Erst nach dem Speerwurf wissen wir, wo die Reise hingeht", sagte er in der ARD. Der Speer ist die neunte Disziplin. Danach kommen nur noch die 1 500 Meter.

Nur der Weltmeister ist schneller

Die Reise von Arne Gabius endete am Mittwoch nach 5 000 Metern mit Silber. Gleich in der ersten und einzigen Entscheidung des Auftakttages der EM gab es also gleich eine Medaille für das deutsche Team. Der 31-jährige Arzt aus Tübingen musste sich nach 13:31,83 Minuten nur Weltmeister Mohamed Farah aus Großbritannien geschlagen geben. Der gebürtige Somalier verteidigte in 13:29,91 Minuten seinen EM-Titel. "Ich wusste, dass Silber hinter Mo Farah möglich ist. An mehr durfte man mit einem solchen Mann im Rennen nicht denken. Und es waren alle da, die laufen können. Ich bin einfach glücklich über meine erste Medaille. Ich habe immer davon geträumt", sagte Gabius. Er schlug sogar einen gebürtigen Kenianer: Polat Kemboi Arikan holte Bronze für die Türkei.