Zweite Liga: Urknall für das Eishockey

11.07.2012 22:53 Uhr | Aktualisiert 11.07.2012 23:21 Uhr
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Fans der Saale Bulls

In der Playoff-Runde spielten die Saale Bulls in einer proppenvollen Volksbank-Arena. In der zweiten Liga gäbe es reihenweise attraktive Spiele. (FOTO: ARCHIV)

Von GOTTFRIED SCHALOW
Der Spielbetrieb im Eishockey steht kurz vor einer Revolution. Die Saale Bulls könnten ab der übernächsten Saison von einer geplanten Aufstockung profitieren.
Halle (Saale)/MZ. 

Das taugt auch irgendwie zur Millionenfrage bei Günther Jauch: Was unterscheidet das deutsche Eishockey von allen anderen Mannschaftssportarten?

Die Antwort, dass die zwei Mannschaften aus Weißwasser und Ost-Berlin jahrzehntelang die Meisterschaft unter sich ausspielten, ist zwar originell, dafür aber schon reichlich angestaubt. Richtig wäre: Es gibt keinen geregelten Auf- und Abstieg. Und das schon seit 1994. In jenem Jahr hatte die Deutsche Eishockey Liga, kurz DEL, die damalige Bundesliga abgelöst. Für den Start in dieser Liga berechtigen seitdem ausschließlich wirtschaftliche Kriterien.

Aufstockung auf 18 bis 20 Vereine

Nun bahnt sich geradezu Revolutionäres an. Denn schon am 18. Juli soll die Gründung einer zweiten Liga unter der Führung der DEL beschlossen werden. Und eine solche Änderung hätte wohl auch direkte Konsequenzen für die Saale Bulls aus Halle, die im Frühjahr erst im Halbfinale der Aufstiegsrunde zur zweiten Liga scheiterten. Die Umfirmierung, etwa in DEL 2, würde nämlich wohl mit einer Aufstockung einhergehen.

So richtig Fahrt aufgenommen hat die Diskussion über den Neuaufbau der beiden höchsten deutschen Eishockey-Ligen in der vergangenen Woche mit der Meldung, dass Landshut und Bad Tölz, also auch jene Mannschaft, an der die Saale Bulls in der Aufstiegsrunde gescheitert waren, die Lizenz für die zweite Liga verweigert wurde. Pikant dabei war, dass Landshut jener Verein war, der sich mit der Neuausrichtung der zweiten Liga in Richtung DEL zuvor am weitesten aus dem Fenster gelehnt hatte. Jürgen Rumrich, der Geschäftsführer der Landshut Cannibals, meint vielsagend: "Wir hätten wohl warten sollen, bis wir die Lizenz haben."

Cleverer hatte sich da Ernst Rupp, der Manager des Zweitligisten Heilbronner Falken, angestellt. Der wartete mit seinem Frontal-Angriff so lange, bis sein Verein die neue Lizenz in den Händen hielt. Jetzt aber sagt er: "Am 18. Juli wird es auf der Liga-Tagung in München den großen Urknall geben. Die DEL ist bereit, uns als DEL 2 aufzunehmen. Dann können wir uns gemeinsam vermarkten, dann wird es über kurz oder lang wieder Auf- und Abstieg geben." Rupp betont, sich im wesentlichen auch mit den anderen Zweitliga-Vereinen einig zu sein. In Halle nimmt man die Ideen mit gespitzten Ohren auf. "So einfach kommen wir nie wieder in diese Liga hinein", hatte Andreas Werkling, der sportliche Leiter der Saale Bulls, vorige Woche schon gesagt. Und auch Präsident Daniel Mischner funkt auf dieser Wellenlänge: "Die zweite Liga ist und bleibt unser Ziel. Ich halte es allerdings eher für unrealistisch, diese Idee jetzt und sofort umzusetzen. Aber für 2013 würden wir unsere Hausaufgaben machen."

Die neue zweite Liga soll aufgestockt werden. Von 13 Mannschaften in der letzten Saison "auf etwa 18 bis 20 Mannschaften", wie Alexander Jäger bestätigt. Jäger ist Geschäftsführer der Eishockey-Spielbetriebs-Gesellschaft (ESBG), die im Moment noch für die zweite Liga zuständig ist. "Die Veränderungen werden aber erst ab der Saison 2013 / 14 greifen. Nur wir müssen jetzt schon die Kriterien dafür festlegen." Am 18. Juli soll auch über die Durchführungsbestimmungen der Saison 2013 / 14 gesprochen werden. Dass Bad Tölz nicht in die zweite Liga darf, stellt die ESBG vor echte Probleme. Jäger: "Es darf nicht mehr passieren, dass wir keinen Passus in unseren Statuten haben, wer denn eigentlich als Nachrücker infrage kommt. Wenn es tatsächlich dabei bleibt, dass Bad Tölz keine Lizenz erhält, stehen wir ziemlich hilflos da."

Nur wirtschaftlich gesunde Klubs

Für eine künftige zweite Liga mit 18 bis 20 Mannschaften sind alle Vereine willkommen, die dafür die wirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllen. "Wir können es uns einfach nicht leisten, gesunde Vereine in den sportlich doch eher wenig attraktiven dritten Ligen darben zu lassen", sagt Jäger. Er nennt da stellvertretend das Beispiel Frankfurt: "Die bringen es pro Heimspiel auf einen Schnitt von fast 5 000 Zuschauern. Darauf können wir eigentlich nicht verzichten." Fraglos gehören aber auch die Saale Bulls genau in diese Kategorie.

Im Moment ist die neue Ligen-Struktur noch ein Planspiel. Aber in einem sehr weit fortgeschrittenen Stadium. Und ein Argument von Alexander Jäger ist zumindest nicht von der Hand zu weisen: "Wir haben nun mal nur eine begrenzte Zahl von sportlich leistungsfähigen und wirtschaftlich gesunden Vereinen. Wenn wir die in zwei funktionierende Ligen bündeln, haben wir viel erreicht für das deutsche Eishockey."