Burgenlandkreis: 1.000 Jahre Kaja

17.06.2012 19:31 Uhr | Aktualisiert 18.06.2012 08:44 Uhr
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Umzug in Kaja

Auch der Zweite Weltkrieg und die Vertreibung werden thematisiert. (FOTO: LISKER)

Von Julia Reinard
Der Großgörschener Ortsteil Kaja hat sein 1.000-jähriges Bestehen gefeiert - unter anderem mit einem Umzug mit 15 Bildern zur Ortsgeschichte.
Kaja/MZ. 

Der Kameramann bezieht schon eine halbe Stunde vor dem Startschuss Aufstellung: Maik Buchmann steht in Großgörschen und nimmt die alte Verbindungsstraße nach Rahna ins Visier. Hier wird der historische Umzug mit den 15 Bildern der Ortsgeschichte Kajas entlang kommen und er wird die Beteiligten filmen.

Buchmann lebte zehn Jahre lang in Kaja, das verbinde ihn bis heute mit dem kleinen Ort, sagt er und deswegen filmt er zum Jubiläum des Örtchens - nicht nur auf der Strecke von Rahna über Groß- und Kleingörschen nach Kaja, sondern auch später auf dem Festplatz.

Der Festumzug ist bunt und geschichtsträchtig. Vorneweg laufen die Wenden, ein slawisches Volk, das in der Gegend viele Siedlungen gegründet hat - wann, ist nicht bekannt, nur dass Kaja 1012 bereits bestanden hat, ist gewiss. Die zugrundeliegende Erwähnung ist der Anlass für das große Fest am Wochenende, dessen Herzstück der Festumzug ist.

Nach den Wenden kommen in anderen Bildern die Franken, Germanen und die Reformationszeit. Vor allem Frauen stellen mit opulenten Kleidern und charmanten Schirmen die Feinheiten der Barockzeit dar. Auch Regina Heinrich vom 1. Lützener Carnevalsverein macht hier mit - "um den Umzug zu unterstützen und den Verein zu präsentieren", wie sie sagt. Das kommt beim Publikum an - so bemerkt die Großgörschenerin Sandra Ludwig diesen Aspekt als besonders gut: "Ich finde es schön, dass die Vereine sich vorgestellt haben." Neben den Lützenern ist auch der VfB Scharnhorst Großgörschen dabei - er fährt ein Tor spazieren, junge Kicker laufen Ball dribbelnd dahinter. Die Abteilung Karneval macht vom Wagen aus Stimmung.

Die Damen vom Runden Tisch in Kleingörschen unterstützen das Bild, das an die LPG erinnert. Drei Frauen auf dem Gefährt waren zu DDR-Zeiten dort beschäftigt. Die 35-jährige Doreen Hildebrandt nicht - sie läuft aus Unterstützung mit. Sie hat sich ein leuchtend blaues Kleid mit orangefarbenem Muster geliehen und eine Kittelschürze umgebunden. Das Haar bedeckt ein Tuch. Einen Nachteil der damaligen Kleidung entdeckte sie im strahlenden Sonnenschein gleich: "In dem Synthetik-Kleid schwitzt man so schnell!"

Die Kajaner sind fast alle im Zug zu finden: Sie fahren Laster wie Karsten Schumann oder sitzen auf dem Seniorenwagen. Der Kleintierzüchterverein Großgörschen sitzt in Kaja war beim Umzug genauso dabei wie der Förderverein Marschall-Ney-Haus und die jungen Leute von Kaja 1813.

Es wird gewunken und gejubelt - auch wenn der Tross bei Bianka Prösdorf vorbeifährt: Die Familie hat Stühle in den Schatten des eigenen Vorgartens in Großgörschen gestellt und genießt so den Umzug. "Er war sehr schön", sagt die junge Mutter hinterher. Besonders habe ihr gefallen, dass sich ein Bild mit dem Zweiten Weltkrieg und den Vertriebenen beschäftigte. Dafür hat Gunter Sack, der Vorsitzende des Festkommitees, gesorgt. "Es war mir wichtig, dass auch die Zeit dargestellt wird, weil sie zur Geschichte gehört", erklärt er.

Im mit Wimpeln geschmückten Kaja dreht der Umzug schließlich eine Runde. Das machen geöffnete Höfe möglich. Diesen Weg fährt den Samstag über auch ein Shuttle entlang, um Gäste zu den drei Ausstellungen zu bringen.

In Kaja wartet Jutta Remler. Sie ist eine der wenigen Kajanerinnen, die dem Umzug zuschauen - dafür macht sie fleißig Fotos. Sowohl sie als auch Exil-Kajaner wie die Lützenerin Sieglinde Müller schwärmen: "Das Fest ist richtig schön."