Burgenlandkreis: Die «verwirrten» Prüflinge

21.05.2012 19:15 Uhr | Aktualisiert 21.05.2012 19:28 Uhr
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Fahrschule

Die Prüfung in der Fahrschule zu bestehen, das ist nicht immer so ganz einfach. Doch die meisten Menschen schaffen die Prüfung auf Anhieb. (FOTO: PETER LISKER)

Von klaus-dieter kunick
Wer eine Fahrschule betreibt, hat jede Menge Gesprächsstoff zu bieten. Die meisten Fahrschüler schaffen die Prüfung zwar auf Anhieb, aber es kommt eben auch zu kuriosen Geschichten, ist da zu erfahren. Die MZ hörte sich bei Fahrschulinhabern um, was in den letzten 20 Jahren so alles passierte.
zeitz/Weissenfels/MZ. 

Wer eine Reise macht, der kann was erzählen. Und wer eine Fahrschule betreibt, hat ebenfalls jede Menge Gesprächsstoff zu bieten. Geht bei den Prüfungen immer alles glatt? Die meisten Fahrschüler schaffen die Prüfung auf Anhieb. Aber es kommt eben auch zu kuriosen Geschichten, ist da zu erfahren. Die MZ hörte sich bei Fahrschulinhabern um, was in den letzten 20 Jahren so alles passierte. "Jeder muss über sich selbst schmunzeln können", sagt Fahrlehrer Falk Klein aus Zeitz.

Ein Fahrschüler von Wolfgang Haucke aus Weißenfels hörte bei den Fahrten immer Klaviermusik. War die Musikkassette nicht eingelegt, funktionierte im wahrsten Sinne des Wortes nichts. Dann hatte der Weißenfelser Fahrlehrer es einmal mit einem Zwillingspaar zu tun, das er absolut nicht auseinanderhalten konnte. Bis er eines Tages entdeckte, dass das eine Mädchen vier und das andere fünf Ringe im Ohr hatte.

Falscher Rat

Die Kuriositäten gehen weiter: Ein anderes Mädchen fiel durch die Prüfung, weil sie auf den Großvater hörte. Der trichterte seiner Enkelin ein, dass sie am Stoppschild anhalten müsse. In der Fahrschule wurde ihr jedoch gelehrt, dass sie an der Haltelinie stoppen müsse. Prompt hielt sie am Stoppschild und überfuhr die Haltelinie. Durchgefallen. Darauf hin kam der Großvater zur Fahrschule und beschimpfte aufs Übelste den Prüfer und den Fahrlehrer - sie hätten überhaupt keine Ahnung.

Weit aus lustiger war es, als eine Frau mittleren Alters bei der Prüfungsfahrt ein Stoppschild überfuhr. Bei der zweiten Prüfungsfahrt sagte sie noch laut: "Hier bin ich beim letzten Mal drüber gefahren." Kaum ausgesprochen, hatte sie in dem Moment alles um sich herum vergessen - und fuhr wieder drüber. "Bei einer Nachtfahrt habe ich mal den Motorradfahrer ,verloren'", erinnert sich Wolfgang Haucke, der im Auto hinter seinem Prüfling fuhr. Zu jener Zeit gab es allerdings noch kein Handy. Ausgemacht war, wenn man sich aus den Augen verliert, wird weiter geradeaus gefahren und dann an einer geeigneten Stelle rechts herangefahren und dort gewartet. Gesagt, getan. Doch der Motorradfahrer passte nicht auf, denn der Fahrlehrer kam an der Ampel bei Grün nicht mit über die Kreuzung, jedoch der Motorradfahrer. Der nahm aber an, in dem Auto hinter ihm befand sich der Fahrlehrer - weit gefehlt. "Stunden später, es war 23.30 Uhr, rief mich der Motorradfahrer an - er war in Apolda und wartete an einer Tankstelle." Ein anderes Mal hielt ein Fahrschüler in der Prüfungsfahrt plötzlich an, stieg ohne ein Wort zu sagen aus dem Auto aus und wurde nie wieder gesehen.

Über ähnliche Kuriositäten hat auch Falk Klein zu berichten. Während der Prüfungsfahrt klingelte bei einem jungen Mann das Handy, er holte es aus der Tasche und sprach mit seiner Freundin. Die wollte wissen, ob er bestanden habe. "Nun nicht mehr", so der Prüfer. Ein anderer Mann brachte es fertig, im Kreisverkehr nach links abzubiegen, was aber im letzten Moment verhindert werden konnte. Falk Klein hat auch "Rekorde" zu bieten: Ein Prüfling schaffte die Theorie erst im achten Anlauf, die praktische Prüfung gar erst beim neunten Mal. "Jeder kann zur praktischen Prüfung antreten, so oft er will", sagt der Zeitzer. Mit einer Einschränkung: Die Theorieprüfung darf nicht verfallen sein, die gilt ein Jahr.

120 verschiedene Ausführungen

Bei einer anderen Prüfungsfahrt fuhr ein Mann einen Mülleimer an. Seine Erklärung: "Der stand gestern noch nicht dort." Der Zeitzer Fahrschulinhaber sieht die Pechsträhnen der Prüflinge eher locker und sagt: "Wir haben es mit Menschen zu tun und nicht mit Maschinen."

Es gibt aber noch mehr Kuriositäten. Falk Klein kann wahrscheinlich den ältesten Führerschein in der Elsterstadt vorweisen - der stammt aus dem Jahre 1939. "Wenn der Mann, dem der Schein gehört, noch leben würde, könnte er den verwenden. Denn der hat nicht seine Gültigkeit verloren." In Deutschland gebe es über 120 verschiedene Ausführungen von Führerscheinen, die alle gelten.