(FOTO: ANDREAS BEZ)
Es erinnert schon ein wenig an die Wüste Dakar. Gemeint ist das Gelände des ehemaligen Tagebaues in Profen an diesem Wochenende während der Rallye Baja 300. Dort, wo sonst nur das Rauschen der grünen Baumwipfel und Vogelgezwitscher zu hören ist, ertönt an drei Tagen gefährliches Dröhnen und Brummen. Mehr als 550 Teilnehmer aus zehn verschiedenen Nationen sind mit ihren tonnenschweren Fahrzeugen angerückt. Das sind in konkreten Zahlen 24 Trucks, 112 Geländewagen, 11 Side-by-Side, neun Quads und 113 Enduros.
Einer der Fahrer ist Jürgen Mattheis aus Baden Württemberg. "Materialmordend", mit diesem einen Wort beschreibt der Mann die Strecke im ehemaligen Tagebau. Er muss es wissen. Schließlich nahm der Mann im Jahr 2005 an der Rallaye Dakar teil. "Wenig Schlaf hatten wir da, die Etappen waren lang und es war staubig", sind ihm die damaligen Eindrücke noch gut in Erinnerung geblieben.
Gut, heiß und staubig ist es an den drei Tagen auch in Profen. Immer wieder starten die schweren Maschinen. Mit ihren dicken Reifenprofilen graben sie sich durch den hellen Sand und zwischen den Bäumen hindurch - acht Runden in jeweils 30 Kilometern. Grob gerechnet kommen dabei mehr als 250 Kilometer für eine Tour zusammen. Nicht jedes Gefährt ist den Bedingungen gewachsen. An der Meldestelle gibt ein Sportler seine Anmeldung zurück. Der Motor streikt. Ein anderer Rallye-Teilnehmer verzichtet freiwillig. Ihm sind die Manöver der anderen Fahrer zu gefährlich.
"Bei einigen setzt während der Fahrt das Gehirn aus", bringt es Christian Meiers auf den Punkt. Er ist an diesem Tag für das Team "Daktec" tätig und einer der unzähligen Techniker, die die schweren Karossen nach der Strecke entweder wieder auf Vordermann bringen oder mit Schrauber, Öl und Fingerspitzengefühl auf den Start vorbereiten. Beeindruckend ist in der Tat das Inventar des großen Trucks. Es ist eine Werkstatt auf Rädern, die eigentlich keinen Mechanikerwunsch offen lässt. So muss es aber auch sein. Welches Material auf der Strecke nicht standhält, muss schnellstens ausgewechselt werden. Sonst ist der Sieg in Gefahr. Dennoch: "Es ist und bleibt ein Amateur-Rennen", sagt Thomas Viecenz. Der Leipziger kümmert sich um die Mitsubishis Pajero, die mit ihren 230 PS an der Rallye teilnehmen. "Wir bauen solche Autos für Rallyes um und fahren selber mit", erzählt er. Und das übrigens mit Erfolg. "Platz elf und 16 und das mit mehr als hundert Konkurrenten", nennt er seine sehenswerten Ergebnisse bei der Baja300. Jahrelange Teilnahmen, unter anderem an Rallyes in Nordafrika, in Tuarek und in Lybien haben bei ihm umfangreiches Hintergrundwissen eingebracht. "Es kommt nicht nur darauf an, das größte und schönste Auto zu haben. Vielmehr zählt das Zusammenspiel zwischen Fahrer und Co-Pilot", sagt er und beschreibt weiter. Der Fahrer schaue nur auf die vor ihm liegenden 20 Meter. Der Co-Pilot lese unterdessen vor, wo die nächste Links- oder Rechtskurve komme, oder wo mit welcher Bodenwelle zu rechnen ist. "Deswegen streiten sich auch die Geister, wer von beiden wichtiger ist", sagt er augenzwinkernd.
Außerdem erfordere dieses Zusammenspiel viel Erfahrung. Deswegen sei das Durchschnittsalter der Fahrer schon etwas höher. Was aber dann auch noch damit zusammenhänge, dass es sich um einen recht teuren Sport handele. Der Fahrer brauche ein gutes Auto und eben auch ein Mechanikerteam, auf das er sich verlassen könne.
Thomas Viecenz bleibt aber auf dem Boden der Tatsachen. "Das ist und bleibt ein Sport, so wie Golf, Tennis oder Kegeln." "Aber trotzdem sind wie alle hier ein bisschen verrückt", gibt er schmunzelnd zu. "Einen normalen Durchschnittsbürger zu erklären, warum ein Rallye-Teilnehmer bei so einem schönen Wetter hier im schwarzen Dreck sitze, ohne Dusche und das tagelang, das ist schon nicht so einfach", gibt der kräftige Mann unumwunden zu. Aber die Rallye-Welt in Deutschland sei überschaubar. Daher kenne man sich und genieße diese kleine eigene Welt mit ihrer eigentümlichen Atmosphäre.
Thomas Viecenz weiß aber auch, dass dieser Sport umstritten ist. "Wir verbrauchen Unmengen Sprit und Diesel. Wir sind laut und mit unseren Pkw in der Natur unterwegs", weiß er. Das erfordere einiges an Toleranz. Dann steht Thomas Viecenz auf und setzt sich hinters Steuer, um sich auf der Strecke den Staub um die Ohren wehen zu lassen. Er kann nicht anders.