Der 1. Mai ist alljährlich ein Festtag in Lützen. Denn da feiert das Altenpflegeheim "Drei Villen" Geburtstag und lädt dazu alle Lützener ein. Fröhlich geht es dann immer zu, so wie am Dienstag, als die Leißlinger Saalespatzen Musik machten, ein Bauchredner alle zum Lachen brachte und jede Menge Gäste zu Besuch kamen.
"Funkfreunde waren schon bei mir", freute sich Gisela Kühlmann. Und später wolle sie der Frau des Bürgermeisters - "das ist doch eine aus Sössen" - mal ihr Zimmer zeigen. Eigentlich habe sie ja nie ins Heim gewollt, verrät die 79-jährige Seniorin, doch zu Hause ging es vor einem Jahr dann plötzlich nicht mehr allein. "Nun ist hier mein Zuhause", sagt sie. Sie treffe immer wieder auf bekannte Gesichter, freue sich mit der Wohnbereichsleiterin Sandy Valentin auf deren zweites Kind, bekomme Besuch und werde ansonsten den ganzen Tag beschäftigt, wenn sie sich nicht gerade auf ihr Zimmer zurückziehen wolle.
Wer von den Bewohnern das Bett verlassen kann, hat sich mit in den Schatten der Festzelte gesetzt und genießt das herrliche Wetter und die Geselligkeit. Dafür haben Ria Schönbach und Hannelore Benke alle Hände voll zu tun. Sie unterstützten ehrenamtlich das Personal, zu dem sie vor sechs beziehungsweise sieben Jahren selbst noch gehörten. "Ich bin immer mit Freude zur Arbeit gegangen", erklärt Hannelore Benke, warum sie mit 65 Jahren noch immer zufasst, wenn sie ins Heim kommt. Freilich sehe die Arbeit hier jetzt etwas anders aus, als damals in der Küche, doch wolle sie weiter für die alten Menschen da sein. So gibt sie diesen die Gelegenheit zu Spaziergängen, wenn sie sich allein nicht mehr raus trauen, oder sie ist bei Ausflügen als Helferin dabei. Ria Schönbach, einst angestellt für die Betreuung, kümmert sich außerdem noch um blühende Beete im Heimgarten. "Wir sind da, wenn mal eine Hand fehlt, und wir tun ansonsten das, was wir uns als Heimbewohner auch wünschen würden", beschreibt sie ihr gewähltes Ehrenamt.
Angst davor, die letzten Lebensjahre in einem Altenpflegeheim verbringen zu müssen? "Nein! Warum auch? Hier wird doch gut für alle gesorgt", sagt Harit Rothe, die mit ihren 82 Jahren noch fit ist und trotzdem oft ins Pflegeheim kommt. Nämlich mit der Seniorengruppe des DRK. Sie habe sich schon in den "Drei Villen" angemeldet für den Fall, dass sie eines Tages pflegebedürftig werde. Schon jetzt sei ihr das Haus sehr vertraut. Man kenne schon viele vom Personal und die Wohnbedingungen, habe selbst schon Angehörige hier gehabt, ziehe den Hut vor der Arbeit der jungen Leute in der Pflege und empfinde eine schöne Atmosphäre, darin ist sich ganze die Gruppe einig.