Im Gewölbe mit dem dekorativen Fenster genießen Christine und Roland Scheffler Kaffee und Kuchen. (FOTO: PETER LISKER)
"Hier ist es doch richtig romantisch", sagt Annett Wollny und genießt in dem kleinen Garten in Meuchen ihren Kaffee. Ein Stück von dem Rhabarber-Kuchen kann es auch noch sein. Und ihr Mann Andreas nimmt ein Stück von der Quarktorte, von dem sie kosten darf. "Wir haben das Schild an einer Mauer im Nachbardorf entdeckt", verrät Andreas Wollny, was das Ehepaar vom Radweg aus Sachsen zum Abstecher ins Landcafé Meuchen verführt hat. "Wir kennen das schon vom vorigen Jahr, wir sind Wiederholungstäter", setzt seine Frau hinzu.
Bei der Suche nach dem Café im Dorf habe man dann gleich die hübsche kleine Kirche mit entdeckt, jene, in der 1632 der Schwedenkönig Gustav II. Adolf nach seinem Tod auf dem Schlachtfeld erst einmal aufgebahrt wurde. Und eigentlich finden es beide gar nicht so gut, dass nun über dieses beschauliche Fleckchen in der Zeitung geschrieben werden soll. Denn dann ist der Geheimtipp ja bald keiner mehr und es könnte aus sein mit der Ruhe hier im Café.
Die Sorge teilt auch Sigrid Scheibe, obwohl es ihre Idee war, in dem zu ihrem Meuchener Gehöft gehörenden Gewölbe das Café einzurichten und zu betreiben. Mit Landesfördermitteln wurde die Umsetzung des Projektes erleichtert. "Auf Qualität setzen und Schritt für Schritt vorgehen", das sei ihre Strategie. Nicht viel Gerede und Werbung machen, sondern sich und allen Beteiligten Zeit geben, sich etwas entwickeln lassen. Längst sei noch nicht alles fertig. Doch das Gewölbe mit dem Kamin und den Säulen, einem Glasbild als Fenster und anderen liebevollen Details ist schon ein einladender Gastraum für bis zu 25 Personen. Kleine Familienfeste werden da gefeiert, denn wer sich anmeldet, ist nicht auf die Öffnungszeiten Sonntag von 14 bis 17 Uhr angewiesen, für den wird zwischendurch gebacken und die Kaffeetafel eingedeckt.
Im Obergeschoss ist bis auf die von Gästen selbst zu nutzende Küche ein Gastraum entstanden, den statt Bilder an den Wänden "Hängegärten" zieren - ein Produkt des Lützener Designers Jörg Brachmann, das er extra für Sigrid Scheibe entwickelt hat. Kräuter sollen nicht nur dort, sondern zukünftig auch am Rand des Freisitzes wachsen. Die Hauswirtschaftsmeisterin Sigrid Scheibe ist noch nicht am Ende ihrer Ideen und Tatkraft.
Helmut Andersohn lobt den Kuchen. Der 87-Jährige ist dafür mit dem Fahrrad aus Kleingörschen gekommen. Er hat das Haus wiedergefunden, weil seine Fassade in diesem Jahr nun den Schriftzug "Landcafé Meuchen" trägt, verrät er. Familie und Freunde hat Sigrid Scheibe mit im Einsatz, um die Arbeit am Wochenende zu bewältigen. Abweisen möchte sie keinen. Lieber solle ihr Café weiter nur als Geheimtipp gelten.