In der Selbsthilfegruppe finden sich Freundinnen. (FOTO:PETER LISKER)
Welch fröhliche Runde: Wann immer am letzten Freitag im Monat eine Frau das Buchcafé Nahlem in Leißling betritt, wird sie herzlich begrüßt: "Hallo." Und:"Schön, dass du da bist." Und: "Wie geht es dir?" - Bei der Frage wird es heikel, sie klingt hier ernster als anderswo. Denn es sitzen nicht einfach Freundinnen zusammen, sondern Leidensgenossinnen. Jeden letzten Freitag im Monat trifft sich ab 17 Uhr die Selbsthilfegruppe "Frauen nach Krebs II" in dem Café.
Es gibt zwei Selbsthilfegruppen für Frauen nach der Diagnose Krebs in Weißenfels. Sie kennen sich, aber sie "agieren unabhängig voneinander", erklärt die Leiterin der zweiten Gruppe, Silke Scheiding. 14 Frauen treffen sich zur Zeit regelmäßig in Leißling.
Vor zwei Jahren stieß Ingrid Nowack als bisher letzte der Gruppe zu ihnen. Als sie die Diagnose "Krebs" erhielt, sei sie wie erschlagen gewesen, sagt die 60-Jährige. "Als die Ärzte sagten, Sie haben ein Karzinom, dachte ich, ich habe nicht mehr lange zu leben."
Zwei Mal wurde Ingrid Nowack operiert, anschließend erhielt sie Bestrahlungen. Dafür fuhr sie sieben Wochen lang jeden Tag nach Halle. "Diese Zeit hat mich viel Kraft gekostet, ich war müde und kaputt", sagt die Langendorferin. Ihre Frauenärztin empfahl ihr, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. So landete sie bei den anderen Frauen, "Freundinnen", wie sie heute sagt. Bevor sie das erste Mal dabei war, habe sie keine Vorstellung davon gehabt, wie die Treffen sein könnten.
Silke Scheiding versteht die Selbsthilfegruppe als unverbindliches Angebot. "Jede Betroffene ist willkommen. Wir wollen Hoffnung geben und zwingen niemanden, sich zu entblättern." Wer mal zum Reinschnuppern kommen möchte, könne das zwanglos tun. "Und wenn sich eine Frau entscheidet, dass das nichts für sie ist, ist das auch in Ordnung", sagt Silke Scheiding. Wer bleibt, zahlt monatlich zwei Euro Mitgliedsbeitrag. Wer bleibt, dem hat die Stimmung gefallen, dem haben der Austausch, die Hinweise oder die gegenseitige Anteilnahme ein wenig geholfen.
Die Vorteile liegen auf der Hand. Die Frauen können sich in andere Frauen in ähnlicher Situation gut einfühlen. Schon das Berichten der eigenen Geschichte helfe Betroffenen, wissen die Frauen aus eigener Erfahrung. "Wenn jemand neu zu uns kommt, können wir erzählen, wie wir den Krebs erlebt haben, können unser Wissen mitteilen und Zuversicht geben", erläutert Silke Scheiding einen Grund für die Treffen.
Aber es ist mehr. Wenn eine der Betroffenen eine Leistung von der Krankenkasse genehmigt bekommen hat, gibt sie das weiter. Wenn neue Heilmethoden bekannt werden, diskutieren die Frauen sie. Ingrid Nowack: "Wir raten uns gegenseitig, was man im Alltag tun kann, um Neuerkrankungen vorzubeugen." Das Rückfallrisiko ist hoch. "Man darf als Krebspatient nicht denken, man habe es hinter sich. Man muss aufmerksam bleiben und bei jedem Verdacht die Ärzte fragen", rät Silke Scheiding.
Sie sagt, die seelische Belastung bei der Diagnose Krebs sei enorm und darüber zu reden könne viel helfen. Die Gruppe hilft, sie auszuhalten. "Moralisch stützen", nennt das Sigrid Beer aus Langendorf, die seit Anfang an in der Gruppe ist. Und die zuletzt hinzugekommene Ingrid Nowack sagt, sie habe mit der Selbsthilfegruppe gelernt, dass das Leben trotz der Diagnose nicht vorbei ist. Denn das Leben ist eben auch manchmal schön oder lustig - genau wie die Treffen der Frauen.
Informationen zur Selbsthilfegruppe gibt Silke Scheiding über Telefon 0176 / 4305 57 68 und per E-Mail unter kraft-zum-leben@gmx.de .