Burgenlandkreis: Gosecker Schlosskirche wird aufwendig saniert

09.08.2012 20:01 Uhr | Aktualisiert 10.08.2012 09:56 Uhr
Liegend arbeitet hier Hans-Jürgen Reichelt an der Deckenmalerei. (FOTO: A. BLEY) 
Von Holger Zimmer
Nur wenige Quadratmeter der alten Decke mit ihrer ursprünglichen Bemalung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sind bei der Sanierung des Dachstuhls vor Jahren gesichert worden und erhalten geblieben.
Drucken per Mail
Goseck/MZ. 

Lucas Lange steht mit einer überdimensionalen Spritze auf dem Gerüst in der Gosecker Schlosskirche und drückt Hinterfüllmörtel zwischen Putz und Natursteinwand. Faktisch unter der Decke arbeiten Christoph Schneider und Hans-Jürgen Reichelt. Nur wenige Quadratmeter der alten Decke mit ihrer ursprünglichen Bemalung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sind bei der Sanierung des Dachstuhls vor Jahren gesichert worden und erhalten geblieben. Die Ausmalung mit ornamentalem Schmuck in den neuen Kassettenfeldern erfolgt jetzt, soll der Eindruck alter Schönheit entstehen, die freilich nicht wie ein Imitat wirken darf. Denn die originalen Blüten gehen über ornamentale Muster hinaus und erwecken einen faszinierenden dreidimensionalen Eindruck.

Von der Erhaltung des Schönen



Sven Hübner ist ebenfalls vom Atelier für Restaurierung Schloss Kaufungen GmbH in Limbach-Oberfrohna, war Maler und hatte irgendwann genug vom Kleben von Raufasertapete. Der 36-Jährige studierte und arbeitet nun als Diplomrestaurator. Er spricht von Idealismus und der Erhaltung des Schönen, was angesichts wirtschaftlicher Zwänge durchaus an Grenzen stoßen kann. Am Schloss Rammenau bei Dresden hat er schon mitgewirkt, ist auf dem Friedhof an der Görlitzer Nikolaikirche tätig, über deren expressionistische Ausgestaltung er seine Diplomarbeit geschrieben hat.

In Goseck stammen vielleicht 15 Prozent der Putze aus der Bauzeit von vor rund 950 Jahren. Weitere sind in späteren Umbauphasen an die Wände gekommen. Und der Mittdreißiger schwärmt vom Erhaltenen aus der Klosterzeit. Die Oberfläche dieser Putze sei mit der Kelle geglättet und extrem hart geworden. "Sie sind in der Regel besser als die jüngeren Putze. Da hatten unsere Vorfahren offenbar mehr drauf."

Mittelaltermalerei und Bogenfries

Sogar geometrische Muster und Bänder zum Beispiel an den Fensterlaibungen oder figürliche Darstellung von Heiligen sind in rötlichem Farbton überkommen. Hier wird nicht nur hinterspritzt, sondern auch gereinigt, bevor mit tief eindringender Kieselsäure eine Strukturfestigung erfolgt. Mit Fertigstellung der Kirche werden alte und neue Putze ebenso zu sehen sein wie die Malereien aus dem Mittelalter und der Rundbogen-fries aus der Zeit der Umgestaltung der Kirche um 1850.

Christoph Schneider und Hans-Jürgen Reichelt arbeiten an der Decke mit Schnurschlag und Schablone. Bei ersterem werden mit kohlegeschwärzten Schnüren die äußeren Linien der Kassetten aufgebracht. Schneider schwört dabei auf den sparsamen Einsatz der nicht eben sauberen Methode. Es sei aber immer auch eine Art Nervenkrieg, damit Muster und vorgegebene Farbtöne gelingen. Er habe mal ganz früher gemalt, das dann aber lange nicht getan. Nun kommt ihm die Leidenschaft von einst zugute, denn Schneider bringt nicht nur geometrische und ornamentale Muster an Decke und Wände, sondern hat auch schon bei der Restaurierung von Altären mitgewirkt. Ob er seine Arbeit am Ende noch einmal richtig begutachten kann? Der Mittfünfziger schüttelt den Kopf. Wenn die nächste Baustelle rufe, würden meist noch die Gerüste stehen. Sich mal anzusehen, was auch durch seine Hände Arbeit entstanden ist, das habe er sich für den Ruhestand vorgenommen.

Hans-Jürgen Reichelt haucht den zunächst ockernen Blütenmustern an der Decke Leben ein, indem er ihnen noch einmal mit einer rötlichen Farbe ein etwas plastischeres Aussehen verleiht. Er ist übrigens nicht nur freiberuflicher Restaurator bei der Firma aus Limbach-Oberfrohna, sondern auch Künstler und zeigt demnächst wieder seine Malereien sowie Grafiken in einer Ausstellung. Danach gefragt, wo er in Gebäuden seine Spuren hinterlassen hat, verweist Reichelt auf den Wappensaal des Merseburger Domkapitels, den er ausmalen konnte.