König Otto II. mit seiner Ehefrau demonstrierte im Festumzug sogar seine Heiratsurkunde. (FOTO: PETER LISKER)
"It's the real good Feeling" - Ja, es ist ein gutes Gefühl an diesem Wochenende in Gostau. Während dieser bekannte Titel von David Hasselhoff durch die Lautsprecherboxen dröhnt, entsteht vor dem Feuerwehrgerätehaus ein amüsantes Bild. Menschen aus verschiedenen Zeitepochen kommen, in majestätisch samtene Gewänder gehüllt, mit einer Gefängniskugel am Fuß oder historischen landwirtschaftlichen Geräten in der Hand auf den Platz. Verräterisch ist dabei nur, dass sie immer wieder ihre Handys zücken, um sich gegenseitig zur Erinnerung zu fotografieren. Es wird klar: Sie alle sind Teilnehmer des großen Umzuges anlässlich des 1 000. Geburtstages des Ortes.
Jamie John ist einer von ihnen und mit seinen fünf Jahren auch einer der jüngsten Darsteller. Der Knirps hat einen von Urgroßvater Horst geerbten Jägerhut mit einer stattlichen Quaste an der Seite auf dem Kopf. Angst hat der Junge auf dem jägerlich dekorierten Wagen nicht. Zwischen Schwarz- und Muffelwild, Fuchs und Eule ist der Sössener viel zu glücklich, dabei sein zu dürfen. Deshalb nimmt er es gelassen, dass die Menschen ihre Kamera immer wieder auf ihn halten und abdrücken. "Ich möchte auch mal Jäger werden", kündigt er selbstbewusst an. Eingeladen ist der Junge vom Freund seines verstorbenen Urgroßvaters, Uwe Weiß. "Der Kontakt zur Familie ist nie abgebrochen", erzählt dieser. Für die Dekoration des Gefährtes zeichnet sich Matthias Kappler verantwortlich. Aber damit nicht genug. Jeder der Mitglieder des Hegeringes aus Lützen und Umgebung hat sich passend angezogen und größtenteils seinen Jagdhund dabei. "Ein Jäger ohne Hund ist Schund", verkünden die Männer, bevor sie Aufstellung nehmen.
Los geht es: Die Männer des fünften Sang. Regimentes aus Dehlitz tragen die Schilder über die verschiedenen Bilder voran. Es präsentiert sich der Jugend- und Technikverein aus Lützen mit seinen selbst gebauten Fahrzeugen. Der Trommelzug aus Lützen haut kräftig auf die Pauke, Lützens Bürgermeister Dirk Könnecke (parteilos) und die Ortsbürgermeisterin von Gostau, Christine Engert, schreiten in wallenden Gewändern an den Zuschauern vorbei.
Die Zeit, in der die Umsiedler in der Region ein neues Zuhause fanden, wird ebenfalls gekonnt in Szene gesetzt. Mit Sack und Pack, Kindern in Wagen und historischer Kleidung zeigen die Männer, Frauen, Jungen und Mädchen, welche Strapazen die Vertriebenen zu ihrer Zeit auf sich nehmen mussten. Kein Ende zu nehmen scheint das Bild, in der die Landwirtschaft gezeigt wird. Damit wird deutlich gemacht, welche Bedeutung dieser Berufszweig damals in der Region hatte. Die 1934 gegründete Feuerwehr des Ortes darf nicht fehlen, ebenso nicht die Jung- und Thälmannpioniere, die die DDR-Epoche zurück in die Erinnerungen ruft. "Ich wusste gar nicht, dass es Euch noch gibt", ruft Dieter Schulze ihnen zu. Er hat nicht nur die Zeittafeln angefertigt, sondern moderiert auch professionell und vor allem locker und amüsant den Umzug.
Eberhard Ritzschke und Anne Deumert sind begeisterte Zuschauer. "Was sie geschafft haben hier auf die Beine zu stellen", lobt er. "Das ist für so einen kleinen Ort wie Gostau sehr anerkennenswert", fügt er hinzu. "Da kann sich manch anderer Ort wirklich eine Scheibe von abschneiden", so Anne Deumert.