Bürgermeisterin Sybille Reider neben dem kruzifix, das die Wengelsdiorfer seit DDR-zeiten retten wollen. (FOTO: LISKER)
Dort trat er mit den Stadtmusikanten auf. "Die Kirche hat mir gleich gefallen und auch wegen ihrer Akustik ist sie eine gute Spielstätte."
Knapp 7 000 Euro sind notwendig
Außerdem gebe es im Ort musikalische Früherziehung und eine Außenstelle der Musikschule. Gut 25 Schüler werden nun am 14. Juli ab 14 Uhr auftreten und außerdem Mädchen und Jungen aus der Kindereinrichtung. Hinzu kommt, dass es eine gute Gelegenheit ist, das Konto für die Sanierung des Kruzifixes aufzustocken. 1 900 Euro waren dafür beim Kirchenjahrmarkt zusammengekommen. Knapp 7 000 Euro werden laut Kostenvoranschlag der halleschen Restauratorin Andrea Himpel gebraucht. Bürgermeisterin Sybille Reider (parteilos) betont, dass der Eintritt frei ist, die Leute aber gern einige Euro spenden, wenn ihnen das bunte Programm mit Pop und Volksliedern gefallen hat.
Denn einen Wermutstropfen gab es beim Kirchenjahrmarkt: Als es am frühen Nachmittag richtig losgehen sollte, fing es an zu regnen. So konnte die Schalmeienkapelle nur unterm Zeltdach sitzen und von den sonst 1 000 Tombolalosen wurden nur knapp 600 verkauft. Dennoch: Bis zum nächsten Jahrmarkt in zehn Monaten soll die künstlerisch wertvolle Kruzifix-Arbeit fertiggestellt sein.
Gutsherr hat Kunstwerk bezahlt
Das Werk stammt immerhin von 1628. So jedenfalls weisen es alte Kirchenrechnungen aus. Auf Heller und Pfennig ist da aufgelistet, was Gutsherr Hans von Biesenrodt damals bezahlt hat. Geld, das letztlich beim Naumburger Bildhauer Hans Albrecht landete. Außerdem ist damals ein kleineres Kruzifix angefertigt worden. Doch ob es das ist, was in einer der Vitrinen in der kleinen Ausstellung in der Kirche liegt, da muss selbst Sybille Reider passen. Eines aber ist schon jetzt klar: Das größere Kleinod, dessen Lindenholz wegen des Wurmbefalls verfestigt werden muss und bei dem es Fehlstellen zu ersetzen gilt, dürfte wieder ein echter Hingucker werden. Genauso wie diesmal der Schalldeckel der Kanzel, den die Restauratorin Himpel mit ihrem Bildhauerkollegen Peter-Paul Brockhage pünktlich zum Jahrmarkt fertiggestellt hatte. "Das war doch plötzlich optisch ein ganz anderes Bild", sagt Reider. Denn wenn überhaupt, können sich nur ganz alte Wengelsdorfer an eine "bedachte" Kanzel erinnern. Deren Deckel war 1944 in einer Bombennacht ebenso vom Luftdruck zu Boden gerissen worden wie der inzwischen restaurierte Altar. Hängt aber das Kruzifix und wird am Wiederaufbau der Ladegastorgel gearbeitet, müssen die nächsten Jahrmarkt-Erlöse laut Ortsbürgermeisterin erst einmal wieder in die Werterhaltung der Kirche fließen. Immerhin sei zum Beispiel eines der Fenster undicht.