Klaus Kirsch aus Leipzig hat das Wasserflugtreffen am Mondsee organisiert und startet einen Schauflug mit dem Modell «Puddle Twin». (FOTO: MZ)
Nach einem Bad war Stephan Pietsch bei den eher kühlen Temperaturen und dem böigen Wind am Sonnabend ganz bestimmt nicht zumute. Doch es half nichts, der 49-jährige Naumburger musste in die kalten Fluten des Hohenmölsener Mondsees steigen. Denn gerade noch hatte sein "Sbach 342" hoch über dem Mondsee seine Runden gedreht, jetzt trieb das zwölf Kilo schwere Flugzeug-Modell auf dem Rücken liegend auf der Wasseroberfläche. "Der Motor hat keine Leistung mehr gebracht, deshalb musste ich das Flugzeug notlanden", erklärte der Naumburger. Eine Windböe tat dann ihr Übriges und brachte das Fluggerät in die missliche Lage.
Pietsch war einer von 44 Flugzeugmodellbau-Fans aus ganz Deutschland, die sich am Wochenende am Mondsee trafen, um ihre Wasserflugzeugmodelle auszuprobieren. "Wir haben hier echt gute Bedingungen, können campen, die Zusammenarbeit mit den Betreibern klappt wunderbar und der See ist optimal", freute sich Klaus Kirsch aus Leipzig, einer der Organisatoren des Treffens. Denn solche Veranstaltungen ausschließlich für Wasserflugzeugmodelle gäbe es nur selten. Zum zwölften Mal wurde zu einem solchen an den Mondsee eingeladen. In den Anfangsjahren war man Rahmenprogramm beim Strandfest. Jetzt trafen sich die Modellbauenthusiasten zum zweiten Mal vor Beginn der Badesaison. "Das Wetter hätte etwas besser sein können, vor allem der Wind stört manchmal, aber es hätte auch viel schlimmer kommen können", meinte Kirsch angesichts der dunklen Wolken, die stetig aufzogen. Denn bis zum Sonnabendmittag konnten die Miniflugzeuge immerhin gute zwei Stunden lang ohne Probleme starten und landen. Und so dokumentierte Flugleiter Andreas Lemnitz vom MSC Altenburger Land insgesamt 23 Starts und Landungen für diese Zeit. Diesmal durften sogar nicht nur bis zu fünf Kilogramm schwere Flugmodelle starten, sondern es konnten bis zu 25 Kilogramm schwere Exemplare in die Luft gehen. Das hatte die Luftfahrtbehörde genehmigt.
Und so gehörte Stephan Pietschs Flugmodell schon zu den schwereren Typen. Der betrieb derweil Ursachenforschung und beseitigte unter den Blicken vieler Schaulustiger das eingedrungene Wasser aus den Flügeln und dem Flugzeugrumpf. "Das sollte der Jungfernflug als Wasserflugzeug werden", ärgerte sich der 49-jährige Eisenbahningenieur, der im FMSC Unstruttal organisiert ist, über die Schäden. Seit Juli 2011 hatte er an dem Modell gebaut und es am 1. April als "normales" Flugzeug erstmalig starten lassen. Besser lief es bei Volker Worm vom Modellflugclub Leipzig-Süd. Seit zehn Jahren kommt der 64-Jährige, der sich schon in einer Schul-AG mit Modellbau beschäftigte und das Hobby nach der Wende neu entdeckt hatte, zu den Treffen am Mondsee. Sein "Space Scooter", ein verkappter Düsenjäger Marke Eigenbau, landete nach seinem Rundflug unbeschadet wieder auf dem Wasser. Doch ob auch sein Segler in die Lüfte steigen kann, dafür hoffte der Leipziger noch auf bessere Windverhältnisse. Und so schaute er sich bei den Nachbarn um. "Meine Maschinen sind nur Bausätze, aber die hier sind originalgetreue Nachbauten", erklärte er begeistert und zeigte auf Modelle, deren große Varianten in den 30er Jahren an Wettkämpfen um Geschwindigkeitsrekorde teilnahmen.