Die Puhdys spielen und 11.000 Menschen sind auf dem Weißenfelser Marktplatz dabei. (FOTO: PETER LISKER)
Für Thomas Werthe ist es an diesem Sonnabend ein ganz besonderer Moment, als er den Backstage-Pass um den Hals gehängt bekommt. Dieses grüne Kärtchen ist die Eintrittskarte für ein persönliches Kennenlernen mit den "Puhdys". Was an diesem Tag kaum einer weiß: Vor 38 Jahren hat sich diese Situation fast genau so schon einmal abgespielt. "Ich war 21 Jahre und bei der Marine in Warnemünde", erzählt Thomas Werthe. "Wir sind nach Rostock zum Konzert gefahren und da hatte ich das Glück und die Ehre, die 'Puhdys' kennenzulernen", sagt der Reichardtswerbener. Das hat er nie vergessen. Deswegen hat er beim MZ-Gewinnspiel mitgemacht. Damit, dass er gewinnt, hat wohl niemand gerechnet. Thomas Werthe ist nicht allein. Neben seiner Frau Birgit hat er noch seinen Enkel Florian mitgebracht. Den haben sie im letzten Moment auf die Gästeliste setzen können. Florian ist sechs Jahre alt und ebenfalls ein glühender Fan der Ostrocker. "Das Lied mit dem Eisbär finde ich toll", sagt der Junge mit den braunen Augen.
Der große Moment ist da: Völlig in schwarz gekleidet betreten die "Puhdys " das Rathaus.
Ganz ungezwungen wird Florian auf den Tisch gehoben. Nun ist der Junge auf Augenhöhe mit seinen Idolen.
Florian hört genau zu, was die anderen Fans die Ostrocker fragen und was sie für Antworten bekommen. Was das beste an diesem Beruf sei, werden sie gefragt. "Die Leute", antwortet "Bimbo" Peter Rasym. Auch, welches eigene Lied sie selber nicht mehr hören können, wollen die Fans wissen. "Das ist 'Jodelkuh - Lotte' vom zweiten Album. Das ist uns heute ein bisschen peinlich", sagt Frontmann "Maschine" Dieter Birr. Und Jens Erfurth, der dieses Kennenlernen ebenfalls gewonnen hat, möchte hören, ob den Rockern egal ist, ob die Konzerte ausverkauft sind oder nicht. Das mache ihnen mittlerweile keine Sorgen mehr, sagen die "Puhdys". Florian hat genug erfahren können. "Na? Willste wieder runter? Dann wollen wir dich mal befreien", sagt Maschine und hebt den Knirps vom Tisch herab.
"Hier in diesem Rathaus hab ich vor 36 Jahren meiner Frau das Ja-Wort gegeben", erzählt Thomas Werthe zu Bimbo. Der lächelt freundschaftlich und antwortet. "Das scheint ja richtig gewesen zu sein." - Es ist gerade diese Bodenständigkeit, die die fünf Musiker so sympathisch erscheinen lassen. "Sie waren eigentlich ganz normal", sagt Jens Erfurth, der zugibt, im Vorfeld schon aufgeregt gewesen zu sein. Dröhnende Bässe und durchdringende E-Gitarrenklänge kündigen es wenig später an: Die Ostrocker haben die Bühne betreten. Die Künstler verlieren keine Zeit. Mit "Wir haben keine Langeweile", legen sie los. Nahtlos reiht sich ein Titel nach dem anderen ein. Mit "Geh' zu ihr" setzten sie ihrem knapp 11 000 Gästen einen von vielen Ohrwürmen ein. Die danken es ihren Idolen mit Treue. Sogar als das Gewitter hereinbricht bleiben sie vor der Bühne und entlassen die Band erst, nachdem sie Zugaben gespielt haben.