Der Schweßwitzer Werner Fernau hat jetzt eine 126-seitige Chronik seines Heimatdorfes auf Hochglanzpapier veröffentlicht. Nicht von ungefähr werden zwei Exemplare zur Nietzsche-Ehrung in Röcken aus Anlass des Todestages von Friedrich Nietzsche am 25. August 1900 an die Nietzsche-Gedenkstätte in Röcken und an das Nietzsche-Dokumentationszentrum in Naumburg überreicht. Denn mit den Worten des eng mit seiner Heimat verbundenen Philosophen sagt Fernau dem Leser, worum es ihm geht: Weh dem, der keine Heimat hat.
Das Buchprojekt entstand damit, dass Werner Fernau angesichts der drohenden Gefahr, dass Schweßwitz einem Braunkohlentagebau weichen muss, 2006 eine Chronik seiner Familie und deren Bauernhof schrieb. Diese Arbeit zog den heute 80-Jährigen hinein in weitergehende Forschungen. Und weil er dem ganzen Dorf etwas in Wort und Bild in die ungewisse Zukunft retten wollte, schrieb er schließlich Historisches und Interessantes aus sieben Jahrhunderten Geschichte von Schweßwitz auf und wurde Chronist der Gegenwart für eine ganze Region, indem er alles über die seit 2005 / 2006 sein Dorf aufwühlende Kohleproblematik und Eingemeindung sammelte.
Schon wenige Tage nach seinem Erscheinen sind alle 100 Exemplare des Buches vergriffen. Doch bei Söhnlein Druck & Grafik in Weißenfels, Lassalleweg 2, kann jederzeit eine Nachauflage bestellt werden, tröstet Werner Fernau weitere Interessenten. Jetzt hat er erst einmal seine Familie und wissbegierige Schweßwitzer und Heimatfreunde der Umgebung versorgt. Sie haben ihn als geschichtsverbundenen Wissenschaftler gedrängt, sich in seiner Ruhestandszeit der Arbeit zu widmen und ihn als Sponsoren und mit Material unterstützt.
Ein Beispiel aus der Region
Die "Chronik Schwesswitz, 1336 bis 2011, 675 Jahre Schwesswitzer Vergangenheit" enthält nicht nur rein das Dorf charakterisierende Ereignisse. "Alles trägt persönliche und individuelle Züge und ging zu keiner Zeit isoliert von den natürlichen, regionalen und staatlichen Verhältnissen sowie den Kriegs- und Naturkatastrophen vonstatten", schreibt der Autor im Vorwort. Zwar hält er sich an Schweßwitz als den Ort des Geschehens, doch steht dieser teilweise nur beispielhaft für historische und gegenwärtige Entwicklungen und ist insbesondere in sein nahes Umfeld einzuordnen. So macht das Umschlags-Cover schon auf Friedrich Nietzsche aufmerksam, der in Röcken geboren wurde, und auf Johann Gottfried Seume, dem Poserna Zuhause war. An Gustav Adolf und die Schlacht 1632 bei Lützen wird dort ebenso erinnert wie an den Gegenwarts-Slogan "Zukunft statt Braunkohle", der die Dörfer Schweßwitz, Bothfeld, Michlitz, Röcken, Sössen, Gostau, Kölzen und Stößwitz verbindet.
Fernau setzt einen Blick in die kulturhistorische Umgebung an den Anfang des Buches. Er schaut ins Urkundenbuch des Hochstifts Merseburg, wo Schweßwitz am 14. Juni 1336 erstmals schriftlich erwähnt ist, veröffentlicht alte Karten, Fotos und Einwohnerlisten, schaut in Kirchenbücher und Lehn- scheine, um nachzuvollziehen, wie sich der Ort entwickelt hat.
Raubritter als Gründer
Er erzählt die Geschichte der den Ort begründenden Raubritter von Teuditz, den Knutonen, und der Besiedlung. Den Landvermessern, dem Dorfgasthaus "Zur Grünen Aue", dörflichen Berufen und Besitzständen sowie Todesursachen geht er nach, der Landwirtschaft auf einem Bauernhof im 19. Jahrhundert, der Separation 1854 und dem Reichserbhofgesetz von 1933.
Weitere Kapitel sind den letzten Kriegstagen 1945, einem Bombenangriff, Nachkriegsereignissen sowie dem Sozialismus auf dem Lande gewidmet. Vielfältige Abbildungen wecken Erinnerungen an die Zeit, die die meisten Leser miterlebt haben. "Protokoll des Abschiednehmens" überschreibt Fernau die letzten Seiten, in denen er die aktuellen Ereignisse um den Aufschluss eines Tagebaus bei Lützen aufreiht.