Die Kostüme aus der Biedermeier-Zeit hängen bereit. Am nächsten Sonntag werden sie wieder dem Festvolk präsentiert. "Wir freuen uns schon auf das Weißenfelser Schlossfest, dort ist immer eine schöne Atmosphäre", sagt Bärbel Kups und zeigt ihre Schute, jene hutartige Haube, die sie beim Festumzug tragen wird. Und die Vorsitzende des Vereins Historische Kostüme Droyßig muss es wissen, mischt die Truppe doch seit vielen Jahren beim traditionellen Umzug in der Saalestadt mit.
"Die Droyßiger sind wirklich treue Seelen", bestätigt die Weißenfelserin Gudrun Schulze, die in diesem Jahr wieder maßgeblichen Anteil an der Organisation des Umzuges mit seinen zwölf Bildern hat. Diesmal nun soll es also Biedermeier sein, jene Kunst und Kultur des Bürgertums, die zwischen 1820 und 1840 in Deutschland ihre Blütezeit erlebte. In vergangenen Jahren waren die Droyßiger auch schon in andere Zeiten der Geschichte geschlüpft. Dass sie dabei jedes Mal aus dem Vollen schöpfen können, verdanken sie ihrem reichen Fundus am Droyßiger Schloss. Rund 400 Kostüme hängen mittlerweile dort. Stoffe aus drei Epochen - Mittelalter, Barock und eben Biedermeier. Den Jäger kann man mit den Gewändern ebenso geben wie den Schmied, Schuster oder Imker. Oder eben ein herrschaftliches Paar aus der Barockzeit. Auch jene Details, die Mann oder Frau aus der jeweiligen Epoche erst perfekt machen, können im Fundus ausgeliehen werden - Schuhe, Armbrust, Schwerter und anderes mehr.
Angefangen hatte alles 1996. Da begannen fünf über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme beschäftigte Schneiderinnen, mittelalterliche Gewänder zu fertigen, mit denen der Ort mit seinem imposanten Schloss und dem Bärengehege attraktiver präsentiert werden sollte. Weil die wachsende Zahl an Kostümen irgendwie auch verwaltet und gepflegt werden wollte, gründete sich ein Jahr später der Verein Historische Kostüme.
Seitdem sind die 13 Mitglieder zwischen Juni und September vorwiegend in Sachsen-Anhalt und Thüringen bei den verschiedensten Veranstaltungen unterwegs - vom eigenen Fest am Droyßiger Schloss im Juni bis zum traditionellen Abschluss, dem Winzerfest in Freyburg im September. Ein Höhepunkt in diesem Jahr war der Sachsen-Anhalt-Tag in Dessau-Roßlau. Und weil der Verein mittlerweile auf ein 15-jähriges Bestehen zurückblicken kann, wird es im Oktober einen Tag der offenen Tür in Droyßig geben.
Doch die Truppe trägt die Kostüme keineswegs nur spazieren. Schließlich wollen die Gewänder auch gepflegt, gewaschen oder ausgebessert werden. "Das ist mehr als ein Hobby", meint Bärbel Kups. Zusammen mit Schatzmeisterin Helga Schaare sorgt die 72-Jährige dafür, dass die Kostüme immer tipptopp auf den Bügeln hängen.