Burgenlandkreis: Tschechen fassen stärker Fuß

19.07.2012 19:39 Uhr | Aktualisiert 19.07.2012 20:38 Uhr
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Tagebau Profen

Blick in den Tagebau Profen, wo Kohle für Schkopau gefördert wird. (FOTO: MZ)

Von Birger zentner
Für die Beschäftigten der Mitteldeutschen Braunkohlegesellschaft (Mibrag) war es die gute Nachricht in dieser Woche schlechthin. Die tschechischen Eigentümer des Braunkohleförderers habe sich mit 141 Millionen Euro ins Kohlekraftwerk Schkopau eingekauft.
Theissen/Schkopau/MZ. 

"Für unser Unternehmen ist das ein großes Stück Sicherheit für die Zukunft", sagte Mibrag-Chef Joachim Geisler im Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung.

"Wenn Sie ein Kraftwerk im Konzernverbund haben, dann ist das von großem Vorteil", so Geisler weiter. Die Arbeitsprozesse und die Planung lasse sich damit optimieren, man habe weniger Schnittstellen, einfachere Verhandlungen. Das gilt nach den Worten des Vorsitzenden der Mibrag-Geschäftsführung auch dann, wenn der Konzern nur eine Minderheit an dem Kraftwerk habe. Die tschechische EP Energy Gruppe hat laut einer Pressemitteilung 41,9 Prozent am Schkopauer Kraftwerk erworben, was einer installierten Leistung von 400 Megawatt an den insgesamt 900 Megawatt entspricht. Der Rest gehört zum Energieriesen EON. EP-Energy-Chef Jan Springl wertet die Übernahme als logische Konsequenz aus dem Kauf der Mibrag. Sowohl das Förderunternehmen als auch die Anteile in Schkopau hat man vom US-Konzern NGR Energy erworben.

Für Geisler ist dieses Vorgehen ein klares Zeichen des tschechischen Konzerns an die Region, hier konsequent Fuß fassen zu wollen. "Damit ist die Abnahmebasis der Mibrag-Kohle in Deutschland gestärkt worden", so Geisler. Springl sieht in der Transaktion einen Ausdruck des enormen Interesses am deutschen Markt. Der Kauf "ist Bestandteil eines umfassenden Strategieplans. Die Beteiligung am Kraftwerk Schkopau macht EP Energy im Hinblick auf die Erwirtschaftung des Betriebsergebnisses de facto zu einem halbdeutschen Unternehmen."

EP Energy verfügt mit den Schkopauer Anteilen laut der Pressemitteilung nun in der Energieerzeugung über Anlagen mit einer installierten elektrischen Leistung von 1 477 Megawatt und darüber hinaus von 4 744 Megawatt für Wärmeerzeugung. In der tschechischen Republik versorgt der Konzern nach eigenen Angaben 360 000 Haushalte mit Wärme. Die Gruppe hat 4 400 Mitarbeiter und erzielte 2011 einen Vorsteuergewinn von 297 Millionen Euro.

Grundsätzlich habe der Erwerb der Anteile in Schkopau nichts mit den Plänen für den Bau eines eigenen Kraftwerkes in Profen zu tun, sagte Mibrag-Geschäftsführer Geisler auf Nachfrage der MZ. Diese Vorbereitungen laufen wie geplant weiter. Geisler: "Das Genehmigungsverfahren läuft. Wir sind in der internen Abschlussdiskussion über die Größe des Kraftwerkes und die Technik." Allerdings verfolgten die Investoren gespannt die politische Diskussion über den Einsatz fossiler Brennstoffe in Deutschland und warteten auf klare Entscheidungen, sagte der Mibrag-Chef. Diese Aussagen werden gebraucht, um zum Beispiel die Wirtschaftlichkeit des Baus und des Betriebs eines Kraftwerkes bei Profen berechnen zu können. Das betreffe nicht nur das hiesige Vorhaben, sondern auch andere Unternehmen der Branche. Es gebe einen enormen Investitionsstau.