Marion Götze ist fest entschlossen. Wenn Jugendliche für die Nutzung der Muschwitzer Lesestube künftig einen Jahresbeitrag bezahlen müssen, dann wird sie ihr Ehrenamt aufgeben und sich um einen Nachfolger bemühen. "Von Kindern Geld zu nehmen, wenn sie sich ein Buch ausleihen wollen, das kann ich nicht mittragen", sagt die Frau, die die Muschwitzer Lesestube seit 24 Jahren leitet und seitdem mit ihr mehrfach umgezogen ist.
Bisher ist die Ausleihe in der Stube im Dorfgemeinschaftshaus am Safranberg kostenlos. Doch nun macht sich dort Unmut breit. Denn die Stadt Lützen, zu der Muschwitz seit der Eingemeindung Anfang 2010 als Ortsteil gehört, arbeitet derzeit an einer einheitlichen Benutzungs- und Gebührensatzung - für die Bibliothek in Lützen selbst und die Lesestube in der ehemaligen Schule in Muschwitz. "Wir brauchen eine saubere Grundlage für die Gebühren", sagte Lützens Hauptamtsleiter Ronny Mank im Bildungs- und Kulturausschuss des Stadtrates, der sich vor wenigen Tagen mit dem Entwurf der Satzung beschäftigt hat. Wie schwierig das Unterfangen ist, zeigt allein die Tatsache, dass sich der Ausschuss in Muschwitz zum dritten Mal mit dem Papier befasst hat. Der Knackpunkt: Die Verwaltung ist der Ansicht, dass die beiden öffentlichen Einrichtungen, in denen Bücher ausgeliehen werden können, gleich behandelt werden sollten. "Das wäre die sauberste Lösung", so Ronny Mank. Das würde aber auch bedeuten, dass nicht nur wie bislang schon in der Bibliothek in der Lützener Güntherstraße eine Jahresgebühr für Nutzer fällig würde, sondern eben auch in der Lesestube in Muschwitz.
Zehn Euro soll die Jahresgebühr dem Satzungsentwurf zufolge für Erwachsene kosten. Die ermäßigte Gebühr, unter anderem für Kinder und Jugendliche, soll fünf Euro betragen.
Marion Götze verwies im Ausschuss unter anderem darauf, dass die Muschwitzer Einrichtung im Gegensatz zur Lützener Bibliothek von Ehrenamtlern geführt werde. Ihr zur Seite sprang die Muschwitzer Ortsbürgermeisterin Barbara Dittrich (parteilos). Sie würdigte die Lesestube als Ort, an dem Kinder und Jugendliche an das Lesen herangeführt werden.
Während Mank diese Verdienste nicht in Zweifel zog, meinte er dennoch, dass eine Gleichbehandlung beider Einrichtungen durchaus schlüssig sei. Es sei nicht zu vermitteln, dass der Lützener in der einen Bibliothek der Stadt ein Buch kostenlos ausleihen kann und in der anderen dafür eine Jahresgebühr entrichten muss. Bei der Suche nach einem Kompromiss machte sich kurzzeitig Ratlosigkeit im Ausschuss breit. Nach einigem Hin und Her einigte man sich jedoch darauf, dem Stadtrat eine einheitliche Benutzungs- und Gebührensatzung zu empfehlen, allerdings mit einer Änderung zum bisherigen Entwurf: Kinder bis zu acht Jahren sollen künftig in beiden Einrichtungen kostenfrei bleiben. Danach wird die ermäßigte Jahresgebühr fällig.
Höchst unzufrieden verließ Marion Götze daraufhin den Raum im Dorfgemeinschaftshaus. Noch hofft sie allerdings, dass diese Variante im Stadtrat doch keine Mehrheit findet. Immerhin hatte Hauptamtsleiter Mank eingeräumt, dass theoretisch auch eine eigene Gebührensatzung für die Muschwitzer Bibliothek möglich ist. "Mit einem Jahresbeitrag für Erwachsene könnte ich leben, nicht jedoch für Kinder und Jugendliche", hält Marion Götze auch nach der jüngsten Debatte im Ausschuss an ihrem Standpunkt fest.