Burgenlandkreis: Von Trebenutz bis Trebnitz

19.07.2012 19:27 Uhr | Aktualisiert 19.07.2012 20:21 Uhr
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Hiltrud Schrade

Hiltrud Schrade mit einer Grubenlampe in der Trebnitzer Heimatstube. Sie ist mit dabei, Geschichte des Ortes festzuhalten. (FOTO: PETER LISKER)

Von Julia Reinard
Beim Heimatverein Trebnitz/Oberschwöditz dreht sich alles um die Geschichte von Trebnitz, Trebnitz-Siedlung und Oberschwöditz - und zwar seit nunmehr 20 Jahren.
TREBNITZ/MZ. 

Im Wort Trebunitz mag man Trebnitz noch erkennen. Aber was könnte Sivotitz sein? - Es ist das heutige Oberschwöditz. Viel leichter hat es da Trebnitz-Siedlung, weil der Ortsteil so spät gegründet wurde, dass sich keine andere schriftliche Version entwickeln konnte. Um die drei Orte - mit langer wie mit kurzer Geschichte dreht sich alles beim Heimatverein Trebnitz / Oberschwöditz - und zwar seit nunmehr 20 Jahren.

Eine, die den Verein 1992 mit aus der Taufe gehoben hat, ist Hiltrud Schrade. Den Ursprung sieht sie aber nicht bei sich, sondern bei Ulrich Rostoski, dem Doktor des Ortes, der vor zwei Jahren gestorben ist. Der habe nämlich schon in den 1980er Jahren zu ihr gesagt: Wir müssen uns mal hinsetzen und die Geschichte von Trebnitz aufschreiben. Sie habe geantwortet: "Wenn ich Rentnerin bin, gern." Und genau das wurde sie 1992, so dass sie sich von der einen Arbeit als Lehrerin gleich in eine neue als Chronistin stürzen konnte.

Im Januar vor 20 Jahren wurde der Verein im Trebnitzer Gemeindehaus gegründet. Schon zum Dorffest im ersten Jahr veröffentlichte die Gruppe von - damals - acht Interessierten den ersten Band vom "Trebnitzer Heimatblatt". "Der war über den Kopierer gezogen", erzählt Hiltrud Schrade. Denn damals hatte noch nicht jeder einen Drucker, im ganzen Ort stand nur ein Kopierer - in den Gemeinderäumen. Die nächste Ausgabe lief über eine Druckerei. Da war die Qualität natürlich besser, aber die Kosten auch recht hoch. Und so musste der Verein nach sechs Ausgaben aufhören. Im Jahr 2000 wurde die letzte Veröffentlichung gedruckt und angeboten.

Doch das Heimatblatt ist nicht die einzige Aufgabe, der der Verein sich widmet. Von Anfang an war die Gruppe um eine richtige Chronik bemüht. Also die Aufarbeitung der Vergangenheit in zeitlicher Einordnung. Da hatten sich die Mitglieder zuerst der näheren Vergangenheit zugewandt, der Zeit zurück bis 1933. "Viele von uns haben da noch persönliche Erinnerungen, die wollten wir festhalten", sagt Hiltrud Schrade. Das ist mittlerweile sogar ein in der Geschichtswissenschaft anerkanntes Prinzip, die sogenannte "oral history", bei der die Menschen ihre Erlebnisse erzählen. Denn blanke Jahreszahlen verraten über das Leben an sich recht wenig. So bedeutet "1989" für jeden etwas anderes, hat doch jeder die Wendezeit auf seine Weise erlebt.

Aber dem mittlerweile 18-köpfigen Verein geht es neben den persönlichen Geschichten natürlich auch um die große Geschichte. Und so sind sie in verschiedenen Archiven gewesen. In Hohenmölsen hätten sie seinerzeit viel gefunden, erinnert sich Hiltrud Schrade. Auch nach Merseburg fahren sie häufig. Mit zwei Handgriffen hat sie einen Hefter in der Hand, in dem Urkunden liegen. Die Blätter sehen schön aus: schnörkelige Schrift, nahezu kalligrafische Buchstaben zum Textbeginn und ein gepresstes Wappen anstelle eines schnöden Stempels. Doch werden die meisten Menschen der schön geschriebenen Seite kaum ein Geheimnis entlocken können. Sie ist mit Sütterlin-Schrift gefüllt. Im Verein können sie noch zwei Mitglieder lesen: Hiltrud Schrade selbst und Brigitta Siebold.

Das ist ein praktisches Problem des Vereins, denn die Zeit drängt: "Wir müssen diese Schriftstücke jetzt durchgehen, die anderen können sie schon nicht mehr entziffern", sagt die ehemalige Lehrerin Hiltrud Schrade. Und so beugt sie sich immer wieder über alte Drucke und Urkunden.

Seine dritte Aufgabe sieht der Verein in der Ausstattung der Heimatstube, die sie 1995 eröffnet haben. Sie besteht heute aus mehreren Räumen in der neuen Schule, die aber schon lange nicht mehr als solche genutzt wird. Dort liegen kleine Geräte aus dem früheren Alltag und verschiedener Handwerke. Und es finden sich viel Fotos. Sie stammen von Bürgern der Ortschaften und dafür dankt Hiltrud Schrade immer wieder.

Fürs Dorffest hat sie sich etwas Besonderes ausgedacht: Sie wird über die Trebnitzer Mundart einen Vortrag halten. Wer also mit "Äpern" etwas anfangen kann, ist gern gesehen - und wer nicht, der muss erst recht zum Vortrag.

Das Dorffest startet Freitag. Höhepunkt ist aber Samstag, an dem auch die Heimatstube geöffnet sein wird.