Vereinsvorsitzende Christl Große. (FOTO: PETER LISKER)
Der Beratungsstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit in Weißenfels droht das Aus. "So wie sich die finanzielle und personelle Situation zugespitzt hat, kann es nicht weitergehen", erklärte Christl Große, Vorsitzende des Kinder- und Jugendhilfevereins als Träger, während der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses des Stadtrates.
"Uns fehlt eine Honorar-Fachkraft, die wir auf 400-Euro-Basis einstellen könnten, aber unser Verein kann sich das finanziell nicht leisten", sagte die Vereinschefin. Derzeit sei eine Stelle über den zweiten Arbeitsmarkt besetzt, die andere durch eine Sozialpädagogin mit lediglich fünf Stunden in der Woche. Mit dem Ausscheiden eines langjährigen und erfahrenen Mitarbeiters Ende Februar, der sich inzwischen im 70. Lebensjahr befindet, müsse eine wichtige Lücke geschlossen werden, um arbeitsfähig zu bleiben.
Die Zahl der durch Miet- und andere Schulden in Not geratener Menschen, die die soziale Einrichtung betreut, hat laut Große stark zugenommen. Die Beratungsstelle aber müsse mit weniger Personal auskommen, was nicht mehr zu leisten sei. Die Bürger, die zur Beratung kommen, sind zu 95 Prozent Hartz-IV-Empfänger, darunter viele Familien mit Kindern und verstärkt junge Leute, sagt Große. Sie seien durch Abschlüsse von Verträgen mit Versandhäusern und Telefongesellschaften hoch ver- beziehungsweise überschuldet, könnten mehrere Ratenkredite nicht mehr bedienen und auch ihre Mieten nicht mehr bezahlen. Die Schuldenberge seien enorm, sagte Große. Mit Vermietern wie der Weißenfelser Wohnungsbau Wohnungsverwaltung GmbH (WVW) und anderen stehe der Trägerverein in engem Kontakt, um Zwangsräumungen zu vermeiden. "Hätten wir diese Verbindungen nicht, würde es ganz böse aussehen", schilderte Große weiter. Maik Trauer, Fachbereichsleiter Bürgerdienste in der Stadtverwaltung, bestätigte dies. Er hatte den Vorschlag unterbreitet, dass der Verein im Sozialausschuss gehört werde. Zuvor hatte der Vereinsvorstand mit Vertretern der Stadtverwaltung und der WVW dazu getagt. "Wir sind so auseinander gegangen, dass die Arbeit in der Beratungsstelle fortgesetzt werden soll", sagte Große. Nun sollten sich die Stadträte dazu positionieren.
Die Frage, was passieren würde, wenn die Einrichtung geschlossen werden müsste, beantwortete Maik Trauer ganz schnell. "Die Stadt hätte das Problem drohender Obdachlosigkeit auf dem Tisch, ohne Beratungsstelle wäre das ein Drama und das Wohnungslosenhaus in der Markwerbener Straße voll", erläuterte er. Durch den Verein, der keine Schuldnerberatung betreibe, konnten bisher ein geordneter Zahlungsfluss gewährleistet werden, um Schulden kontinuierlich abtragen zu können. "Wir haben viele Zwangsräumungen verhindert", hob Christl Große hervor. Das ginge nur gemeinsam. Ausschussvorsitzender Johannes Drewitz (Fraktion Bürger für Weißenfels / Landgemeinden) bat die Mitglieder, sich in den Fraktionen mit dem Thema zu beschäftigen, um eine schnelle Entscheidung herbeiführen zu können.