Nils Wiese aus Langeneichstädt bei Mücheln, selbst Tormann in der F-Jugend, glaubt, dass Deutschland beim Spiel gegen Italien am Donnerstag gewinnt. (FOTO: PETER LISKER)
Am Donnerstag steigt die Fußball-EM-Fieberkurve wieder steil an. Deutschland bestreitet am Abend das Halbfinale. Gegner ist Italien. Das wissen fast alle, welche die MZ am Tag vor dem Spiel befragte. Und alle, die sich für die Europameisterschaft in der Ukraine und Polen interessieren, sind sich zumindest bei ihrem Tipp zum Ausgang der Partie fast zu 100 Prozent einig. Deutschland gewinnt. Jung und Alt, Mann und Frau, sie alle glauben - bis auf eine Ausnahme - an einen 2:1-Erfolg für die Jungs von Bundestrainer Jogi Löw.
Lieber dezent
Der 73-jährige Bernd Hauer aus Großkayna grenzt seine 2:1-Voraussage mit "ich tippe mal optimistisch" ein. Denn er glaubt, es wird ein harter Kampf für Deutschland, um tatsächlich ins Endspiel einzuziehen. Warum? "Die Mannschaften liegen sich nicht", meint er. "Die Italiener werden bis zum Schluss Vollgas geben", schätzt der ehemalige Fußball-Tormann zu eigenen Jugendzeiten ein.
Mit der überschwänglichen EM-Euphorie, die sich durch die vielen mit Schwarz-Rot-Gold geschmückten Autos und Häuser immer mehr verselbstständigt, kann er indes nichts anfangen. "Zu viel Patriotismus. Da wird auch von den Massenmedien zu dick aufgetragen. Ich mag es da eher etwas dezenter", findet er. Sollte Deutschland allerdings ins Endspiel einziehen, traut der Rentner dem Team auch den Titel zu: "Die Mannschaft hat sich entwickelt und ist gereift."
Jürgen Heidenreich, von Interstport in der Leißlinger Einkaufspassage "Schöne Aussicht", sagt ebenfalls, dass sich Deutschland mit 2:1 durchsetzen wird. Er würde sich freuen, wenn es ähnlich läuft, wie gegen Griechenland im Viertelfinale. "Da hatte ich auf 3:1 getippt, aber da haben sie ja dann doch noch weiter- und meinen Tipp damit kaputtgemacht", sagt er lachend. Er sieht noch Schwächen im Abschluss.
"Sie wollen den Ball ja fast ins Tor tragen oder trauen sich einfach nicht, früher zu schießen." Er selbst verzichtet privat auf EM-Dekoration. Im Geschäft seien indes die deutschen Nationaltrikots Mangelware. Hersteller Adidas komme wohl mit der Prodktion nicht nach. Vor allem die grünen T-Shirts seien laut Heidenreich sehr gefragt: "Eine Nachlieferung, die kürzlich reinkam, war innerhalb eines Tages wieder ausverkauft."
Der Weißenfelser Dirk Berthold (37) sagt: "Ich schaue mir lediglich die großen Turniere und Länderspiele an." Ab und an ist er beim 1. FC Weißenfels Zaungast. Dort spielt Bruder Raik. Er selbst war vor 20 Jahren mal Verteidiger auf dem Fußballplatz. Dann erzählt er: Das Verfolgen der EM im Fernseh zu Hause mit Ehefrau und der achtjährigen Tochter Clara, sei in den vergangenen Tagen beinahe zum Ritual geworden.
"Ohne die Liveübertragung war es bis heute ja schon fast wieder langweilig", sagt Berthold schmunzelnd. Geschaut wird daheim aber ohne Fahne oder ähnlichem Schmuck. "Da habe ich zwar noch eine von der WM 2006, aber die krame ich dafür nicht extra hervor." Sein Tipp: Ebenfalls ein 2:1 für Deutschland.
Manuel Neuer ist großes Vorbild
Nadine Wiese (31) und Sohn Nils (7) aus Langeneichstädt (Mücheln) verfolgen zu zweit die EM. "Mein Mann ist auf Montage", so Mama Wiese. Allerdings schauen sie nur die Begegnungen mit deutscher Beteiligung. Nils mache dafür mit aufblasbaren Trommelstäben ordentlich Lärm. Der kleine Fußball-Tormann schaut natürlich ganz genau auf Nationalkeeper Manuel Neuer, sein großes Vorbild. Und der Familien-Tipp? Nils zögert. Mutter Nadine sagt spontan: "3:2." Da stimmt Nils prompt zu und ergänzt mit leuchtenden Augen: "Deutschland wird Europameister."
Wiederum ein 2:1 prophezeit Diethard Krey vom Leißlinger Centermanagement. Der Haustechniker, der sich allenfalls für die großen Fußballevents interessiert, glaubt an einen knappen Erfolg. "Bisher hat sich Löws Mannschaft ja souverän und ohne Niederlage durchgesetzt", hält er fest. Italien und Spanen sieht er spielerisch den Deutschen aber überlegen. "Da kann unser Nationalteam nur mit mehr Schnelligkeit und gutem Kurzpassspiel gegenhalten."