Kole Phillips mit Jutta Klapproth-Lemmnitz und Schülern während eines Brettspiels im Englischunterricht. (FOTO: PETER LISKER)
Vier Wochen lang haben sie praktisch jede freie Minute miteinander verbracht. Die Rede ist von der Englischlehrerin Jutta Klapproth-Lemmnitz und dem Amerikaner Kole Phillips.
Zu Hause haben sie gefrühstückt, am Tage in der Bergschule sich in den Unterricht hineingeteilt, und den Rest des Tages haben sie versucht, voneinander so viel zu lernen, wie es nur geht. "Es war schön aber anstrengend", sagt Jutta Klapproth-Lemmnitz und schaut zu ihrem 22-jährigen Schützling. Beide hatten sich unabhängig voneinander an einem Hospitations- und Assistenzprojekt mit amerikanischen Germanistikstudenten beworben. Für Jutta Klapproth-Lemmnitz waren es gute Erfahrungen aus dem Jahr 2007 mit einem amerikanischen Studenten und an einer amerikanischen Schule, an die sie anknüpfen wollte. Kole Phillips, BWL-Student, hatte ein Semester Deutsch absolviert und wollte für einige Zeit den deutschen Unterricht kennen lernen. Für Kole hat sich der Wunsch erfüllt. Er lernt Kohlrabi kennen. Jutta Klapproth-Lemmnitz legt ihm das unbekannte Gemüse in die Brotbox. Es schmeckt ihm. In einer Sache bleibt er aber standhaft. "Leberwurst, die mag Kole nicht. Ich hab viele Variationen gekauft, aber es war einfach nicht sein Geschmack", erzählt Jutta Klapproth-Lemmnitz schmunzelnd.
Kole Phillips nimmt mit der vierten Klasse, in der er unterrichtet, an einer Fahrt nach Naumburg teil, greift am Tisch seiner Gastfamilie in Nellschütz bei Schnitzel, Bratkartoffeln und dunklem Brot gern zu. Vorwiegend aber lernt er den deutschen Schulalltag kennen. Etwa während einer Englischstunde, während der die Viertklässler die Europameisterschaft auf einem Brett spielen. Er bringt ihnen Worte wie "goal" (Tor), "goali" (Tormann) oder "penalty" (Strafe) bei. Dafür hat der Mann mit den dunklen Haaren Arbeitsblätter vorbereitet. Das sind Hausaufgaben, die ihm seine Gastmutter aufgibt. In der Zeit fallen ihm auch Unterschiede zwischen den amerikanischen und den deutschen Schulen auf. "Der Unterricht in Amerika ist kürzer. Außerdem haben die Schüler zu Hause zwölf Wochen Sommerferien", erzählt er. Dafür gäbe es in amerikanischen Schulen aber nicht so viele Pausen, so der 22-Jährige weiter.
Er genießt die vier Wochen Aufenthalt. Sie fahren von Nellschütz nach Poserna und schauen sich die Rippach an. "Dieser Fluss kommt in Goethes Faust vor. Kole wusste das", so Jutta Klapproth-Lemmnitz. Außerdem nimmt Kole Phillips an einer Stadtführung in Weißenfels teil und besucht den Heimatnaturgarten. Es öffnen sich ihm aber auch die Türen des Goethegymnasiums und der Ökowegschule. "Das fand ich richtig toll". so Jutta Klapproth-Lemmnitz. Kole besucht eine Feuerwehr und darf dort sogar in eine Einsatzkleidung schlüpfen. Zu seinem Geburtstag, den er vor wenigen Tagen in Deutschland gefeiert hat, veranstaltet die Familie mit Freunden ein Barbecue.
An einem seiner letzten Schultage in der Bergschule holt Kole Phillips ein Autokennzeichen aus South Carolina hervor. Er schenkt es seiner Gastgeberin. "Das ist ganz individuell, wir werden damit im Unterricht arbeiten können", sagt sie und drückt Kole. Es hat sich eine Freundschaft entwickelt. Auch Kole hat noch etwas zu sagen: "Es war eine gute Klasse, es hat viel Spaß gemacht und ich werde euch vermissen." Im Oktober wird Jutta Klapproth-Lemmnitz übrigens den Gegenbesuch starten und einen Austauch in Amerika absolvieren. "Da freue ich mich schon drauf", sagt sie abschließend.