Gerichtsurteil: Sechs Jahre Haft wegen Überfall auf Taxifahrerin

08.08.2012 15:05 Uhr | Aktualisiert 08.08.2012 20:03 Uhr
Taxis warten in einer Schlange vor einem Bahnhof. (ARCHIVFOTO: MZ) 
Von Julia Reinard
Ein 23-jähriger Pole hat im Dezember 2011 in Weißenfels eine Taxifahrerin bedroht, ihr Auto geraubt und war damit nach Hause gefahren. Jetzt wurde er zu sechs Jahren Haft verurteilt.
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Halle (Saale)/WEISSENFELS/MZ. 

Sechs Jahre Haft - so lautet das Urteil im Prozess um einen jungen Polen, der im Dezember vergangenen Jahres in Weißenfels eine Taxifahrerin bedroht hatte und mit ihrem Wagen nach Polen zurückgefahren war.

Der 23-jährige Täter hat ein volles Geständnis abgelegt und sich bei seinem Opfer entschuldigt. Dadurch ersparte er der Taxifahrerin, nochmals langwierig aussagen zu müssen. Dennoch kam die 58-Jährige zu Wort: Annelie P. leidet bis heute unter dem Übergriff. Im Gerichtssaal brach die resolute Frau mehrfach in Tränen aus.

Der "hübsche, junge Mann", wie sie im Gerichtssaal sagte, war am 10. Dezember vorigen Jahres vor dem Weißenfelser Bahnhof an ihr Taxi gekommen. Seine Tasche hatte er auf die Rückbank gestellt und sich selbst neben sie gesetzt. Zum Schlachthof habe er gewollt. Das sei ihr nicht ungewöhnlich erschienen, sagte sie, weil öfter Männer ausländischer Herkunft dorthin gefahren werden wollen.

Kurz nach der Anfahrt, noch in der Bahnhofstraße, habe er aber plötzlich ein Messer in der Hand gehabt und auf sie gerichtet. "Ich weiß nicht, was mich da geleitet hat", sagte sie vor Gericht.

Es muss ein siebter Sinn gewesen sein: Geistesgegenwärtig drückte sie seinen bewaffneten Arm zur Seite und sprang aus dem Wagen. Sie hoffte auf Hilfe, aber da war keiner. Und das sei, so sagte sie, "das schlimmste" gewesen. Erst zwei Bahnmitarbeiter, die sie dann traf, konnten ihr helfen.

Die Vorsitzende Richterin Ursula Mertens lobte das Opfer für die mutige Aktion: "Sie haben super reagiert. Sie sind ein Held." Gleichwohl steckt der Taxifahrerin der Angriff bis heute in den Knochen. Mehrere Wochen lang war sie im Krankenhaus. Als sie jetzt die Vorladung als Zeugin erhalten hatte, kamen die Erinnerungen wieder hoch, sie habe nicht mehr fahren können, musste sich erneut krankschreiben lassen. Auch Besuche beim Psychologen haben wenig ausrichten können, berichtet sie. Einige Male erdrückten sie die Erinnerungen auch im Gerichtssaal. Dennoch: Sie schaute dem Täter in die Augen, gab ihm mit auf den Weg, sie wünsche sich, er würde so etwas nie wieder tun.

Die Frau kämpft sich in ihre Arbeit zurück. "Ich bin gern Taxifahrerin", sagt sie. Aber bis heute: "Wenn ich in die Bahnhofstraße biege, macht mein Herz so", sagte sie und zeigte, wie es dann in in ihrer Brust dann flattert.

"Ich möchte nur sagen, dass es mir leidtut", sagte der junge Mann auf Polnisch und seine Dolmetscherin auf Deutsch. Er gestand sowohl diesen Angriff als auch zwei andere Taten: einen unmittelbar vorausgehenden Diebstahl im Schlachthof und einen versuchten Diebstahl. Sein umfassendes Geständnis wurde ihm vom mit Schöffen besetzten Gericht zugute gehalten. Er war Mitte November als Leiharbeiter nach Weißenfels gekommen. Am Vortag der Taten habe er sich entschlossen, nach Hause zurückzukehren, aber nicht genügend Geld gehabt. Mit dem Taxi habe er nach Hause fahren wollen.