Hilfsaktion: Unbeschwerte Tage

27.06.2012 18:57 Uhr | Aktualisiert 27.06.2012 19:28 Uhr
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Tim Böttcher

Tim Böttcher vom UHC Sparkasse zeigt den Kindern aus Weißrussland den Umgang mit einem Floorballschläger. (FOTO: PETER LISKER)

Von andreas richter
Kinder aus der Region um Tschernobyl erleben in Weißenfels ein buntes Programm. Der UHC Sparkasse bietet deshalb erstmals ein Schnuppertraining an.
weissenfels/MZ. 

Unermüdlich wirbelt Dimitrij Lewtschenko mit dem Floorballschläger über das Parkett der Weißenfelser Stadthalle. "Ich mach' das zum ersten Mal. Das ist echt toll", sprudelt der Zwölfjährige schnell heraus und ist mit dem kleinen Ball schon wieder auf dem Weg zum Tor.

Dimitrij ist einer von zwanzig Kindern aus Weißrussland, die an diesem Nachmittag zum Floorball-Schnuppertraining in die Stadthalle gekommen sind. "Er hat sich fürs erste richtig gut angestellt", findet Tim Böttcher, Spieler beim deutschen Floorballmeister UHC Sparkasse.

Zufrieden beobachtet Rolf Blanke das Geschehen. "Ich freue mich, dass die Organisatoren uns diesmal ins Programm aufgenommen haben", sagt der UHC-Präsident und bittet wenig später Weißenfelser Nachwuchsspieler und die Gäste aus Weißrussland zum Erinnerungsfoto aufs Parkett.

"Ich bin froh, dass ich mich auf zahlreiche Partner verlassen kann. Den Nachmittag in der Stadthalle hat der UHC weitgehend selbst organisiert", sagt Mathias Baum. Der 36-Jährige hat in diesem Jahr zum siebenten Mal den Besuchstag in Weißenfels vorbereitet. Zum 19. Mal erholen sich derzeit Mädchen und Jungen in Mitteldeutschland, die an den Spätfolgen der Atomreaktor-Explosion in Tschernobyl 1986 leiden.

Wie viele Tage seit ihrer Ankunft am 15. Juni sind auch die Stunden in Weißenfels voller Erlebnisse für die Kinder im Alter zwischen acht und 13 Jahren. Da steht ein Besuch auf der Sommerrodelbahn ebenso auf dem Programm wie ein Spielnachmittag im Krankenhaus oder eben ein Schnuppertraining mit dem Floorballschläger.

Zum Ausklang treffen sich alle im Seniorenwohnpark "Am Töpferdamm". Dort haben die Chefin Carmen Springsguth und ihr Team einen kleinen Empfang für jene vorbereitet, ohne die der ereignisreiche Tag in Weißenfels unmöglich wäre. Immerhin könne er mittlerweile auf rund 80 Sponsoren bauen, sagt Mathias Baum.

Begehrter Gesprächspartner am Rande des Abendessens ist Natascha Karpowitsch. "Für mich war das alles sehr beeindruckend", blickt die Betreuerin auf den zweiwöchigen Aufenthalt in Deutschland zurück, der am Freitag endet. Die 24-Jährige studiert in Minsk im Fernstudium Germanistik. Sie stammt aus Petrischki und hat selbst an den Langzeitfolgen der Reaktorkatastrophe zu leiden.

Obwohl sie schon mal in Deutschland war, habe sie vieles zum ersten Mal erlebt - einen Vergnügungspark wie "Belantis", ein Indianerdorf oder einen Zoo. "Begeistert war ich von den Weinbergen bei Zeitz", erzählt die junge Frau weiter und will unbedingt noch hinzufügen: "Die Menschen in der Region sind alle so freundlich und liebevoll."

Während die Studentin offen über die nicht einfache politische Lage in ihrer Heimat berichtet, geben sich die Kinder einfach den Freuden dieses Tages hin. Dimitrij ist mit seinen Freunden an einem Feuerwehrauto. Die Spritze einmal auszuprobieren, bereitet den Jungs besonderen Spaß.

Derweil dringen aus dem Pavillon, in dem sich sonst die Senioren zum Plausch treffen, laute Musik und Kinderlachen. Die kleineren Mädchen toben sich auf einer Hüpfburg aus. Andere lassen sich schminken, basteln oder lassen einfach die Seele baumeln an einem unbeschwerten Tag.