Die Werbung für die 1 000-Jahrfeier läuft. Olaf Teuchert möchte, dass es ein Ereignis wird, von dem nicht nur das Dorf lange zehrt. (Foto:ALEXANDER BLEY)
Gostau ist ihrer Familie in den vergangenen 13 Jahren Heimat geworden. Deswegen engagieren sich Ute (47 Jahre) und Olaf Teuchert (48) im Kirmesverein. "Als Gemeinde Sössen mit drei Ortsteilen waren wir die kleinste Gemeinde im Burgenlandkreis", erklärt Olaf Teuchert, warum immer schon jede Hand gebraucht wurde, um alljährlich die Taubenkirmes zu feiern.
"Das ist unser Volksfest für Sössen, Stößwitz und Gostau", erklärt er die Bedeutung des Höhepunktes, "da begegnen sich alle einmal". Deswegen war er im vergangenen Herbst auch bereit, als einstiger Stellvertreter zum Vorsitzenden des 16-köpfigen Vereins aufzusteigen, obwohl er beruflich viel unterwegs ist. Olaf Teuchert ist Kraftfahrer bei der Ländlichen Handels- und Transportgesellschaft Lützen, übernimmt bundesweit Transporte. "Wenn ihr und die anderen Helfer im Dorf alle hinter mir stehen", hatte er aber als Forderung gestellt, als sie ihn zum Vorsitzenden machten. "Und diese Bedingung wird eingehalten", freut er sich, "sonst wär' das Tausendjährige gar nicht zu bewältigen".
In diesem Jahr bleibt es nämlich nicht bei der Taubenkirmes, sondern wird von Freitag bis zum Sonntag mit ihr zusammen 1 000 Jahre Gostau gefeiert. Und das muss einfach etwas ganz Besonderes werden, sind sich Kirmesverein, freiwillige Feuerwehr und viele zusätzliche Helfer einig. Nicht nur auf die Sössener Ortsteile, sondern auf viele Orte der Umgebung kann sich Gostau dafür auch stützen. "Am Ende haben wir mehr Menschen im Einsatz, als wir überhaupt Einwohner haben", freut sich Teuchert. Damit verbindet er freilich auch die Hoffnung, mindestens noch einmal so viele zu aktivieren, die als Zuschauer den Festumzug genießen und auf der Festwiese mit feiern.
Es ist das familiär-vertraute Verhältnis der Einwohner zueinander, das Teuchert so an Gostau liebt. Schon als Kind habe er das empfunden, wenn er aus dem benachbarten Kölzen zu seiner Großmutter nach Gostau kam. Und das möchte er gern auch seinem neunjährigen Sohn Eric mitgeben.
Das Umfeld stimmt auch, die Mietwohnung im repräsentativen sogenannten Beamtenhaus des Dorfes, das einst für die Bergbaubeamten erbaut wurde, dahinter ein kleiner Spielplatz mit Wiese und eine schöne Gartenanlage, am anderen Dorfende ein größerer Spielplatz, der aus einer Kohlegrube entstandene See. . .
Zu Kindereinrichtungen und Schulen sind die Wege mittlerweile schon lang geworden, bedauert er. Doch das ist der Trend der Zeit, dem mittlerweile die ganze Gemeinde Sössen zum Opfer gefallen ist, indem sie zur Stadt Lützen kam. Auf der anderen Seite findet Teuchert es nicht schlecht, dass einer der in Sössen lebt, heute Bürgermeister von Lützen ist, Dirk Könnecke (parteilos). Und schließlich ist es auch gerade für die Ausgestaltung eines so großen Festes nützlich, Vereine und Einrichtungen einer größeren Verwaltungseinheit hinter sich zu wissen.
"Wir haben viel geschafft", ist Olaf Teuchert stolz auf den Vorbereitungsstand der 1 000-Jahrfeier. Vor allem mit dem Umzug und dem Handwerkermarkt wird die Größenordnung jedes seit der Wende in Gostau gefeierten Festes übertroffen. Schon die Bewirtung der erwarteten Gäste stellt ganz andere Anforderungen. Die Summe der vielen Kleinigkeiten mache eine Menge Arbeit. Doch jeder kenne seine Aufgabe und packe zu, weiß er. "Wir werden gute Vorreiter sein", spielt er auf die weiteren Jubiläen an, die in diesem Sommer in Lützener Ortsteilen gefeiert werden - auch mit den Gostauern.
Gefeiert wird in Kaja vom 15. bis 17. Juni, in Bothfeld vom 21. bis 24. Juni und in Tornau vom 31. August bis 2. September 2012.