Münzgeld: Der Tod der Sparschweine?

29.05.2012 21:35 Uhr | Aktualisiert 29.05.2012 22:22 Uhr
Drucken per Mail
Kleingeld

Die Weißenfelser wollen laut einer MZ-Umfrage nicht auf ihr Klimpergeld verzichten - höchsten auf die ganz kleinen Stücke. (FOTO: PETER LISKER)

Von Matthias Voss
Die EU-Kommission in Brüssel soll im Auftrag des europäischen Parlaments prüfen, ob man das ganz kleine Geld nicht doch endlich einstampfen solle. Die Weißenfelser wollen laut einer MZ-Umfrage nicht auf ihr Klimpergeld verzichten.
Weissenfels/MZ. 

Weg mit den Cent-Stücken? Die EU-Kommission in Brüssel soll im Auftrag des europäischen Parlaments prüfen, ob man das ganz kleine Geld nicht doch endlich einstampfen solle. Italien, Österreich und die Slowakei wollen sogar großen Münzen den Garaus machen und stattdessen lieber Scheine einführen.

Bei Barzahlungen könnte dann am Ende auf- oder abgerundet werden. Begründet wurde der Vorstoß, mehr auf Münzen zu verzichten, mit gestiegenen Kupfer- und Silberpreisen. Die MZ hat bei einer Umfrage in der Weißenfelser Innenstadt nach der Meinung von Händlern und Kunden gefragt.

"Ich finde das super, weg mit dem Kleingeld. Zuhause habe ich schubladenweise davon und weiß nicht wohin damit. Zum Rollen des Geldes habe ich keine Lust", sagte Josef Poos, der sich auch über kleine Scheine für einen und zwei Euro freuen würde. Allerdings befürchtet er schmunzelnd, "den Tod der Sparschweine". Zudem hat der Weißenfelser Angst, "dass das zum Beispiel mit 1,99-Euro-Preisen dann irreführend sein wird. Aber viele verzichten beim Bäcker ja jetzt auch schon auf den Restcent", so Poos.

Honighändler Boto Schneider aus Burgwerben hat dagegen etwas gegen zu viele Scheine. "Der Herstell-Aufwand wäre doch genauso groß, aber die kleinen Ein- und Zwei-Cent-Münzen dürften ruhig weg. Ich nehme vier Euro für ein Glas Honig, in der Kaufhalle bezahlt man 3,99 Euro. Wo ist da der große Unterschied?", fragt Schneider und deutet auf seine anderen Preise wie 3,50 Euro oder 1,20 Euro, die ganz ohne Centmünzen dann mit auf- oder abrunden nicht mehr so richtig funktionieren würden. Und seine Waren teurer machen, möchte er auch nicht.

Auch Ulrich Rothe wehrt sich gegen versteckte Preiserhöhungen und hat so Probleme mit Auf- und Abrundungen. Der Leiter der Augustus-Apotheke in Weißenfels könnte aber mit vollen Fünf-Cent-Preisen leben, würde den Verlust der beiden kleinsten Münzen verschmerzen können. "Für uns wäre das praktisch, auch wenn wir sowieso nicht so viel Kleinstgeld da haben, weil wir mehr rausgeben als hereinbekommen. Wir müssen also immer nachordern", so Rothe.

Heike Gebhardt aus Apolda wäre auch für die Abschaffung der beiden Ein- und Zwei-Cent-Münzen, "weil ich die im Portemonnaie immer nicht finde. Und wenn nicht nur auf- sondern auch abgerundet wird, fände ich das in Ordnung", so Gebhardt. Dann könnte ein halbes Pfund Butter statt 99 Cent nicht unbedingt einen Euro, sondern vielleicht 95 Cent kosten.

"Den Quatsch mit Auf- und Abrunden fände ich nicht so toll, aber von mir aus können die kleinen Münzen abgeschafft werden", meint Heidrun Sailer aus Weißenfels und schließt damit auch die Fünf-Cent-Münzen mit ein. Dann wäre die Geldbörse nicht immer so knackevoll. Aber auf die anderen Münzen möchte sie nicht verzichten. "Wenn ich dem Enkel mal was zustecke, macht sich das mit Zehn-, Zwanzig- oder Fünfzig-Cent-Stücken besser. Es muss ja nicht sofort ein ganzer Euro sein", so Sailer weiter. Schon gar nicht als Schein.

Gerd Hartung aus Uichteritz ist komplett gegen die Abschaffung der Münzen. Er als Händler auf dem Wochenmarkt müsse "mit jedem ,Pfennig' rechnen".