Muschwitzer Kunsthof: Malen auf Leinwand und Tischtuch

15.08.2012 20:01 Uhr | Aktualisiert 15.08.2012 20:41 Uhr
Kevin Franke malt sein farbenfrohes Fabeltier. Er ist zum ersten Mal auf dem Kunsthof dabei. (FOTO: PETER LISKER) 
Von Julia Reinard
Brigida und Wolfgang Böttchers Kunsthof Muschwitz war für drei Tage ein Refugium für Kinder, die sich mit Farben ausdrückten. Elf junge Menschen zwischen acht und 14 Jahren verbrachten Zeit in Hof und Garten der Böttchers und machten die Welt bunter.
Drucken per Mail
Muschwitz/MZ. 

Welch ungewöhnliches Tischtuch: Es war mal weiß. Jetzt ist es bunt bekritzelt. An einer Ecke wurde Name-Stadt-Land-Fluss gespielt. Auch ein gewickeltes Kindchen ist zu sehen, eine Krone, der Name "Antonia L." in schnörkeliger roter Schrift dort, wo das Tischtuch an der Seite herunterhängt. Manche Grenzen typischer Erwachsener gelten hier nicht. Sollen hier nicht gelten.

Brigida und Wolfgang Böttchers Kunsthof Muschwitz war für drei Tage ein Refugium für Kinder, die sich mit Farben ausdrückten. Elf junge Menschen zwischen acht und 14 Jahren nahmen das kostenlose Angebot wahr, Zeit in Hof und Garten der Böttchers zu verbringen und die Welt bunter zu machen.

Kevin Franke war zum ersten Mal dabei. Der Zwölfjährige aus dem benachbarten Pobles kannte jemanden, der vergangenes Jahr am Kunsthof den Pinsel schwang und sei dadurch auf die Idee gekommen, es selbst zu versuchen. Ernsthaft blickt er auf die A3-große Leinwand, auf der ein skurriles Wesen mit rosafarbenen Vierecken entsteht. Es ist ein "Spipacheschi" - zusammengesetzt aus Buchstaben der Tiere Spinne, Piranha, Drache und Schildkröte.

"Ich mag Spinnen", erklärt der Junge, deswegen habe sein Tier auch ganz viele Augen erhalten. Stimmt: In der Vorzeichnung sind eine Handvoll Augen in den Kopf gemalt. Er weiß noch mehr über die meist nicht so beliebten Tiere: dass sie super klettern können und sich von lebendigen Insekten ernähren. Aber halten will er sie nicht - "erst wenn ich mehr über sie weiß", sagt der Junge.

Für den Himmel: nach unten malen

Auch Vierecke mag er, weswegen sein ungewöhnliches Tier Vierecke auf den Rücken gemalt bekam. Im Augenblick, als Brigida Böttcher vorbei kommt, wird deren Farbe beim Trocknen gerade Rosa. In der Vorzeichnung sind die Quadrate tiefrot. "Da musst du noch mal drüber, dann leuchtet es schön Rot", sagt die Malerin. Das wird er tun: Rot ist Kevins Favoriten-Farbe.

Brigida Böttcher und Ehemann Wolfgang wirbeln überall. Sie hat ein Tuch in der Hand, wischt hier da etwas glatt oder weg, sagt den kleinen Künstlern, sie sollen das dreckige Wasser wechseln oder gibt Tipps fürs Malen. "Der Himmel ist wie ein Dach über uns, das muss man von Seite zu Seite malen, nicht von oben nach unten - sonst sieht es aus wie Regen", sagt sie gerade.

Sie ist Initiatorin der verrückten Tiernamen-Bildung - nicht von deren Gestaltung. Am ersten Tag waren die Kinder im Fabelhaften Muschwitzer Bilderbuchzoo, um sich inspirieren zu lassen. Es kamen viele neue Fabeltiere heraus. Vincent Lange hat dieses Mal einen Huvoschi erfunden, eine Hund-Vogel-Schildkröte.

Der Weißenfelser war schon mehrmals bei den Böttchers und mag das Malen, auch in der Grundschule habe er das Fach "Gestalten" gern. "Und wir basteln und malen auch zu Hause", sagt der Achtjährige. Er findet es besonders gut, auf eine großformatige Leinwand zu malen.

Bilder werden gezeigt

Noch größer als sein Gemälde wird das der Mädchen. Es habe sich am ersten Tag so ergeben, dass die Mädchen zusammenarbeiten wollten. "Einige von ihnen hatten schon die Grundlage, wie man gemeinsam ein so großes Bild stemmt, gelegt", sagt Brigida Böttcher. Denn sie waren schon bei anderen Aktionen dabei. Sie malen ein Bild für die Krippe - dafür auch einige Vorzeichnungen auf dem Tischtuch. Patricia de Boer freut sich über die Aufgabe und die drei Tage am Kunsthof. Es sei eine schöne Art, sich die Zeit zu vertreiben.

Am Schluss sollen die Werke gezeigt werden. Das ist Brigida Böttcher wichtig: "Es ist ein Glücksgefühl, ein Bild zu vollenden - und es präsentieren zu können."