Ein Auto überschlägt sich. In Sichtweite kracht Ingo Schmidt auf ein Hindernis. Der Sicherheitsgurt verhindert Schlimmes. Und Christiane Bergmann, Präsidentin der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd, sieht es mit Vergnügen. Es ist Verkehrssicherheitstag an der A 9, Schauplatz die Raststätte Osterfeld, Richtung Berlin. Dahin haben die Autobahnpolizei Weißenfels und eine Reihe von Partnern eingeladen.
Zum 14. Mal wurde ein solcher Tag organisiert, um die Kraftfahrer zu sensibilisieren so zu fahren, dass weniger Unfälle geschehen. Und um zum Beispiel mit ihnen zu trainieren, wie man schnell ein Auto verlässt, das auf dem Dach liegt und um deutlich zu machen, wie wichtig es ist, den Sicherheitsgurt anzulegen. Am Ende des Tages resümiert Veit Raczek, Sprecher der Autobahnpolizei: "Wir hatten rund 1 400 Besucher und sind mit der Resonanz sehr zufrieden." Den Besuchern ist ein buntes Programm geboten worden. "Information, ein bisschen Spaß, ein bisschen Spiel", nannte es Polizeipräsidentin Bergmann. Sie sei sich sicher, dass diese Art der Prävention sinnvoll sei und Ergebnisse erziele, auch wenn diese nur schwer messbar seien. "Wenn der eine oder andere mal Bilder von schweren Unfällen sieht, die direkt nach dem Unfall aufgenommen worden sind, dann bleibt das irgendwo haften", so Bergmann. Im günstigsten Fall wirkt es sich positiv auf die Fahrweise aus.
Dass die Präsidentin den Weg nach Osterfeld auf sich genommen hat, sei auch Ausdruck der Wertschätzung der Arbeit der Autobahnpolizisten. Im Gegensatz zu ihr ist Andy Wagner aus Treuen (Vogtland) auf dem Weg in den Urlaub zufällig beim Sicherheitstag gelandet. Am Überschlagsimulator der Landesverkehrswacht kommt der 27-Jährige nicht vorbei. Er lässt sich mit dem Wagen auf den Kopf drehen, um dann so auszusteigen, wie es ihm Bernd Tiefert erklärt hat. Also: Wenn das Auto auf dem Dach liegt, dann die Füße unter dem Lenkrad hervornehmen und gegen die Windschutzscheibe stemmen. Mit dem linken Arm abstützen und das Gesäß in den Sitz drücken, um den Gurt zu entlasten und dann dass Gurtschloss öffnen. Kein Problem für den Mann aus dem Vogtland.
Aus Neugier habe er das Experiment mitgemacht, so Wagner. Er habe sich überzeugen wollen, dass der Gurt ihn auch bei einer Umdrehung mit dem Auto halte. Dass ihm die gesammelten Erfahrungen in einer Notsituation durchaus nützlich sein können, davon ist er überzeugt. Ebenso sieht es Sven Trautmann (25), der ehrenamtlich beim Technischen Hilfswerk arbeitet. "Da können wir doch aus eigenem Erleben im Ernstfall ganz anders Tipps geben", sagt er.
Manfred Klier (69) aus der Nähe von Nürnberg wird künftig bei Regen noch vorsichtiger fahren. Eine Folge des Reaktionstests, den er mitgemacht hat. Der hat ihm bei Tempo 100 auf nasser Straße einen Anhalteweg von 85 Metern vor Augen geführt. "Diese lange Strecke hat mich doch erschreckt", so der Senior.