Der Tagebau hat die kurze Verbindung zwischen Pegau und Hohenmölsen unterbrochen. (FOTO: PETER LISKER/CORINA WUJTSCHIK)
Gibt es irgendwann wieder eine kurze Verbindung zwischen Pegau im Kreis Leipzig in Sachsen und Hohenmölsen? Im Pegauer Stadtrat glauben viele fest daran, aber die Realitäten scheinen in den nächsten Jahren andere zu sein. Im Rathaus Hohenmölsen hat diese Verbindung keine Priorität. Und in der Mitteldeutschen Braunkohlegesellschaft, deren Vorgänger einst mit der Einrichtung des Tagebaus Profen die Straße gekappt hatte, sagt man momentan nichts dazu.
Aus Pegauer Sicht ist die Bundesstraße 176 als zirka sechs Kilometer lange Trasse nach Hohenmölsen ein bereits lange gehegter Wunsch, weil "es einmal sehr enge Verbindungen zwischen den beiden Städten gab, vor allem wirtschaftliche", sagt der Pegauer Stadtrat Marko Thrandorf (Fraktion Pro Pegau), der zudem Bauausschussvorsitzender ist. Außerdem ist er Unternehmer und hofft wie andere auch, von Aufträgen aus Hohenmölsen profitieren zu können.
"Das war auch früher so", erklärt er. Der Tagebau hat das Band zwischen den beiden Städten zerschnitten. "Heute ist der Weg nach Hohenmölsen 18 Kilometer lang", so Thrandorf, egal, ob er den Weg über Profen und die sogenannte grüne Magistrale wählt, oder über Werben (Kreis Leipzig), Großgörschen und Muschwitz fährt.
Geboren in Hohenmölsen
Bevor Mitte der 1960er Jahre die damalige Fernverkehrsstraße 176 verschwand, fuhren Pegauer zum Einkaufen oder zum Arzt nach Hohenmölsen. "Und da das am nächsten gelegene Krankenhaus in Hohenmölsen war, sind dort auch viele Pegauer geboren worden", erinnert Thrandorf. Wie er hofft auch sein Fraktionskollege Silvio Bringer, dass der Gedanke in Hohenmölsen auf Gegenliebe stößt, denn "für die Hohenmölsener wäre das eine interessante kurze Anbindung an den Südraum von Leipzig mit seinen Seen".
Den würde man in Hohenmölsen in der Tat ganz gern haben, räumt Bürgermeister Andy Haugk (Aktives Hohenmölsener Land) ein, aber "wir haben andere Prioritäten". Denn nach seiner Darstellung rückt das Tagebaufeld Domsen näher an den Hohemölsener Ortsrand heran, wodurch die Straßenverbindung über die einstige Ortslage Großgrimma entfallen würde. "Wir brauchen also eine direkte Verbindung von Hohenmölsen nach Wuschlaub und letztlich einen schnellen Weg in Richtung Autobahn 38 und Lützen."
Wenn vor allem der Landmaschinenbauer Agco seine Pläne umsetzt und sich fast verdreifacht, fehlt eben diese Anbindung an das Autobahnnetz. Die Straße über Webau und Aupitz zur A 9 würde da eher ein Nadelöhr sein.
Städte kommen ins Gespräch
Skeptisch betrachtet er auch den Pegauer Wunsch, einen Ersatz für die einstige Straße von dessen Ortsteil Werben nach Großgrimma zu bekommen, möglicherweise ebenfalls mit der Endstelle Wuschlaub. In Pegau verspreche man sich davon eine Aufwertung für das bestehende Naherholungsgebiet Mondsee und einem zu entwickelnden am Werbener See und auf der Hochkippe zwischen dem See und Pegau, erklärt Bringer. Das Gebiet, über das die Straße führen könnte, sei noch lange Tagebaugelände, meint Haugk und winkt ab.
Trotz dieser "nicht ganz deckungsgleichen Interessen", wie Haugk sagt, soll es Gespräche zwischen den Städten geben. Am 5. Juni, so Thrandorf, findet außerdem im Mibrag-Gebäude in Profen eine Veranstaltung zur Entwicklung der Tagebaufolgelandschaft statt. Das Braunkohleunternehmen sei in der Pflicht, auch einmal Wunden zu schließen, appelliert zudem Bringer. Der Pflicht will sich die Mibrag auch nicht verschließen. Die Themen seien bekannt, aber zum "gegenwärtigen Zeitpunkt sind keine Aussagen dazu möglich", erklärte Pressesprecherin Sylvia Werner. Man rede über Planungen ab etwa 2020, dazu wolle man zu gegebener Zeit informieren.