Treckertreffen: Mit dem Mops im Huckepack

17.07.2012 20:13 Uhr | Aktualisiert 17.07.2012 20:52 Uhr
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Treckerparade in Lobitzsch

Treckerparade in Lobitzsch und der Nachwuchs wird langsam an die Nostalgietechnik herangeführt. (FOTO: PETER LISKER)

Von Holger Zimmer
In Lobitzsch wird mit 100 Oldtimern auch Kindern etwas geboten. Über 1.000 Gäste besuchten die Nostalgie-Schau am Sonnabend. Die älteste Technik "8er Mops" stammt von 1924.
Lobitzsch/MZ. 

Das Lobitzscher Treckertreffen kann nur die Altweibermühle in vier Jahren von den Besuchern her toppen. Immerhin wurden während der Nostalgie-Schau am Sonnabend über 1 000 Gäste gezählt. Aber auch, wenn klar ist, dass eine Neuauflage schon in zwei Jahren folgen wird, dürfte das traditionelle Mühlenfest als Magnet 2016 weitaus mehr Besucher anziehen.

Mitorganisator Jens Züger von der Treckerallianz Burgenlandkreis schwärmt: "Rund 20 Leute sind bereits am Freitagabend angekommen und haben hier geschlafen." Martin Schulze (16) und Tobias Zschächner (15) gehörten dazu. Beide waren vor drei Jahren zum Schleppertreffen während der Altweibermühle mit Schulze-Vater Wilfried schon einmal im kleinen Ort, über dem derzeit zwei Alt- und drei Jungstörche kreisen. Mit einem Lanz Bulldog sind sie vier Stunden aus der Jenaer Gegend auf Nebenstraßen angereist.

"So ein altes Fahrzeug macht einfach Spaß und man weiß, wie alles funktioniert." Am Morgen seien sie zum Tanken nach Weißenfels gefahren. Viele, vor allem Ältere, hätten sie unterwegs gegrüßt und einer hätte sogar erzählt, dass er auf einem solchen Schlepper das Fahren gelernt habe. Gerade für ihn sei es ein schönes Gefühl, wenn sich Jüngere dafür einsetzen, die alte Technik zu erhalten. Und der Nachwuchs wird schon beizeiten mit den Oldtimern vertraut gemacht. So hat Matthias Rönicke aus Beuditz bei Naumburg abwechselnd Hanna (8) und Jakob Frens (7) aus Halle mit hinter dem Lenkrad seines Deutz-Traktors vom Baujahr 1941, der sogar noch für den Kartoffelanbau verwendet wird.

Ein Stück weiter tummeln sich Aimeé-Silvana Röhr und Toni Rathgeber auf einem der Traktoren. Thomas Edelmann verweist auf lustige Fotos, die man machen könne, wenn sich die Dreijährigen mal in die hohen Räder stellen und Jeannette Rathgeber erzählt von der gleichen Technik, die der Großvater in Thüringen habe und die immer ein Anziehungspunkt für die Kinder sei.

Die Treckerallianz hat aber auch sonst viel für die Kleinen geboten. So gab es ein Bungee-Hüpfen und ein Bastelzelt, das die Markwerbener Kulturbanausen betreut haben. Hinzu kam, dass Arno Hoyer aus Brachstedt bei Halle zum Schafe scheren vor Ort war, ein altes und in der Region langsam aussterbendes Handwerk. Selbst die Schwarzkopfschafe des Lobitzschers Sven Geißler nahm er sich vor. Hoyer war ursprünglich Schäfer, musste sich nach der Wende einen neuen Job suchen und arbeitete 13 Jahre auf dem Bau. Inzwischen geht er den Schafen seit fünf Jahren hauptberuflich ans Fell. Da sei es einerseits gut, dass man die Tiere auch im Winter scheren könne. Andererseits müsse er zwischendurch Klauen schneiden, um existieren zu können.

Der älteste Teilnehmer dürfte Erich Zeymer aus Uichteritz mit 84 Jahren gewesen sein. Auch er verwendet seinen 52 Jahre alten MAN noch für die Feldarbeit. "Es hält jung, wenn man älter ist und noch was zum Buddeln hat", weiß er, der mit seinem Trecker schon bei Sachsen-Anhalt-Tag und Schlossfest mitgerollt ist.

Die älteste Technik hat freilich Frank Elsner mitgebracht. Sein Lanz Bulldog, unter Insidern wegen seiner acht PS als "8er Mops" bekannt, stammt von 1924. Er hat seitdem so rostig ausgesehen, wurde so in Lobitzsch präsentiert und kennt keine Farbkosmetik. Der Teucherner hat den Lanz im Hänger hinter einem 45 Jahre alten IFA-Lkw nach Lobitzsch bugsiert.