Weißenfels: 400 Meter Straße für die Stadt

04.05.2012 21:01 Uhr | Aktualisiert 04.05.2012 21:13 Uhr
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Gemeindestraße

Die Zufahrt zum Weißenfelser Bahnhof wird Gemeindestraße. (FOTO: PETER LISKER)

Von andreas richter
Die Stadt Weißenfels hat eine kurze aber wichtige Straße mehr. Mit 24 Ja-Stimmen, 13 Ablehnungen und zwei Enthaltungen hat der Stadtrat am Donnerstagabend zugestimmt, die Straße Zum Bahnhof als öffentliche Gemeindestraße von der Deutschen Bahn zu übernehmen.
weissenfels/MZ. 

Was auf den ersten Blick wenig aufregend scheint, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung jedoch als Entscheidung von weitreichender Bedeutung. Denn die knapp 400 Meter lange Straße, die die Bahn schon lange loswerden wollte, führt in der Verlängerung über den Weg Am Bad zum Klärwerk. Und bis heute gibt es tatsächlich keine geeignete öffentliche Zufahrt zur Kläranlage. "Wir müssen nun heilen, was offenbar viele Jahre lang verschlafen wurde", sagte Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos). Schon in den 90-er Jahren hätte jemandem auffallen müssen, dass die Kläranlage nur über die Privatstraße der Deutschen Bahn und über eine Feldweg ähnliche Zufahrt von Burgwerben aus zu erreichen ist.

Doch was lange offenbar niemanden störte, wurde nun zu einem Schwachpunkt im Genehmigungsverfahren für die Erweiterung des Klärwerkes. "Ohne eine öffentliche Straße zum Klärwerk keine Erweiterung", brachte Risch die Sache auf den Punkt. Und deshalb hatten die Stadträte nicht wirklich die Wahl. Denn dass die Kapazität der überlasteten Kläranlage erhöht werden muss, darin sind sich mittlerweile fast alle einig. "Wir sitzen zwischen Not und Elend", sagte denn auch Stadtrat Udo Becker (CDU-Fraktion). Würde der Ausbau des Klärwerkes an der öffentlichen Zufahrt scheitern, dann würde die Stadt weitere Strafabgaben riskieren. Schon jetzt trägt die Kommune schwer an rund zehn Millionen Euro Strafe, die sie für die mehrfache Überschreitung von Grenzwerten in Abwasser bezahlen muss, das vom Klärwerk in die Saale geleitet wurde.

Allerdings könnte nach Übernahme der Straße noch das dicke Ende kommen. Denn: die Piste ist stark sanierungsbedürftig und an einer Seite von einer denkmalgeschützten Mauer umgeben. Mittelfristig wird die Stadt nicht umhin kommen, Geld in ihre neue "Errungenschaft" zu investieren. Schätzungen gehen von Kosten zwischen 1,6 und 1,8 Millionen Euro aus. Allerdings bezweifelte mancher im Stadtrat diese Zahlen. Denn noch liegt weder eine Baugrunduntersuchung vor, noch ist die Frage der Standfestigkeit der Mauer zum Bahngelände geklärt. Dennoch ist Risch optimistisch. Immerhin sei Weißenfels in das Schnittstellenprogramm des Landes integriert, über das jetzt auch ein Großteil der Kosten für den Bau des neuen Busbahnhofes bezahlt wird. Eine 80-prozentige Förderung für den Ausbau der Straße Zum Bahnhof sei deshalb durchaus realistisch.

Doch soweit ist es noch nicht. Nach dem Votum des Rates wird die Stadt nun erst einmal einen halbjährigen Verhandlungsmarathon mit den verschiedensten Bereichen der Deutschen Bahn mit einer Vereinbarung zur Umwidmung der Straße abschließen können. Insgesamt 255 Kilometer Gemeindestraßen betreut die Kommune in der Kernstadt und den Ortsteilen. Nun werden es 400 wichtige Meter mehr sein.