Weißenfels: Das große Naschen beim Fest der Kulturen

22.07.2012 17:07 Uhr | Aktualisiert 22.07.2012 18:14 Uhr
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Afrikanische Spezialitäten

Afrikanische Spezialitäten: Schnell sind bei Alima, Maria und Anni (v. li.) Töpfe und Schüsseln leer. (FOTO: PETER LISKER)

Von bärbel schmuck
Das fünfte Fest der Kulturen vereinte zum ersten Mal 15 Nationen auf dem neuen Gelände des Kinder-Eltern-Zentrums "Kleeblatt". Groß und Klein sangen, tanzten, kochten, backten und feierten gemeinsam.
Weissenfels/MZ. 

Stand an Stand reiht sich wie eine Perlenschnur aneinander. Ein Duft nach frischem Gebäck, Gekochtem und Gebratenem kitzelt die Nase. Frauen und Männer aus Afrika, China, Griechenland, der Türkei, Ungarn und Bulgarien, Deutschland, der Ukraine, aus Russland, Kasachstan, Serbien, dem Irak und Syrien bieten Spezialitäten ihrer Heimat an. Hühnchen mit Curry und Kokos, Weinblätter mit würzigem Reis gefüllt, Pelmenis, Pfirsich-Pralinen, Menschen-Kekse und ein halbflüssiger Schokoladenkuchen. So farbig und einladend wie die Gerichte sind die Gewänder vieler Teilnehmer. Ein großes Stück Neustadt ist plötzlich eine bunte Stadt.

Das Gelände des Kinder-Eltern-Zentrums (KEZ) "Kleeblatt" in der Weißenfelser Neustadt mutierte am späten Freitagnachmittag zur Festmeile. Bis in die Abendstunden hinein feiern Mädchen und Jungen, Eltern, Erzieher, Sozialpädagogen und Anwohner ein fröhliches Fest. Das Fest der Kulturen erlebt seine fünfte Auflage.

Einer, der mit der Kamera so manchen originellen Schnappschuss an den Pavillons und Informationsständen oder vor und auf der Bühne einfängt, strahlt übers ganze Gesicht. Mike Ahlvers hat dazu auch allen Grund, wie der frühere stellvertretende Leiter der Kindertagesstätte (Kita) "Kleeblatt" bestätigt. Was er vor einem halben Jahrzehnt anregte und bis zum Vorjahr tatkräftig mit organisierte, kann sich inzwischen sehen und hören, riechen und schmecken lassen. "Das Festival hat sich zum Selbstläufer entwickelt, es ist gewachsen und aus dem Leben der Neustadt nicht mehr wegzudenken", sagt der Sozialpädagoge anerkennend. "Ich genieße heute die Atmosphäre als Gast", sagt Initiator Ahlvers, Vater von drei Kindern.

Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) schließt sich dieser Meinung an. Er ist der erste, der das Wort auf der Festbühne ergreift und der gemeinnützigen Integra als Träger des KEZ mit ihren beiden Gesellschaftern DRK und Verein Lebenshilfe sowie den Kooperationspartnern Volkshochschule und Multikulti-Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt zu dieser Veranstaltung mit Tradition gratuliert.

"Das Fest ist so bunt und voller Leben, und es steckt so viel Liebe drin", würdigt Maria Hartmann das Programm begeistert. Die 84-jährige Weißenfelserin sitzt zusammen mit ihrem Mann Herbert (85) auf einer Bank und lässt sich Kaffee und Kuchen schmecken, den das 20-köpfige Erzieherteam in einer großen Zahl und reichen Auswahl gebacken hat. Dabei lässt die Besucherin die Darbietungen nicht aus den Augen. Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund tanzen und singen - sozusagen als Hommage an ihre Kita. Der Elternchor des KEZ überrascht mit Musical-Hits, unter anderem aus dem "Phantom der Oper" und "König der Löwen". Die Kostüme dafür haben sich die Mitglieder selbst organisiert oder genäht, ist von Chorleiterin Katrin Wangemann zu erfahren. Jeden Montag wird geprobt, sagt sie.

Der Beifall will nicht enden, als Dyna Kühn, die von den Philippinen stammt, Popsongs präsentiert, unter anderem von Gloria Gaynor, und der dunkelhäutige Jason "Diesen Weg" von Xavier Naidoo anstimmt. Temperamentvoll wird es mit Anni Badanon aus dem afrikanischen Benin und ihren Freunden. Die schönen Frauen lassen singend und tanzend in traditionellen Trachten von Kopf bis Fuß unverwechselbares Flair vom schwarzen Kontinent aufkommen, ihre Männer trommeln dazu. Der zwölfjährige Amar aus Serbien kann sich nicht sattsehen. Zuerst hat der Neustadtschüler seiner Mutter beim Verteilen frisch gebackener Hackfleisch-Teigröllchen geholfen, danach schaut er sich das Kulturprogramm mit einem Jungen aus Erithrea an. Beide haben sich angefreundet, sprechen deutsch. "Wir haben die Sprache in einem Kurs an der Volkshochschule gelernt", sagt Amar. Dabei ist er erst wenige Monate mit Mutter und Geschwistern in Weißenfels. "Mein Vater ist schon einige Jahre hier, er wollte, dass wir nun endlich kommen, er arbeitet in der Autobranche", erklärt der schwarzhaarige Junge, der seit kurzem in die Neustadt-Sekundarschule geht.