Die Physiotherapeutinnen Anja Prinz (l.) und Karolin Schubert säubern ihre Praxisräume. (FOTO: PETER LISKER)
Karolin Schubert, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Anja Prinz in der ersten Etage des ehemaligen Ballhauses der Saalestadt ein Physiotherapiezentrum führt, ist die Anspannung der vergangenen Tage anzumerken. "Wir sind mit den Nerven fertig", schildert Schubert. Pausenlos ist sie am Telefonieren, sagt Patiententermine ab. "Der Ruß sitzt in der Tapete und ist in die Schränke gekrochen. Alles muss gereinigt werden - jeder Medizinball, jede Liege. Wir haben keinen Strom", erklärt die 47-Jährigen und wischt sich die rußgeschwärzten Hände ab. "Man kann nichts anfassen, sich nicht hinsetzen - es ist zum Heulen", berichtet sie. Ein Arbeitsausfall von rund 100 Patienten in der Woche schlage für beide Frauen finanziell hart ins Kontor. Jetzt warten sie auf einen Gutachter. Wann die medizinische Einrichtung wieder öffnet, weiß keine von beiden.
Schlimm erwischt hat es auch Unternehmerin Brigitte Knoblauch, die Körperpflegemittel vertreibt. Sie erfuhr von dem Brand mitten in den Hochzeitsvorbereitungen für ihren Sohn am vergangenen Samstag. "Ich kann überhaupt nicht mehr denken", sagte sie am Freitag unter Tränen und war hilflos dem Qualm ausgeliefert.
"Wichtig ist, dass körperlich niemand zu Schaden gekommen ist", meint Jörg Döhring, Eigentümer von zwei Etagen des Hauses. Seit Montagfrüh sind die Handwerker im Gebäude. Mehrere Männer der Service GmbH Weißenfels säubern die pechschwarzen Fliesen und Türen. Eine Heidenarbeit, meint einer der Mitarbeiter und schiebt einen Wischeimer samt Seifenlösung auf die nächste Stufe. In der ersten Etage sind die Männer der Weißenfelser Firma Elektro Neitzsch zu Gange. Vor dem Verteilerkasten sollen gelbe Säcke gestanden haben. Wie auch immer waren sie in Brand geraten. Die ganze Elektrik ist hinüber. "Wir müssen hier alles erneuern", schildert Elektrotechniker Michael Harazim. Ein komplett neuer Schaltschrank für Starkstrom, Sicherungen, Telefon, Wechselsprechanlage wird eingebaut. "Arbeit haben wir sicher noch ein, zwei Tage." Über die Schadenshöhe konnte Hausverwalter Jens Winkler keine Auskunft geben. "Wir wollen, dass bald wieder Normalität einzieht", meint er. Am Nachmittag wurde der Schaden von einem Gutachter in Augenschein genommen.