Hunderte Besucher folgten am frühen Samstagabend der Einladung der Stadtführer, Weißenfels vor 100 Jahren zu entdecken. (FOTO:PETER LISKER)
Punkt 17 Uhr ist am Samstag in der Laurentius-Kirche die Weißenfelser Museumsnacht eröffnet worden. Mit Fug und Recht kann gesagt werden, dass diese Premiere gut gelungen war. Etwa 40 Personen haben in dieser kleinen Kirche, in der der Ladegast-Verein ein Museum eingerichtet hat, in den Kirchenbänken Platz. Die waren schnell besetzt, auch die Empore füllte sich. Zahlreiche der rund 150 Besucher mussten im Freien warten. "Ich bin wirklich ganz stolz", meinte Gisela Brevier, Vorsitzende des Vereins. Seit 2010 gebe es die Ladegast-Ausstellung, die jedoch nicht täglich zu sehen sei.
Hauptattraktion des Gotteshauses ist die Ladegastorgel. Sie wurde gleich nach der Fertigstellung des Gotteshauses 1879 eingebaut. Sie gilt mit ihren 14 Registern heute als die älteste erhaltene, nach dem Kegelladensystem erbaute Orgel von Friedrich Ladegast. Robert Müller, ein 28-jähriger Mathematikstudent und Mitglied des Vereins, ließ die Zuschauer auch nicht lange warten. Mehrere Kirchenmusikstücke stimmte er auf der Ladegastorgel an.
Die Königin der Instrumente hielt wacker durch, ächzte und pumpte mit einigen Ausfällen jedoch ganz gewaltig. "Nachdem die Fenster der Kirche wieder in neuem Glanz erstrahlen, ist es natürlich Ziel des Vereins und der Kirchengemeinde, auch die Orgel wieder in Takt zu bringen", kündigte die Vereinsvorsitzende an. Doch die notwendigen rund 85 000 Euro müssten natürlich erst einmal zusammen sein.
"Wir finden das alles sehr sehenswert und interessant", sagte Rosemarie Schniebel, die mit ihrem Mann Rudolf aus Krauschwitz in die Laurentiuskirche gekommen war. "Wir sind vor allem von den herrlichen 16 Kirchenfenstern begeistert und werden uns noch mehr ansehen", kündigte sie an. Ausreichend Gelegenheit boten dazu Lutz Teetzen als Weißenfelser Schusterjunge und Gudrun Schulze, Vorsitzende des Weißenfelser Gästeführervereins, als Fräulein Hagemeier, ein Kind der Neustadt. Von der Laurentiuskirche nahmen sie die bunte Gästeschar auf dem Museumspfad quer durch die Stadt unter dem Motto "Weißenfels vor 100 Jahren" mit.
90 Minuten wurde gelaufen, geplaudert und gelogen. Ja, auch das. Denn der Schusterjunge erzählte vor fast jedem Gebäude eine kleine Geschichte. Die Gäste sollten dabei herausfinden, ob sie wahr oder gelogen war. Haben beispielsweise Nonnen aus dem Kloster einst Weihnachten vor dem Gefängnis den Inhaftierten ein Ständchen gesungen (falsch)? War der Schusterjunge auch einmal als Brandstifter unterwegs (Wahrheit) und galt die Elle als Schuhgrößenmaß (ebenfalls wahr)? Die Besucher hatten die Schwindelei schnell ausgemacht. Nach dem Rundgang war vor dem Rundgang. "Für uns ist noch lange nicht Schluss, wir sehen uns noch mehr an", kündigte Lisa Schwertfeger aus Bad Dürrenberg an und stürzte sich mit Tochter Karin ins abendliche Museumstreiben.