Weißenfels: Eine Gemeinschaft wird 100

01.05.2012 19:41 Uhr | Aktualisiert 01.05.2012 21:17 Uhr
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Martin Neumann

Der WBG-Vorstandsvorsitzende Martin Neumann (2. von links) im Gespräch mit Mietern. (FOTO: PETER LISKER)

Von andreas richter
Die Wohnungsbaugenossenschaft Weißenfels/Saale begeht ihr Jubiläum mit einer Festveranstaltung und sieht sich für die Zukunft gut aufgestellt.
weissenfels/MZ. 

Die Hundertjährige hat einiges erlebt, ist topfit und hat noch viele gute Jahrzehnte vor sich. Es war vor allem diese Botschaft, die am Montag vom Weißenfelser Kulturhaus ausgehen sollte. Dort hatten sich Genossenschafter sowie Vertreter der Wohnungswirtschaft und der Politik versammelt, um das hundertjährige Bestehen der Wohnungsbaugenossenschaft Weißenfels / Saale (WBG) zu begehen.

Fast die Hälfte der langen Geschichte der WBG hat Joachim Götze miterlebt. Immerhin lebt der heute 76-Jährige seit 1965 in ein- und derselben WBG-Wohnung in der Erich-Weinert-Straße in Weißenfels-West. "Wir haben Badewannen geschleppt und Fundamente ausgehoben", erinnerte sich Götze am Rande der Festveranstaltung an jene Zeiten, in denen die Genossenschafter nach Feierabend ihre Stunden bringen mussten, um dem ersehnten Ziel, einer neuen Wohnung, näherzukommen. Mit Ehefrau Doris und den beiden vier und fünf Jahre alten Kindern ist Joachim Götze dann im Herbst '65 eingezogen. Die Bäume, die die Gemeinschaft damals pflanzte, sind längst in den Himmel gewachsen.

Heute ist Familie Götze, die tiefe Wurzeln in ihrem Wohngebiet geschlagen hat, Teil einer bewegten Geschichte der WBG, an die auch die Aufsichtsratsvorsitzende Jutta Mühlner in ihrer Festrede erinnerte. Sie schlug den Bogen von den ersten zwölf Wohnungen, die 1914 in der Jahnstraße bezogen wurden, über die einschneidenden Veränderungen nach der Wende bis hin zu den aktuellen Herausforderungen der energetischen Sanierung. Heute sei die WBG ein "stabiles Unternehmen unter marktwirtschaftlichen Bedingungen", sagte Mühlner.

Das bescheinigte den Weißenfelsern auch Thomas Webel (CDU), Minister für Landesentwicklung und Verkehr in Sachsen-Anhalt. Er verwies darauf, dass die WBG insgesamt rund 400 000 Euro Wohnungsbauförderung vom Land erhalten habe. Darüber hinaus seien mehr als eine Million Euro über das Programm "Stadtumbau Ost" geflossen, mit dem die Genossenschaft bislang rund 300 Wohnungen vom Markt genommen habe. Angesichts der Bevölkerungsentwicklung sei die WBG auf dem richtigen Weg, indem sie Anreize für junge Familien, Auszubildende und Studenten schafft.

"Menschen mit Weitblick" hätten vor hundert Jahren die Genossenschaft in Weißenfels gegründet, sagte Ulrike Hoffmann, Sprecherin der Stadt Weißenfels. Sie verlas ein Grußwort von Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos), der an diesem Tag im Urlaub war. Ebenso wie Risch hob Ronald Meißner, Direktor des Verbandes der Wohnungsgenossenschaften Sachsen-Anhalt, die Zukunftsfähigkeit der Hundertjährigen hervor. Der Genossenschaftsgedanke habe noch immer die verschiedensten gesellschaftlichen Veränderungen überstanden, sagte er. Und die Genossenschaft sei auch heute alles andere als ein "verstaubtes Modell". Als Symbol dafür überreichte er schließlich der Aufsichtsratsvorsitzenden ein kleines Kunstwerk. Ein Haus mit Flügeln - auf dass es der Genossenschaft und ihren Mitgliedern auch im zweiten Jahrhundert selbige verleihe.