Interessiert verfolgten zahlreiche Gäste die Erläuterungen im sanierten Weißenfelser Heinrich-Schütz-Haus. (FOTO: PETER LISKER)
Unter den Gästen waren dabei zwei Herren, die nicht mit leeren Händen gekommen waren. Ekkart Günther, Geschäftsführer der Weißenfelser Stadtwerke, übergab einen Scheck in Höhe von 2 000 Euro für die Arbeit des Schütz-Vereins. Und Andreas Auerbach, Vertriebsvorstand der envia Mitteldeutsche Energie AG, unterschrieb gemeinsam mit Kreis einen Sponsorenvertrag. Dieser beinhaltet unter anderem, dass der Energieversorger das Forschungsprojekt "Schütz und Luther" wie schon im vergangenen Jahr erneut mit 4 000 Euro finanziell unterstützt.
Ursprünglich sollte dieser Mai-Sonnabend zum ganz großen Freudentag für den rührigen Verein und alle Schütz-Liebhaber werden. Sollte doch die neue Dauerausstellung im Haus eröffnet werden. Doch dann erkrankte die Kuratorin, die sich bereits seit anderthalb Jahren mit der Vorbereitung der Ausstellung befasst hatte, schwer. Der Zeitplan war deshalb längst aus den Fugen geraten, als Anfang März die Museologin Anita Szczukowski als neue Kuratorin ihre Arbeit aufnahm.
Doch zu diesem Zeitpunkt waren sich die Akteure einig, den ursprünglichen Eröffnungstermin nicht einfach so verstreichen zu lassen. Geboren wurde die Idee eines Architekturpfades. Obwohl die Dauerausstellung noch fehlt, sollten sich Interessenten in dem mit großem Aufwand sanierten Haus aus erster Hand über dessen Bau- und Nutzungsgeschichte informieren können. Und diese Gelegenheit zur Entdeckungsreise ließen sich am Sonnabend viele nicht entgehen. Bernd Dombrowski, an den Bauforschungen maßgeblich beteiligt, führte durch das Gebäude, in dem der Komponist seinen Lebensabend verbrachte. Er begann vor dem Haus mit seiner sanierten Fassade und den nach Originalen aus dem 16. Jahrhundert wieder hergestellten Fenstern, führte weiter durch die ehemalige Küche, Wohn- und Arbeitsräume bis hoch hinauf in das Herzstück des sanierten Hauses, das Komponierstübchen. Seit 2008 hat sich der Schütz-Verein darum bemüht, das Dachgeschoss wieder nutzbar zu machen. "Zu DDR-Zeiten wurde hier jede Menge Stahl verbaut", berichtete Dombrowski im Dachgeschoss, in dem es heute wieder nach frischem Holz riecht. Nach der letzten Rekonstruktion des Gebäudes in den Jahren 1984 / 85 war die oberste Etage praktisch aufgegeben worden. Nun soll die Komponierstube Teil einer neuen Dauerausstellung werden, in der so manches interessante Detail zu entdecken sein wird. So auch ein Fragment mit Noten des Komponisten, das während der Sanierung unterm Dach an einem Mäusenest, gebaut aus weiteren Notenschnipseln, entdeckt worden war.
"Wir haben noch viel Arbeit, liegen aber im Zeitplan", versicherte am Rande der Führung Kuratorin Anita Szczukowski, die den Architekturpfad gemeinsam mit Restaurator Dombrowski vorbereitet hat. Nächster wichtiger Schritt sei nun die grafische Gestaltung der neuen Dauerausstellung. Am Sonnabend, den 13. Oktober, soll sie zum Auftakt des Heinrich-Schütz-Musikfestes eröffnet werden.
Doch jetzt richtet sich die Aufmerksamkeit der Schütz-Freunde erst einmal auf die Weißenfelser Musikwoche. Der Tag der offenen Tür im Heinrich-Schütz-Haus war der Auftakt für die elfte Auflage, die in diesem Jahr unter dem Motto "Hochzeit von Himmel und Erde" steht.