"Ich würde mir wünschen, dass es in Großkorbetha einen Treff für uns gibt", sagt Theresa Gudat. Die 18-jährige Großkorbethaerin läuft mit Freundin Antoinette Siegel (16) aus Weißenfels durch den Ort. Und sie sagt: "Ich war klein, als ich mit meinem Bruder in die Grundschule gegangen bin." Dort nämlich existierte ein Treff des Kinder- und Jugendhilfevereins, der vor Jahren dicht gemacht hat. Dann gab es den Klub in der ehemaligen staatlichen Sekundarschule, der auch wegen Lärmbelästigung geschlossen wurde und am Ende den in der alten Kegelanlage. "Doch da sind wir gar nicht reingekommen."
Geschlossene Gesellschaft, hatte sich doch wegen der Nutzung dort extra ein Verein gegründet. Aber auch damit ist laut Ortsbürgermeister Johannes Drewitz (parteilos) seit dem Frühjahr Schluss. Er betont, dass sich die Jugendlichen jenseits der 20 auch an den Betriebskosten beteiligten. Doch manche hätten nun Familie und keiner habe sich offensichtlich den Hut aufsetzen wollen. "Leider sind keine Nachfolger da und in einem oder auch vier Jahren stehen Jugendliche wieder auf der Matte, weil sie keine Bleibe haben." Dafür gebe es jetzt Ärger mit Anliegern am Dorfplatz, wo bis in die Nacht gefeiert werde.
Dabei dürfte es in Großkorbetha nicht anders sein als im benachbarten Wengelsdorf. Dort gibt es laut Ortsbürgermeisterin Sybille Reider (parteilos) auch keinen Jugendklub mehr, weil über die Stränge geschlagen wurde und sich kein Verantwortlicher finden wollte. Dafür würden junge Leute im Sportverein, bei den Karnevalisten und dem Verein Tanz-Art mitmischen.
Christoph Kühling weiß auch von Problemen in Storkau. Vor gut zehn Jahren ist der inzwischen 25-Jährige erstmals im Klub gewesen. Bis zu 30 Leute hätten sich da allabendlich getroffen und nicht alle Sitzplätze gehabt. Da sei es nicht immer leise zugegangen, habe es Ärger gegeben. Von hier aus sei man an den Wochenenden in die Disco oder zu Dorffesten gefahren. Man habe gequatscht, Fernsehen geschaut und auch Bier getrunken. Als dann der damalige Bürgermeister alles bis hin zu den Öffnungszeiten reglementieren wollte, habe er im Gemeinderat interveniert und sich später folgerichtig selbst zur nächsten Wahl gestellt. In Eigeninitiative sei dann vor drei Jahren gefliest, gemalert und eine Bar eingebaut worden. Am Ende blieben 1 050 Euro an den Klubmitgliedern hängen, die diese aus ihren Einnahmen durch die Säuberung von Flutgräben abdecken mussten. "Inzwischen ist es so, dass die Bürgermeisterin weiß, was sie an der Jugend hat, die vielleicht mal über die Stränge haut, aber die angesichts der Probleme auf dem Arbeitsmarkt ein attraktives Umfeld zu schätzen weiß."
Ortsbürgermeisterin Walburga Schetter (Mandat der Landfrauen) sagt dann auch: "Die Jugend ist unsere Zukunft und hat sie einen Treffpunkt, muss sie nicht auf der Straße rumlungern." Mehrere tausend Euro lasse sich die Kommune die Unterhaltung der Jugendtreffs - in Pettstädt gibt es ebenfalls einen - kosten. Daneben würden den Jugendlichen Heimatpflegemittel zugutekommen. Und Frau Schetter verweist in diesem Zusammenhang auf Spielplätze in Storkau und Obschütz, die für die Jüngsten gebaut wurden.
Auch in der Gemeinde Goseck gab es zwei Jugendklubs. Um den einen in Markröhlitz wurde im Rat oft kontrovers diskutiert. Zuletzt seien dort im Rittergut drei Leute ein- und ausgegangen, so dass man letztlich laut Bürgermeister Hilmar Panse (parteilos) im Gemeinderat angesichts hoher Betriebskosten die Notbremse gezogen hat. Allerdings hätte es schon im Vorfeld immer wieder Probleme gegeben, weil sich niemand in die Verantwortung nehmen lassen wollte.
Dass es auch anders geht, haben die Gosecker in ihrem "Privatklub" bewiesen. Peter Müller hat als Vater seinem Sohn Thomas und dessen Freunden eine Blockhütte an der Weststraße zur Verfügung gestellt. Freunde und Bekannte gingen dort ohne Reglementierung ein und aus. Rund 15 seien es oft gewesen, mit "Laufkundschaft" an die 30. Selbst Weißenfelser seien gekommen, doch wer über die Stränge zu schlagen drohte, dem ist laut Müller junior die Tür gewiesen worden. Den Markröhlitzer Klub habe man recht selten besucht. Laut Vater Peter sei in Goseck alles im Rahmen einer Selbstverwaltung gelaufen: Auszubildende steuerten einen Monatsbeitrag von drei Euro für die Betriebskosten bei, es wurde Rasen gemäht und sogar gestrichen. Inzwischen trifft man sich lieber auf dem Hof des Grundstücks und deshalb bekennt Peter Müller, dass er sein Blockhaus durchaus gern wieder jüngeren Heranwachsenden zur Verfügung stellen würde.