Weißenfels: Lücke im Lebenslauf schließt sich

17.05.2012 17:29 Uhr | Aktualisiert 17.05.2012 19:03 Uhr
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  Alexander Nitschke (l.) übergibt sein Buch...

Alexander Nitschke (l.) übergibt sein Buch unter dem Flugzeug im Museum Berlin an Holger Steinle. (FOTO: TECHNIKMUSEUM)

Von bärbel schmuck
Wenn sich am Donnerstagnachmittag Mitglieder der Interessengemeinschaft (IG) zum traditionellen Fliegertreffen im Weißenfelser Hotel "Jägerhof" zusammenfinden, wird ein besonderes Flugzeug im Mittelpunkt stehen.
weissenfels/MZ. 

Der kleine rote Tiefdecker ist heute Teil der Ausstellung im Deutschen Technikmuseum (DTM) in Berlin. Wie es dazu kam, dass der sportliche Zweisitzer nun zum Inventar des bekannten Museums gehört, darüber informierten Bernd Gaudig und Alexander Nitschke von der IG des Weißenfelser Luftsportes vor dem 15. Treffen.

"Es handelt sich um die inzwischen restaurierte Udet U-10, die mehrere Jahrzehnte an der Decke der Fahrzeughalle der Weißenfelser Feuerwehr in der Leopold-Kell-Straße gehangen hatte", erzählt Gaudig. Der 73-jährige ehemalige Flugsportler und heutige Hobby-Historiker erinnert sich mit leuchtenden Augen noch genau an dieses Flugzeug, das er bis etwa 1970 bei der Feuerwehr gesehen hatte. "Immer, wenn ich dort vorbeiging, musste ich durchs große Fenster schauen und das heute auf der Welt einmalige Exponat betrachten," sagt er schwärmerisch. Paul Wagner, ein Weißenfelser Industrieller, hat das Luftgefährt, das Ernst Udet 1924 in einer abgelegenen Werkstatt eines Bauerhofs in Bayern gebaut hatte, in den 1930-er Jahren erworben, weiß Alexander Nitschke.

Aufgrund seiner umfangreichen Recherchen fand der 40-jährige Autor des im Dezember 2011 erschienenen Buches "Die Flieger vom Tschirnhügel" heraus, wonach Experten des Museums lange gesucht hatten. "Ich hatte 2010 in einer Fliegerzeitschrift gelesen, dass ein Udet-Flugzeug für das Museum rekonstruiert wird", blickt Nitschke zurück. "Die Berliner suchten Fakten über dessen Geschichte von 1929 bis 1972", erklärt er. Das sei ihm bekannt vorgekommen, weil er sich zuvor mit Paul Wagners Sohn Richard und Zeitzeugen wie Modellbauer Dieter Johannson unterhalten hatte. So konnte eine große Lücke im Lebenslauf des Flugzeuges geschlossen und damit verlorenes Wissen aufgearbeitet werden. Das wollen die Weißenfelser Enthusiasten beim heutigen Austausch mit Gleichgesinnten thematisieren. Als Zeichen des Dankes durfte Nitschke das Archiv des Museums in Berlin nutzen. Im Gegenzug überreichte er ein Belegexemplar seines Buches, in dem das rote Flugzeug behandelt wird. Nitschke ist stolz, dass ein Teil Weißenfelser Luftfahrt- und Luftsportgeschichte in der Hauptstadt gezeigt wird.