Erinnert sich in der Großen Burgstraße an die Zeit der Kindheit und Jugend: Gisela Peter aus Weißenfels. (FOTO: P. LISKER)
Die Aktion "Alt-Weißenfels(er)", die Studenten der Hochschule Merseburg während der Museumsnacht in der Saalestadt veranstaltet haben, hat Gisela Peter, geborene Herden sehr berührt. "Ich habe mit meinen Eltern und zwölf Geschwistern im Haus in der Großen Burgstraße 19 gewohnt", erzählt die heute 76-Jährige während eines Besuchs in der MZ-Lokalredaktion. Bis auf den ältesten Bruder Karl seien alle Mädchen und Jungen der Familie Herden in dem Haus zur Welt gekommen. "Das war im Zeitraum von 1912 bis 1936", blickt die Seniorin zurück und blättert in einer von Bruder Erich angelegten Chronik. Jedem der sieben Brüder und sechs Schwestern , von denen nur noch drei am Leben sind, ist darin ein kleines Gedicht gewidmet. Doch im Mittelpunkt steht Mutter Frieda mit ihrer Lebensleistung, 13 Kinder großgezogen zu haben, während Vater Karl als Zimmermann Geld verdienen musste. "Unsere Familie war arm und hat zwei Weltkriege erlebt und überlebt", berichtet die Weißenfelserin. Als Nesthäkchen musste sie die getragenen Sachen der älteren Schwestern anziehen. "Das war nicht so toll, ich habe darunter mächtig gelitten, ich weiß noch, ein Paar Schuhe waren zwei Nummern zu groß", sagt Gisela Peter.
Vor ihrem Geburtshaus stehend, zeigt sie auf die erste Etage. Hier habe die Familie Küche, Stube und Kammern zum Schlafen bewohnt. Der Hauseingang befand sich in der Kleinen Burgstraße. Auf dem Platz davor haben die Herden-Kinder gespielt: Völker- und Kastenball, mit Puppen und Murmeln und Stammbuchbildern, die getauscht wurden. "Wenn unsere Mutter uns zum Essen pfiff, war die Straße leer", meint Gisela Peter schmunzelnd. Bis in die 60er Jahre hinein habe sie dort gewohnt, ihre Schwester noch viel länger - bis zur Wende etwa. Das Gebäude beherbergte im Erdgeschoss eine kleine Kneipe mit Kabarett, die wegen der Statur des Wirtes die "Erbse" genannt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Umsiedler einquartiert, die auf Strohsäcken schliefen. Das Café Uhlig und die Neue Apostolische Kirche hatten im "Alt-Weißenfels" danach ihren Sitz. Bis zur Bergschule, die Gisela Peter ebenso wie ihre Geschwister besuchte, war es nicht weit. Und bis zum Schloss schien der Weg noch kürzer. Nach Kriegsende habe sich die kinderreiche Familie hier mit Lebensmitteln wie Käse und Wurst versorgt, die die Soldaten zurückgelassen hatten.
"Das war abenteuerlich für uns Kinder", sagt Gisela Peter, die bis zum Eintritt in die Rente in der Lohnbuchhaltung in der Weißenfelser Schuhfabrik "Banner des Friedens" arbeitete, bei Fortschritt Weißenfels in den 50er / 60er Jahren unter Inge Schanding aktiv Handball spielte und mit ihrer Mannschaft viele deutsche Meistertitel holte. Heute hält sie sich mit Gartenarbeit und Stricken fit, beteiligt sie sich an Klassen- und Sportlertreffen.