Weißenfels: Paintball im Gewerbegebiet?

26.06.2012 20:49 Uhr | Aktualisiert 26.06.2012 20:55 Uhr
Drucken per Mail
Daniel Jenetzke (rechts)

Daniel Jenetzke (rechts) trifft sich gern mit seinen Freunden im Gewerbegebiet an der Käthe-Kollwitz-Straße in Weißenfels. (FOTO: MATTHIAS VOSS)

Von Matthias Voss
Viele Jugendliche in Weißenfels wünsche sich eine Paintball-Anlage. Damit ist ein Areal gemeint, auf dem junge oder jung gebliebene Menschen mit Farbmunition gegeneinander auf sich schießen.
weissenfels/MZ. 

"Eine Paintball-Anlage hier wäre cool. Im GG is ja genug Platz", meint Daniel Jenetzke und erntet Zustimmung seiner Weißenfelser Freunde Steven, Paul und Max, sowie Hannes aus Rippach und Rico aus Stößen. Mit der Paintball-Anlage meint er ein Areal, wo junge oder jung gebliebene Menschen mit Farbmunition gegeneinander auf sich schießen. Wie in einem Computer-Ballerspiel. Mit "GG" meint der 18-Jährige das Gewerbegebiet an der Käthe-Kollwitz-Straße in Weißenfels.

Das ist der bevorzugte Ort, an dem die sechs und viele andere Heranwachsende in der Saalestadt ihre Freizeit verbringen. Aus Mangel an vielleicht sinnvolleren Orten? "Was heißt sinnvoll? Wir treffen uns ein paar Mal die Woche hier oben, weil du garantiert immer jemanden triffst, den du kennst. Im GG haben wir unsere Ruhe und können uns vor allem über unsere Leidenschaft austauschen. Denn jeder hier ist ein Autonarr", erklärt Daniel und winkt lächelnd dem nächsten Kumpel hinterher, der gerade mit seinem tiefer gelegten Auto bässewummernd die Straße entlang fährt.

Autoschau und Chillen

Und so gibt es eben die Autoschau, was Leckeres zu trinken dazu, ein bisschen entspannen oder auch "chillen", wie es im Jugenddeutsch heißt und das war es? "Na ja, manchmal hat einer eine gute Idee und dann setzen wir uns eben ins Auto und fahren irgendwohin", so der 18-jährige Weißenfelser, der aber gern in seiner Stadt mehr erleben würde. Allein das Angebot fehlt. Zwar gibt es den Jugendfreizeitkeller in der Schützenstraße und "Das Boot" in der Fröbelstraße. Aber hier sind die offiziellen Öffnungszeiten in der Woche jeweils von 12 bis 18 Uhr, am Wochenende ist komplett geschlossen.

"Die Jugendlichen mit den Autos treffen sich tatsächlich nur oben im Gewerbegebiet, zu uns kommen die nicht. Aber das ist okay, da haben sie ihren Platz und können sich über ihr Hobby austauschen. Ich finde das schon sinnvoll und toll, dass sie Zeit und Geld in ihre Autos investieren, da ist eine richtige Kultur entstanden", erklärt Thomas Ganz, Jugendsozialarbeiter bei der Interessengemeinschaft Bildung Leuna-Merseburg (IBLM) und Leiter vom "Boot".

Seine Klientel sind da eher die nicht mobilen Heranwachsenden aus sozial schwächeren Familien, die die kostenlosen Angebote wie Computerspielen oder Fitnessraum nutzen. Dazu kommt noch die Bootsliga im Fußball, die sich zweimal die Woche auf dem Bolzplatz in der Selauer Straße trifft "und dann sind auch schon mal die mit den Autos mit dabei", so Ganz, der bei den Öffnungszeiten im Boot flexibel ist.

"Ja, das Boot ist ganz ok, aber da gehen wir trotzdem nicht hin, höchstens mal zum Fußball", meint Mathias Pötzel aus Weißenfels, der mittlerweile die Gruppe im GG verstärkt hat. Auch für den Weißenfelser sieht es in seiner Heimatstadt ziemlich mau aus, was Freizeitangebote angeht. "So ein richtiger Jugendclub, wie es die auf den Dörfern gibt, fehlt einfach. Ins Bowlingcenter kannst Du auch nicht jeden Tag und die Beachvolleyballanlage unten in der Stadt (an der Dammstraße - die Red.) ist ja auch schon leider total verdreckt", sagt der 19-jährige Mathias und würde sich über einen überarbeiteten Sprungturm im Freibad in Langendorf und vielleicht endlich mal ein Kino in Weißenfels freuen.

"Das ist doch schon ziemlich bescheuert. Weißenfels ist viel größer als Naumburg, aber die haben ein Kino und wir nicht", beschwert er sich, wird aber von den Kumpels beschwichtigt. "Na und? Dann setzen wir uns eben ins Auto und fahren nach Günthersdorf," kommt es fast unisono aus mehreren Kehlen.

Jungen unter sich

Auffällig aber ist, dass die Jungs unter sich sind. Was ist den mit Mädchen? "Manchmal bringt jemand seine Freundin mit, aber die Mädchen wollen dann doch eher was unter sich machen", erklärt Daniel Jenetzke und bringt das nächste Stichwort ins Spiel: Unter sich. Das wollen die GG- und Autoliebhaber auch bleiben und meinen damit Jugendliche aus anderen Stadtteilen. Denn auch in der Neustadt, in Süd und West gibt es Treffpunkte, ähnlich dem an der Käthe-Kollwitz-Straße, nur eben auf Parkplätzen von Kaufhallen. "Die aus West sind ganz okay, aber mit denen aus Süd gibt es eigentlich immer nur Stunk, die prügeln sich auch untereinander.

Und mit denen aus der Neustadt wollen wir erst recht nichts zu tun haben. Bauen sie doch mal irgendwas Neues in der Neustadt. Sinnlos, denn das machen die doch eh wieder kaputt", beschwert sich Daniel und spricht damit unter anderem den Vandalismus im Neustadtpark an.

Die GG-Autoliebhaber haben keine Probleme untereinander und auch nicht mit der regelmäßig kontrollierenden Obrigkeit. "Das Ordnungsamt kommt manchmal wegen Müll vorbei, aber den sammeln wir ein. Trotzdem würden sich Mülleimer hier gut machen. Und die Polizei ist auch immer sehr nett, die haben noch nie Stress wegen unserer Autos gemacht", freut sich der 18-Jährige, dass die Freizeitgestaltung im Gewerbegebiet eigentlich ganz entspannt ist - abgesehen von der fehlenden Paintballanlage.