Weißenfels: Pro und Kontra zu neuer Schulform

11.07.2012 21:15 Uhr | Aktualisiert 11.07.2012 22:34 Uhr
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SPD-Landtagsabgeordneter Rüdiger Erben

«Land hat höchsten Anteil an Schülern ohne Abschluss», so der SPD-Landtagsabgeordneter Rüdiger Erben. (FOTO: ARCHIV)

Die Pläne für die Gemeinschaftsschule werden weiter debattiert. Der Weißenfelser Schulleiter spricht sich dagegen aus, SPD-Landtagsabgeordneter befürwortet das Projekt.
Weissenfels/MZ/ze. 

Die in der vorigen Woche vor allem auf Ablehnung hinauslaufende Diskussion um die Pläne für die Gemeinschaftsschule in Sachsen-Anhalt hat mittlerweile zu einigen weiteren Debatten geführt. Die von der CDU initiierte Runde in Weißenfels lehnte im Hinblick auf die vielen Veränderungen im Schulsystem während der letzten Jahre weitere Experimente ab und verwies darauf, dass das gegenwärtige Schulsystem leistungsfähig sei. Vor allem auf der Facebook-Seite der MZ-Lokalredaktion gibt es Meinungsäußerungen dazu.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Rüdiger Erben hat in seinem Kommentar auf Facebook die derzeitige Leistungsfähigkeit des Schulsystems in Sachsen-Anhalt in Zweifel gezogen. "Wenn es wirklich so leistungsfähig ist, wie von den Kollegen der CDU dargestellt, dann frage ich mich, warum nach zehn Jahren CDU-Bildungspolitik in Sachsen-Anhalt unser Land den deutschlandweit höchsten Anteil an Schülern hat, welche die Schule ohne Abschluss verlassen", schreibt er. Außerdem werde niemand gezwungen, die Gemeinschaftsschule zu besuchen. Kontra bekommt Erben unter anderem in einer E-Mail von Jürgen Mannke, Leiter des Goethegymnasiums in Weißenfels und Vorsitzender des Philologenverbandes Sachsen-Anhalts. "Woher hat Herr Erben die Gewissheit, dass die Gemeinschaftsschule breite Mehrheit im Lande findet? Das wäre auch verwunderlich, denn die meisten Menschen in Sachsen-Anhalt haben wohl andere Sorgen als sich mit einer so unsinnigen erneuten, der 14. Schulreform zu beschäftigen", schreibt er.

Gemeinschaftsschule heiße, dass bis zu 29 Kinder mit sehr unterschiedlichen Begabungen in einer Binnendifferenzierung individuell gefördert werden sollen. Um das zu leisten, müssten die Schülerzahlen pro Klasse auf 15 gesenkt werden, meint Mannke.

Gegen die Gemeinschaftsschule spricht sich auch der parteilose Weißenfelser Stadtrat Jörg Riemer (CDU-Fraktion) bei Facebook aus. "Bei den Beteuerungen, die Gemeinschaftsschule nicht bevorteilen zu wollen, stellt sich die Frage, warum alle zukünftigen Gemeinschaftsschulen Ganztagsschulen werden, während in den anderen Schulformen einige schon jahrelang auf die Genehmigung und die zusätzlichen Ressourcen warten?" fragt Riemer.

Ebenso sei es fraglich, warum die Oberstufe einer Gemeinschaftsschule bereits mit 25 Schülern je Jahrgang eröffnet werden soll, während ein Gymnasium mit 50 Schülern schon als bestandsgefährdet gilt. Angesichts der demografischen Entwicklung werde keine weitere Schulform gebraucht, die das Gefüge weiter durcheinanderbringt und den Bestand etablierter Schulen gefährdet, so Riemer.